Unser unruhiger Geist, der das Hauptinstrument jeglicher menschlicher Kommunikation ist, ist zugleich der Hauptstein des Anstoßes beim Beten. Er scheint von Natur aus eher zum Ablenken als zum Konzentrieren geneigt zu sein. Vielmehr ist er ungebunden, wandert ständig umher, ergreift jeden neuen Anreiz und beleuchtet ihn aus allen Blickwinkeln, anstatt die Aufmerksamkeit auf eine Richtung zu lenken und dort zu verweilen. Er möchte ständig beschäftigt sein, ununterbrochen arbeiten, sich kümmern, erinnern, planen, konstruieren, vorwegnehmen oder argumentieren, suchen und fragen. Selbst bei unseren Versuchen zu beten, stylisiert er sich in die Position Gottes und antwortet selbst auf jede unserer Bitten, so dass er im Gespräch mit Gott alle Rollen spielt.
Manchmal flame auch Stolz, Ungeduld, Unbehagen, Bitterkeit oder Hass auf, wenn wir es am wenigsten erwarten. Er kann sich verletzt oder betroffen fühlen, schuldig oder angewidert, gerade in dem Moment, in dem wir beinahe unser Ziel erreicht haben. Manchmal, eigentlich sehr oft, verbringen wir die für das Gebet reservierte Zeit damit, unseren unruhigen Geist zu bändigen, unsere Gedanken zu sammeln und unsere Aufmerksamkeit auf Gott zu richten. In solchen Gelegenheiten kann uns beides helfen: Erstens das Bewusstsein, dass Gott selbst den Anstoß zu unserem Gespräch mit ihm gegeben hat, weil er uns bewegt hat, uns Zeit für dieses Gebet zu nehmen, und zweitens, dass er unser Bemühen schätzt und es segnet.
(Walter J. Ciszek SJ /1904–1984/, Erinnerungen an sowjetische Gefängnisse, Er führt mich, Kapitel 5)