P. Etienne Richer, Gemeinschaft der Seligsprechung, Dolany
„Wenn ich über dein Leben im heiligen Evangelium nachdenke, wage ich es, auf dich zu schauen und mich dir zu nähern.“
Diese Zeilen wurden von Theresia von Lisieux geschrieben, unserer geistlichen Begleiterin. Sie drücken den gesamten Zweck unseres Erzählens aus: den Mut zu haben, beim Nachdenken über das Evangelium auf Maria zu schauen und uns ihr zu nähern.
Für Theresia, ebenso wie für Papst Johannes Paul II., bedeutet Maria das Erleben und die Verwirklichung des Evangeliums. Sie hat als Erste die frohe Botschaft empfangen und als Erste hat sie sie auch verkündet. Sie ist die edelste und vollkommenste Frucht der schönen Liebe, die die Seelen schön macht, also der frohen Botschaft. Für Theresia jedoch war diese persönliche Zuneigung, das Lächeln der Jungfrau Maria, nie der Grund, warum sie Maria liebte.
Für unsere marianische Meditation dient die Erzählung aus dem Evangelium als Grundlage. Es handelt sich um eines der zwölf Gleichnisse vom Königreich des Himmels – das Gleichnis von den zehn Jungfrauen. Es betont die wache Weisheit, die von Liebe inspiriert ist:
Das Königreich der Himmel gleicht zehn Jungfrauen, die ihre Lampen genommen und dem Bräutigam entgegengegangen sind. Fünf von ihnen waren töricht und fünf waren weise. Die törichten nahmen zwar Lampen mit, aber kein Öl mit sich, die weisen hingegen nahmen mit ihren Lampen auch Öl in Gefäßen mit. Als der Bräutigam lange auf sich warten ließ, begannen sie alle einzuschlummern und schliefen ein.
Mitten in der Nacht erhob sich ein Geschrei. „Der Bräutigam ist da! Geht ihm entgegen!“
Da standen alle Jungfrauen auf und begannen, ihre Lampen in Ordnung zu bringen. Die törichten baten die weisen: „Gebt uns von eurem Öl, denn unsere Lampen verlöschen.“ Aber die weisen antworteten: „Wir können nicht, sonst würde es für uns und euch nicht genug sein; geht lieber zu den Verkäufern und kauft euch Öl.“ Als sie aber gingen, um es zu kaufen, kam der Bräutigam und die Vorbereiteten gingen mit ihm zur Hochzeit, und die Tür wurde verschlossen. Später kamen auch die anderen Jungfrauen und riefen: „Herr, Herr, öffne uns!“ Er aber antwortete: „Wahrlich, ich sage euch: Ich kenne euch nicht.“ Seid also wachsam, denn ihr wisst weder den Tag noch die Stunde. (Mt 25,1–13).
1. Dein Wort ist ein Licht für meine Füße
(Ps 119,105)
Spricht dieses Gleichnis von der Jungfrau Maria? Ja und nein…! Nein, weil es über die Jungfrau Maria überhaupt nichts sagt. Ja, weil wir in der heiligen Schrift zwischen den Zeilen lesen müssen, besonders in den Gleichnissen. Die „marianische“ lectio divina dieses Gleichnisses wird in der Tat sehr reich an Lehren über die Früchte des vertraulichen Freundschaft mit Maria sein: Wir sollen über alles mit Maria nachdenken.
Das angeführte Gleichnis verlangt wenigstens ein Minimum an Kenntnissen über die jüdische Tradition, die kritischen Anmerkungen in den meisten Bibelübersetzungen jedoch nicht bereitstellen. Es ist also wichtig, wenigstens ein wenig über den jüdischen Hochzeitsbrauch zu wissen.
Vor allem ist es wichtig zu wissen, dass Hochzeiten allgemein nachts gefeiert wurden, daher ergibt sich auch der Kontext des Gleichnisses. Die Jungfrauen, von denen hier gesprochen wird, sind einfach zwölfjährige Mädchen, die Brautjungfern, die dem Bräutigam entgegengehen:
Die königliche Tochter betritt in voller Schönheit,
ihr Kleid ist mit Gold durchwirkt.
Im bunten Gewand wird sie zum König geführt,
hinter ihr werden die Jungfrauen, ihre Begleiterinnen, geführt.
