Vielleicht werden Sie mir entgegnen, dass Sie keine Seelen für Gott gewinnen können, weil Sie nicht über die notwendigen Mittel verfügen, dass Sie dies mit großem Eifer tun würden, aber nicht wissen, wie, da Sie weder lehren noch predigen können, wie es die Apostel taten. Wie ich Ihnen an anderen Stellen gesagt habe, gibt uns der Teufel manchmal große Wünsche ein, damit wir uns beruhigen, indem wir nach unerreichbaren Dingen streben und in unserem Dienst für Gott das vernachlässigen, was wir verwirklichen können. Auch wenn Ihr Gebet der ganzen Welt zugutekommt, genügt es doch, wenn es denjenigen zugutekommt, die mit Ihnen leben. Denn das ist nicht wenig; wenn Sie durch Ihre Demut und Entsagung, durch Ihren Dienst an den Schwestern und Ihre Liebe zu ihnen sowie durch Ihre Liebe zu Gott erreichen, dass Sie ein Feuer werden, das sie alle entfacht. Kurz gesagt, Schwestern – und damit schließe ich – bauen wir keine Türme ohne Fundamente. Der Herr achtet nämlich mehr auf die Liebe, mit der wir Werke vollbringen, als auf deren Großartigkeit. Aus dem, was Sie tatsächlich in die Tat umsetzen, wird der Herr erkennen, dass Sie bereit sind, viel mehr zu tun, und wird Ihnen einen Lohn geben, als hätten Sie ihm viele Seelen gewonnen.
(Teresa von Jesus, die Burg in uns VII.IV,14;
Übersetzung J. Koláček unter Berücksichtigung der Arbeitsübersetzung V. Kohuta)