Langsam kam ich zu der Erkenntnis, wie vollkommen das Vaterunser ist.

Ich habe allmählich gelernt, mein Gebet zu reinigen und egoistische Elemente daraus zu entfernen. Ich habe gelernt, für meine Ermittler zu beten, denn auch sie sind Kinder Gottes und menschliche Wesen, die seinen Segen und seine Gnade benötigen, und zwar nicht, damit sie endlich meinen Standpunkt akzeptieren oder meine Unschuld anerkennen, sodass mein Leiden endet. Ich habe gelernt, mit den Bitten um mehr Brot für mich selbst aufzuhören und stattdessen meine Leiden und Hungerqualen für andere in der Welt und in Russland, die ähnliche Qualen erdulden mussten und noch mehr litten, zu opfern. Allmählich kam ich zu der Erkenntnis, wie perfekt das Vaterunser ist. Der menschliche Verstand würde kein besseres Modell für das Gebet finden als das, das wir vom Herrn erhalten haben.

(Walter J. Ciszek SJ /1904–1984/, Erinnerungen an sowjetische Gefangenschaft, Er führt mich, 5. Kapitel)