Begleitet von fröhlichem Jauchzen
treten sie in den königlichen Palast ein. (Ps 45,14–16)
Über das Öl, das das Licht der Lampe erhält, zu wachen, gehört zu den Pflichten und Privilegien der Frauen: Die Frau bewahrt das Licht im Hause und im Herzen des Mannes.
Wie das frühe Sonnenlicht die Welt aus den Höhen des Herrn erhellt,
so ist die Anmut einer guten Frau das Licht für das Haus. (Sir 26,16),
oder:
Wie die Sonne, die in den Höhen des Herrn aufgeht, ist die Schönheit einer guten Frau in einem wohlgeordneten Haus. (Sir 26,16 – ökumenische Übersetzung).
Die Frau ist also von Natur aus in der Lage vorherzusehen, was nötig ist, um das Licht in der Lampe zu erhalten, egal wie lang die Nacht auch sein mag: Dies gehört zur Weisheit der jüdischen Frau. „Der einzige liturgische Akt, der von der jüdischen Frau verlangt wird, ist, die Lampen am Schabbat zu entzünden, damit der Mann die familiäre Liturgie feiern kann. Die Frau bringt Licht, wenn es dunkel wird. Im Tempel, im Vorhof, der den Frauen vorbehalten war, hatten die Frauen die Aufgabe, das ewige Licht zu bewahren. Von ihnen wurde immer erwartet, dass sie Lampen sind, die in die Nacht dieser Welt leuchten.“
2. Glauben mit Maria, der Mutter des Lichts
Die erste Botschaft des Gleichnisses ist selbstverständlich, dass die Liebe Gottes zu den Menschen eine Brautliebe ist, eine feurige Umarmung, die die Erfahrung der Nacht enthält, in der es nötig ist, im Warten zu verweilen, im Glauben zu bleiben, denn Die Gebote des Herrn sind klar und erleuchten die Augen. (Ps 19,9).
Der Text spricht vom himmlischen Königreich als von einer Hochzeit, weiter von einem König, einem Bräutigam und von den Mädchen… Es wird jedoch nichts über die Braut gesagt, noch darüber, dass die Jungfrauen ihre Begleiterinnen sind! Ebenso ist es im Streit über das Fasten (vgl. Mt 9,14–17) und im Gleichnis von der Hochzeitsfeier (vgl. Mt 22). Es fehlte so sehr, dass die Vulgata und andere Versionen es einfach ergänzten.
Heute räumen viele Exegeten ein, dass die Braut – das sind diese zehn Jungfrauen oder sogar nur die weisen Jungfrauen. Wir haben zwar keine Einwände gegen eine solche Auslegung, versuchen jedoch dennoch eine freiere Interpretation.
Da es um das Gleichnis vom Königreich des Himmels geht, stellen wir die Frage: Kann die Braut nicht die Königin sein, die freundliche und schweigsame Jungfrau Maria, die bei Gott Gnade gefunden hat und die „mit uns auf den Wegen zum ewigen Leben wandelt“, wie Marta Robin sagte, wenn wir annehmen, dass unsere Seelen ihre Begleiterinnen sind?
Johannes Paul II. sagt in seiner Enzyklika Redemptoris mater: „Wenn die Kirche bei dieser Pilgerreise Raum und Zeit und noch mehr die Geschichte der menschlichen Seelen durchquert, ist Maria als die anwesend, die ‚selig ist, weil sie geglaubt hat‘, als die, die ‚vorangegangen ist auf dem Weg des Glaubens‘, auf dem sie wie jeder andere Mensch am Geheimnis Christi teilhat“ (Nr. 25).
Wenn wir über diese marianische Auslegung des Gleichnisses nachdenken, sehen wir, dass jeder von uns wie die Jungfrauen im Evangelium töricht oder weise sein kann – je nachdem, welche innere Beziehung wir zur Jungfrau Maria haben, denn „Maria ist keine törichte Jungfrau, in ihrer Lampe fehlt kein Öl, sie ist mit diesem Öl erfüllt“, sagte der heilige Bernard in dem Glauben, dass die Jungfrau Maria „ein verschlossener Garten, eine versiegelte Quelle, ein Tempel des Herrn, eine Stätte des Heiligen Geistes“ und die Mittlerin aller Gnaden ist.
