P. Salvador Villota, O.Carm.
Maria präzisiert, dass diese Größe die Heiligkeit betrifft. „Große Dinge hat der Allmächtige an mir getan, dessen Name heilig ist.“ Größe und Heiligkeit. Gottes Werke sind jedoch nicht auffällig oder pompös. Er stellt sie nicht zur Schau, wie wir Menschen es manchmal tun. Wir tun etwas und wollen, dass es alle wissen. Dass die anderen sehen, wie groß du bist. „Das habe ich alles gemacht!“ Es kommt vor, dass ein Bruder, der Provinzial war, dann sagt: „Als ich Provinzial war, habe ich dies, das und das getan!“ Und die anderen geben uns im Verborgenen zu verstehen: „Als er Provinzial war, geschah nichts.“ Und so stellt man sich die Frage, wie es wirklich war… Oft versuchen wir, gesehen zu werden, wir sind nicht demütig. Aber das Werk Gottes ist durch Heiligkeit gekennzeichnet. Wer wusste, dass der Engel Gabriel nach Nazareth kam, um ein Mädchen anzusprechen? Niemand – nur Gott. Wer hörte das Magnificat, als Maria diese Worte vor ihrer Verwandten Elisabeth sprach? Niemand.
Gott handelt in seinem Werk immer mit Heiligkeit, denn Gott engagiert sich, offenbart und schenkt… Wenn ich mich einem Werk widme, muss ich nicht sagen: „Das habe ich gemacht,“ denn das Werk selbst erzählt darüber. Muss Gott etwa erklären: „Das habe ich erschaffen?“ Schließlich spricht die Schöpfung von ihm! Zu Recht könnte Gott uns sagen: „Die Schöpfung spricht von mir. Seht sie euch an und daran erkennt ihr, wer ich bin. An meinem Werk.“ Gottes Werk und Gottes Wesen sind verbunden. Gott ist Handeln und Sein in einem. Wir sind geteilt, und deshalb sprechen wir über das, was wir getan haben, getrennt von unserem Sein: „Ich habe dies und jenes gemacht.“
Maria war innerlich mit dem Heiligen Geist verbunden. (Das ist wichtig für die Seele, denn der göttliche Hauch, der Heilige Geist, regt unsere Seele an.) Daher war sie in der Lage, die Heiligkeit Gottes wahrzunehmen. Und sie sagt: „Sein Name ist heilig.“ Der Name bedeutet: das, was Gott über sich offenbart. Maria sagt: „Das, was Gott über sich offenbart, ist heilig.“ Maria lenkt uns so zu einer authentischen Erfahrung mit Gott. Diese ist die Voraussetzung für jedes geistliche Leben. Und sie ist entsprechend selbstverständlich auch die Voraussetzung für unsere Antwort auf die persönliche Berufung. Die persönliche Berufung knüpft immer an unsere persönliche Beziehung zu Gott an. Wenn wir nicht in ihm leben, hat das große Konsequenzen.
Wenn wir nicht mit Gott verbunden sind, werden wir den ganzen Tag nur klagen und jammern. „Niemand strengt sich so an wie ich. Ich habe immer so viel zu tun. Ich habe keine Zeit, um innezuhalten, und die anderen rühren nicht einmal einen Finger. Ohne mich wird alles hier zusammenbrechen.“ Und du erkennst nicht, dass das alles existierte, bevor du kamst, und es wird existieren, wenn du gehst!
Ähnlich: weil ich die Heiligkeit Gottes nicht verstehe, wünsche ich mir, dass alle wie ich sind. Das muss man gut berücksichtigen: Wenn ich das Bild des Körpers verwende: Wenn ich ein Fuß bin (im Leib der Kirche), dann müssen alle wie ich Füße sein. Aber stellt euch einen solchen Körper vor, in dem alle Füße wären! Es würde nicht funktionieren. Wenn ich auf die anderen schaue durch das, was ich tue, scheint es mir, dass sie nichts tun oder dass sie nicht das tun, was sie sollten. Weil ich die Größe und Heiligkeit Gottes nicht verstehe, die in jedem Menschen gegenwärtig ist.
Oder ich möchte fälschlicherweise jemand anderes sein. So möchte die Hand gerne ein Fuß sein, der Fuß möchte der Kopf sein – nur würde der Körper dann ein Ungeheuer sein.
