XV. In der Gebet sehe ich die liebenswerte Mutter ganz nah an meiner rechten Seite. Manchmal ruhe ich in ihrem Arm oder auf ihrem Schoß und empfinde mit einem sehr lieblichen, zärtlichen, unschuldigen, verletzlichen und zugleich brennenden Gefühl von Liebe, manchmal auch mit einer gewissen Heftigkeit und Freude des Herzens sowie anderen impulsiven Aktivitäten und Aufgaben, wie es eine sehr liebende Tochter tut. Aber das lässt sich leicht mildern, wenn es nicht unterstützt wird.
Sie weist mich sehr klar und deutlich an, wie ich mich in der Gegenwart Gottes verhalten soll, damit ich nichts tue, was mir im unmittelbaren Besitzen und Genießen Gottes selbst im Wege steht, nämlich dass ich in meinem Inneren (fundo) nichts zulasse oder erdulde, was nicht rein von Gott oder von ihr ist.
Doch dieses Gefühl der liebenswürdigen Mutter, der Blick und die Aufmerksamkeit auf sie verlieren sich manchmal und verschwinden. Wie ein Kind, das auf dem Schoß seiner Mutter oder an ihren Brüsten einschläft, das Bewusstsein und die Erinnerung an sie verliert, so schläft auch meine Seele in einer liebenden und vertrauten Hinwendung zu Gott selbst in völliger Ruhe und Sammlung aller geistigen Kräfte in tiefem, vertrauten Schweigen in einer sehr reinen, innigen und einfachen Liebe zu Gott ein, in dem sie alles Unterscheidungsvermögen und eigene Aufmerksamkeit auf irgendetwas, auch auf die liebenswerte Mutter, verliert, auf dieses göttliche Eine gerichtet, von ihm verschlungen und darin liebevoll eingeschlafen.