Der heilige Ludwig Maria Grignion von Montfort sagte, dass Maria „eine leuchtende Lampe ist, die das ganze Innere erhellen und die göttliche Liebe entzünden soll, einen heiligen Altar, auf dem wir Gott in ihr und mit ihr sehen können.“
Da die Mädchen die Begleiterinnen der Braut sind, kennen sie sie sicher, haben sie gesehen, mit ihr gesprochen…, und dennoch sind nicht alle in der Lage, die Verbindung aufrechtzuerhalten, tatsächlich in der Liebe zu wachsen.
Aus diesem Grund können wir die erste Lektion ableiten: Jesus will nicht, dass wir nahe bei Maria sind (denn sie ist in jedem Fall nah bei uns, da sie jeden mit derselben Liebe liebt wie Jesus), sondern dass wir innerlich mit Maria verbunden sind.
Von wem könnten wir besser lernen, im Licht des Heiligen Geistes zu wachsen, wenn nicht von der Jungfrau Maria, der am meisten gesegneten unter den jüdischen Frauen, die, wie Theresia gerne sagte, „mehr Mutter als Königin“ ist und die die vornehmste Hüterin des Lichts in der Kirche und in unseren Herzen ist?
„Wenn der Heilige Geist, ihr Bräutigam, sie in der Seele entdeckt, kommt er dort an, tritt in sie ein, vereint sich mit dieser Seele in dem Maße, wie der Platz bereitgestellt wird für seine Braut. Und einer der Gründe, warum der Heilige Geist in den Seelen jetzt keine offensichtlichen Wunder wirkt, ist, dass er dort keine ausreichend starke Verbindung zu seiner treuen und untrennbaren Braut findet.“
3. Hoffen durch Maria, „Vorraum des Geheimnisses der zweiten Tugend“
Als der Bräutigam nicht kam… (Mt 25,5)
Die Hoffnung der zehn Jungfrauen wird auf die Probe gestellt. Der Gott Israels kann sich suchen lassen, aber auch gefunden werden: Habt ihr den, den ich so liebe, hier nicht gesehen? (Hld 3,3).
Wenn der Herr möchte, dass die Seelen im Vertrauen wachsen, findet er ein Mittel, um es ihr zu erleichtern und zu vereinfachen. Auch das Öl im Gleichnis ist eine solche Einfachheit im Heiligen Geist: Wenn dein Auge rein ist, ist der ganze Körper im Licht. „Einfachheit besteht darin, dass der Mensch in Glauben und Hoffnung mit dem eschatologischen Sieg der Liebe verbunden ist.“ Wenn die Liebe das Auge des Glaubens ist, sorgt die Hoffnung dafür, dass dieses Auge nicht im Schlaf schwer wird.
Der Glaube der Jungfrau Maria und ihrer Freunde ist nicht passiv oder verkrampft. In Wirklichkeit ist ihr ganzes Leben eine Verbindung mit Gott, der selbst einfach ist. Die Heiligen haben ein „flüssiges“ Herz, sagte der Pfarrer von Ars. Passivität und Ungeduld sind zwei der größten Versuchungen (Formen der Verhärtung des Herzens) gegen das innige Warten auf den Bräutigam.
Marias Glaube ist geduldig und hält die „erleuchtete Lampe“ bis tief in die Nacht. Die Jungfrau Maria ist treu, auch in der langen Weißen Samstag zweifelt sie nicht an der Auferstehung. „Vorraum des Geheimnisses der zweiten Tugend“, wie sie Charles Péguy nannte, lehrt uns, in der Hoffnung auszuharren, nicht in aufständischer Ungeduld zu verfallen, die verzweifelt verlangt, dass Gott handelt, sondern geduldig auf die Stunde Gottes zu warten.
Unser Heil ist (vorerst nur) ein Gegenstand der Hoffnung. Wenn aber der Gegenstand der Hoffnung sichtbar ist, ist es keine Hoffnung mehr. Was jemand sieht, wie könnte er darauf hoffen? Wenn wir aber auf etwas hoffen, das wir noch nicht sehen, warten wir darauf mit Ausdauer. (Röm 8,24–25).
Ungeduld ist ein Mangel an Vertrauen in den unendlich barmherzigen Vater, während „Geduld alles erlangt“, wie Theresia von Avila sagte.