Im Gegensatz dazu wollte Maria nicht, dass jemand anderes die Mutter des Messias wird, weil (sie akzeptierte, dass) sie es sein sollte. Der Erzengel Gabriel sagte zu ihr: „Der Herr will, dass du die Mutter des Messias wirst.“ Und Maria antwortet nicht: „Geh zu der Nachbarin, die den ganzen Tag nur faulenz, die braucht sicher etwas zu tun…“ – So stehen wir manchmal leider da. Der Herr kommt zu dir und sagt dir: „Du solltest das und das tun, denn du hast die Fähigkeit dazu.“ Und wir sagen: „Nein, soll es der Nachbar machen, jemand anderes.“ Weil wir die Größe und Heiligkeit Gottes nicht verstehen.
Und wir spüren auch nicht, was für Maria diese Aufgabe bedeutet, die sie vor sich hat: Mutter zu werden. Diese Aufgabe weckt Ehrfurcht. Maria lebt in der Gegenwart Gottes und versteht, wie viel Böses, wie viel Verachtung des Guten um sie herum ist. Und sie wird das in sich tragen und ertragen müssen – wenn sie die Mutter Gottes werden soll. Und dennoch sagt sie: „Meine Seele erhebt den Herrn.“
Ein geistliches Leben ist also ein Leben in Beziehung zu Gott. In einer authentischen Beziehung zu Gott, dem großen und heiligen. Wir müssen aber auch bereit sein dafür, dass Gott manchmal uns einen Strich durch die Rechnung macht. Wir tun manchmal etwas und benehmen uns, als wäre es unser Kind, das wir nicht verlassen können. Zum Beispiel, wenn ich mit der Aufgabe betraut bin, Vorsteher, Prior oder Ökonom zu sein. Und ich denke: „Nur, dass mir diese Funktion nicht weggenommen wird!“ Zuerst wollen wir die Funktion nicht annehmen und dann wollen wir sie nicht loslassen… Aber wichtig ist unsere authentische Beziehung zu Gott, alles andere ist nebensächlich. Diese Bibliothek, in der wir sitzen, ist heute hier und vielleicht morgen nicht mehr. Das, was ist und was wir haben, hängt davon ab, wie Gott will – in jedem Augenblick. Nur Er ist wichtig. Unsere Beziehung zu Gott darf nicht heuchlerisch sein. Sie darf nicht ängstlich sein. Ich bin vor Gott ein kleines Kind. Ich muss ihm alles sagen.
Ohne mein Herz zu verhärten. Ihr kennt Kinder, wie sie manchmal erpressen können: „Das musst du mir geben; und das und das!“ So verhalten wir uns manchmal auch Gott gegenüber. Oft wollen wir Dinge, die nicht gut sind. (Wenn ich mich an das Bild halte, das Jesus einst verwendet hat:) wir sind überzeugt, dass wir um Eier bitten, aber oft wollen wir eine Schlange. Und Gott möchte uns diese nicht geben. Denn er liebt uns. Und wir drängen immer wieder: „Ich will dieses Ei! Und es ist ein Ei, ein Ei!“ Und Gott sagt manchmal: „Gut, dann nimm diese Schlange.“ Und was passiert dann? Schmerzhaft erkennen wir und wollen es nicht mehr. Wir wissen nun, was die Wahrheit ist.
Das heißt: Wir dürfen kein verhärtetes Herz haben. Das Gegenteil eines verhärteten Herzens ist ein stilles Herz. Die Verhärtung des Herzens ist „Sturheit“. Während ein stilles Herz bedeutet, stur zu sein und zu sagen: „Ich werde das Böse mit Gutem überwinden. Je mehr ich auf das Böse stoße, desto mehr werde ich mit Gutem darauf antworten.“ So verhielt sich Jesus – ein Sturkopf. Auf alles Böse, das zu ihm kam, antwortete er sehr hartnäckig mit Gutem. Im Heiligen Geist sind wir zur neuen Verhaltensweise verwandelt. Der Heilige Paulus war zuerst eifersüchtig darauf bedacht, das Gesetz zu bewahren. Aber als er dann Jesus begegnete, wurde er eifrig treu zu Christus. Zuerst wollte er der Erste sein – und dann wollte er auch der Erste sein, aber schon nach Christi Maß. Alles (auch das Unrecht, das wir erleiden) ist gut, wenn wir in der Gegenwart des Herrn sind. Sind wir es nicht, haben wir keine Chance, denn dann nutzen wir das, was uns begegnet, falsch und lassen uns vom Dämon täuschen. Es geht um eine Beziehung, ohne daran zu zweifeln, ob wir uns hingeben oder ob wir uns zurückhalten. Nicht dem Herrn zu sagen: „Ja, ich werde alles tun, was du willst!“ und nach einer Minute gleich das Gegenteil zu sagen: „Nein, ich werde nicht tun, was du sagst.“ So ein Schwanken verlangsamt, bremst unsere Beziehung zu Gott und hindert sie.
(Fortsetzung im nächsten Heft.)
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