Am neunten Mai 2001 seligsprach der Papst Johannes Paul II. auf Malta drei Zeugen des Glaubens. Unter ihnen war auch der karmelitanische Terziar, Apostel der Laien Georg (George) Preca. An der Seligsprechungszeremonie nahmen 150.000 Menschen teil, was fast die Hälfte der Bevölkerung Maltas ausmacht.
George Preca wurde am 12. Februar 1880 in der maltesischen Hauptstadt Valletta in einer großen christlichen Familie geboren. Er besuchte die beste Mittelschule Maltas und anschließend das Priesterseminar. Schon als Kind war er oft krank und nach der Annahme der Diakonweihe erkrankte er so schwer, dass kaum noch Hoffnung auf Heilung bestand. Schließlich wurde er jedoch durch die Fürsprache des hl. Joseph geheilt und wurde am 22. Dezember 1906 zum Priester geweiht.
Vater Preca, auf Malta bekannt als Dun George, spürte bereits vor seiner Weihe die Berufung, diejenigen zu unterrichten, die dringend eine religiöse Bildung benötigten. Bereits 1906 hatte er eine lateinische Regel für eine Gemeinschaft von ständigen Diakonen entworfen, die den Bischöfen in der christlichen Ausbildung der Gläubigen helfen sollten. Diese Regel wollte er Papst Pius X. zur Genehmigung vorlegen. Kurz darauf jedoch änderte er dieses Projekt. Er begann selbst, eine Gruppe junger Männer zu formen, damit sie später in der Lage wären, andere zu unterrichten. Einer seiner ersten Schüler, ein junger Arbeiter aus den maltesischen Werften, der Diener Gottes Eugen Borg, wurde später der erste Generaloberste der von Preca gegründeten Gesellschaft.
Die Gemeinschaft, die den Namen Gesellschaft der christlichen Lehre (Society of Christian Doctrine; SDC) trug, wurde Anfang 1907 in Hamrun auf Malta gegründet. Zu Beginn litten die Brüder unter allem Mangel, außer an brüderlicher Liebe und gesundem christlichen Unterricht. Als ihr Motto wählten sie die Buchstaben M.U.S.E.U.M., die die Anfangsbuchstaben des Lateinischen „Magister Utinam Sequatur Evangelium Universus Mundus“ sind, übersetzt: „Göttlicher Lehrer, möge die ganze Welt das Evangelium folgen!“1
Nicht alle akzeptierten jedoch die Vision von Vater George über die religiöse Bildung der Laien positiv. Einige interpretierten seine guten Absichten sogar negativ. Die Bibel und Theologie so zu präsentieren, dass Arbeiter und Laien sie verstehen konnten, war damals eine wirklich revolutionäre Idee. Umso schockierender war der Traum von Bl. George von der Ausbildung von Laien – Männern und Frauen, die dann Gottes Wort weiter zu anderen verkünden würden. Seine Gesellschaft und seine Regel wurden 25 Jahre später vom maltesischen Bischof genehmigt.
Zu jener Zeit, als es nur wenige staatliche Schulen gab und der Schulbesuch nicht obligatorisch war, wurden in einer Pfarrei nach der anderen Zentren für katholische Bildung eröffnet, die von der Gesellschaft geleitet wurden. Die Menschen benötigten dringend religiöse Bildung. Ihr christliches Leben beruhte größtenteils nur auf dem Empfang der Sakramente und dem Volksfrommheit, ohne fundierte Kenntnisse der Lehre der Kirche. Für die Kinder und Jugendlichen, die täglich zu den Zentren von Vater George kamen, bereiteten die Katecheten nicht nur Unterricht, sondern auch verschiedene Ausflüge und Spiele vor.
Von Anfang an wollte Vater Preca sowohl junge als auch erwachsene Menschen unterrichten, aber am wichtigsten war ihm die Ausbildung eifriger zölibatärer Katecheten aus seiner Gesellschaft. Nach dem Unterricht der Kinder und Erwachsenen haben die Katecheten den Auftrag, jeden Tag eine Stunde mit gemeinsamer Gebet und Bildung zu verbringen.
Vater Preca lehrte auch durch seine Bücher. Zu dieser Zeit konkurrierten auf Malta Italienisch und Englisch miteinander. George Preca jedoch schrieb in Maltesisch, der Sprache der einfachen Leute, damit ihn jeder verstehen konnte. Er verfasste etwa 150 Publikationen – von Büchern bis hin zu Broschüren. Außerdem stellte er eine Vielzahl von Gebeten zusammen. Anhand dieser erkennen wir ihn als Mystiker, der in allem, was ihn umgab, stets Gott suchte. Eine besondere Ehrfurcht hatte er vor dem Geheimnis der Inkarnation und den Worten aus dem Evangelium des Johannes: „Verbum caro factum est“ (Das Wort ist Fleisch geworden, Joh 1,14). Der selige Vater Preca war auch ein sehr gefragter Beichtvater, weil er Trost spenden konnte. Es scheint sogar, dass durch seinen Dienst Heilungen stattgefunden haben.
Im Jahr 1950 schickte Vater Preca selbst sechs Mitglieder der Gesellschaft zur Evangelisierung nach Australien. Darüber hinaus gibt es heute Zentren der Gesellschaft SCD auch in Albanien, Kenia, dem Sudan und Großbritannien. Das Charisma von Vater George ist nach wie vor lebendig, und viele erfahren eine Berufung zum Dienst in seiner Gesellschaft.
Vater George Preca starb am 26. Juli 1962 in Malta im Dorf Santa Venera. Seine Überreste sind in der Nähe des Mutterhauses der Gesellschaft in Blata l-Bajda beigesetzt. Das liturgische Gedenken dieses neuen Seligen wird am 9. Mai gefeiert.
Aus dem Englischen übersetzt von Monika Kršková.