Maria lehrt uns gleichzeitig, dass Hingabe keineswegs bedeutet, aufzugeben, sondern vertrauensvolle Wachsamkeit, befeuert von der Sehnsucht, jeden Tag Gottes Pläne immer tiefer kennenzulernen. Achte auf die Passivität des Herzens! Unsere Hoffnung müssen wir in Gott setzen und nicht in uns selbst: Wahre Hoffnung sucht das Königreich.
4. In Maria lieben, die Mittlerin der Hingabe
Dein Name ist Öl, das ausgegossen wird, darum lieben dich die Mädchen.
(Deine Öle duften angenehm, das reinste Öl – dein Name. Darum lieben dich die Mädchen. Ökumenische Übersetzung.)
Dieses Lied der Braut aus dem Hohelied (vgl. Hld 1,3b) klärt den Sinn des Gleichnisses: Ist das Öl, von dem gesprochen wird, nicht ein biblisches Symbol der Salbung des Heiligen Geistes?
Wie Serafim von Sarow sagt:
„Das Öl symbolisiert nicht unsere Taten, sondern die Gnade, durch die der Heilige Geist unsere Wesenheit erfüllt und das Eine ins Andere verwandelt: das Vergängliche ins Unvergängliche, den seelischen Tod ins geistliche Leben, die Dunkelheit ins Licht, den Stall, wo unsere Leidenschaften wie Vieh angebunden sind, ins Heiligtum Gottes, in den Hochzeitsaal, wo wir unserem Herrn, dem Schöpfer und Erlöser, dem Bräutigam unserer Seelen begegnen.“
Der Sinn der Jungfräulichkeit Marias besteht nicht nur darin, Jungfrau zu sein, sondern auch Tempel und Braut des Heiligen Geistes zu sein, um die Mutter Gottes zu werden!
Das Drama der törichten Jungfrauen besteht darin, dass sie nicht in ihrer Salbung der Brautjungfern verweilen konnten, daher ihre Eifersucht im entscheidenden Moment: Sie sind nicht die Jungfrauen der Jungfräulichkeit des Geistes, sie sind nicht bereit, wach für die Ankunft des Bräutigams. Der Beweis: Sie versuchen, den Heiligen Geist wie ein Produkt zu erwerben, während er eine göttliche Person ist. Sie haben schrecklich das gefehlt, was der heilige Augustinus „reinen Furcht“ nannte. Ihre „Liebe“ war nur wünschenswerte Liebe, wie der heilige Thomas von Aquin ausdrückte. Sie hatten nicht diese „schöne Liebe“ in sich. Aber: Wenn jemand für die Liebe alles Hab und Gut seines Hauses geben wollte, würde er nur Verachtung ernten. (Hld 8,7b)
Alle Jungfrauen – törichte wie weise – schliefen ein. Aber wie wir wissen, wird die Qualität unseres Schlafes nach der Qualität unseres Erwachens beurteilt. Wir können uns den Kontrast zwischen dem Schlaf der törichten Jungfrauen und dem Schlaf der weisen Jungfrauen vorstellen. Die törichten Jungfrauen wurden nicht nur vom Schlaf des Körpers überwältigt, sondern auch vom Schlaf des Herzens: Sie schliefen, aber ihr Herz wachte nicht. Ihr Schlaf ist das Verlassen, das Aufgeben Gottes und das Desinteresse an seinem Königreich. Sie suchten das Königreich Gottes nicht, und deswegen erhielten sie nichts zusätzlich (vgl. Mt 6,33). Jede der weisen Jungfrauen kann jedoch wie die Braut aus dem Hohelied sagen, dass sie „eifrig in seinem Schatten saß“ (vgl. Hld 2,3b) und zudem: Ich schlafe, aber mein Herz wacht. Ich höre meinen Geliebten klopfen. (Hld 5,2)
Die Jungfrauen erleben eine sehr persönliche Beziehung zum Geist der Liebe, ihr Leben ist ein spiritueller Gottesdienst, eine Hingabe an Gott und kein Aufgeben Gottes. Ihre Hoffnung ist der Glaube an die Liebe, denn sie wissen, dass nur die Liebe des Glaubens würdig ist und dass „die Liebe nicht sterben kann“, wie Marcel Van zu sagen pflegte. Ihre Liebe ist eine freundschaftliche Liebe, keine wünschenswerte, und ihre Hingabe ist „die köstliche Frucht“ dieser schönen Liebe, wie es die berühmte Dichtung Theresias von Lisieux schön ausdrückt. In einem anderen Gedicht schrieb Theresia wieder:
