Bruder, rechnen Sie nicht damit, dass Sie Zeuge einer allgemeinen Erneuerung werden – im Christentum, unter den Priestern, in den Ordensgemeinschaften – die einstimmig begrüßt und mit Begeisterung in die Tat umgesetzt wird. Werden Sie deshalb die Hände im Schoß falten und untätig warten? Leben Sie Ihr Mönchsleben trotz des allgemeinen Verfalls. (…)
Wir leben in einer Zeit, in der es nötig ist, ein kontemplatives Leben zu führen, nicht um es zu lehren und weiterzugeben, sondern weil es unsere Berufung ist. Mit aufrichtigen Nachfolgern, mit jungen Menschen voll Enthusiasmus und Lernbereitschaft werden Sie wahrscheinlich nicht in Kontakt kommen… seien wir umso tiefer und anspruchsvoller zu uns selbst. Versammeln Sie in Ihrem Geist und in Ihrem Herzen, setzen Sie alle Werte des Evangeliums und der heiligen Regel in die Tat um… Damit sie trotz aller Hindernisse in mindestens einem Herzen lebendig bleiben, in Ihrem. (…)
Im Laufe der nächsten Jahre werden Sie sich oft sagen: „Aber um mich herum sind doch nicht nur durchschnittliche Menschen! Das Elend ist nicht so groß, wie es schien. Wenn der Herr wollte, könnte alles neu beginnen!“ Bruder, das wird vermutlich eine präzise Beobachtung sein. Lassen Sie jedoch die Zeit des Menschen vergehen und warten Sie geduldig auf die Zeit Gottes. Ohne Traurigkeit, ohne Staunen. Eine Sache ist nämlich sicher. Die Zeit Gottes kommt immer, nachdem die Zeit für alles andere vorbei ist.
(Pater Hieronymus /1907–1985/, Mönch des Zisterzienserklosters in Sept-Fons,
Brief an einen Mitbruder, 17. März 1977)