„Vollkommene Hingabe, das ist mein einziges Gesetz.“
Der Bräutigam kann singen:
„Öffne mir, Schwester mein, Freundin mein, Täubchen mein, meine Hingabe.“ (Hld 5,2)
5. „Die Jungfrau Maria ist die Atmosphäre“
Die Gegenwart des Geistes, die Einheit der Liebe des Vaters und des Sohnes, ist in Maria wie eine Salbung, deshalb ist es wichtig, dass wir ihre engen Freunde sind. „Die Jungfrau Maria ist die Atmosphäre“: auf geheimnisvolle Weise disponiert sie uns, wie Vater Molinié sagt, und darum ist die wahre Verehrung der Jungfrau Maria nicht nur „ein Mittel, das unserer Schwäche angeboten wird, das ist bereits der Himmel.“
Die eigene Lampe brennend zu halten, bedeutet, das eigene Herz in Wachsamkeit zu halten, die Liebe, die mir Gott im Leben erweist, im Gedächtnis zu bewahren. „Bekenne also die Sünde, danke für die Gegenwart und bitte um die Zukunft.“ Es geht nicht nur darum, sich an seine Schwäche zu erinnern, sondern auch an die Wunder Gottes, der uns das Gegenteil von dem leicht tun kann, was uns schwer zu glauben ist.
Und vergessen wir nicht, das Wunder Gottes zu bedenken, das die Person der Jungfrau Maria ist: Vater Guy Gilbert, Apostel der Gefangenen, Verbrecher und Prostituierten, die Opfer der Grausamkeit unserer Gesellschaft und des Mangels an unserer Liebe sind, hatte immer im Sinn: „Die marianische Verehrung habe ich von klein auf bewahrt. Und dieses tägliche Treffen mit Maria ist das schönste Lächeln Gottes.“
Guy Gilbert erlebte dieses Treffen konkret im treuen Gebet des Rosenkranzes, des Psalters der Armen, für den Monika Timarová diesen Vergleich gab:
„Der heilige Rosenkranz erhebt sich vor mir wie eine riesige romanische Kathedrale, ihr Hauptschiff ist das Credo, umgeben von einem Kranz von Kapellen der Geheimnisse… Aus dem Vorraum führen drei Türen hinein: Glauben, Hoffnung und Liebe, deren Geheimnisse in den ersten drei Ave Marias verborgen sind. Zutritt haben wir nur durch sie… Die Tatsache, dass jeder Gesätz mit einem Vaterunser beginnt, bringt eine erstaunliche Lehre mit sich. Sie sind die Türen zu den Kapellen der Geheimnisse. Und diese sind aus Ave Marias aufgebaut, die Geheimnisse enthalten, in denen sich die Leben Jesu und der Jungfrau Mutter überschneiden, denn Maria gebar Jesus. Jedes Gesätz endet mit Ehre sei dem Vater, damit wir uns vor der Heiligsten Dreifaltigkeit neigen, die in jeder Kapelle das Altarbild ist.“
Maria, die Mutter der schönen Liebe, führt uns zu einer Teilnahme an den freudigen, leidvollen und glorreichen Geheimnissen ihrer Geschichte mit Gott. Sie disponiert uns zur Teilnahme an den freudigen Geheimnissen, denn Jesus ist der König der Freude; an den glorreichen Geheimnissen, denn Jesus ist der Prophet des Königreichs des Himmels; doch müssen wir auch die leidvollen Geheimnisse durchschreiten, denn Jesus ist Priester, und die Jungfrau Maria hat vollen Anteil an seiner priesterlichen Liebe.
Da wir durch die Taufe Priester, Propheten und Könige wurden, sollte uns der Rosenkranz sehr helfen, die Gnade unserer Taufe zu leben.
(Dieser Text erschien auf Slowakisch im Buch „Maria, das Lächeln Gottes“
herausgegeben von Serafim Verlag, Bratislava 1994.)