Jahr des heiligen Josef (8. Dezember 2020 – 8. Dezember 2021)
Inspiration für unser spirituelles Leben
Am 8. Dezember 2020 jährt sich das 150. Jahr, seit Papst Pius IX. den heiligen Josef im Angesicht der damaligen schweren Situation der Kirche durch das Dekret Quemadmodum Deus zum Patrons der katholischen Kirche erklärte. Anlässlich dieses Jubiläums erklärte Papst Franziskus das Jubiläumsjahr des heiligen Josef, das wir mit dem folgenden Text in Erinnerung rufen möchten.
Einige Gedanken über den heiligen Josef
1. Josef ist sich der göttlichen Versprechen bewusst und glaubt ihnen
Diese Sichtweise betonen die liturgischen Texte. Dies wissen wir mit Sicherheit aus der Schrift über Josef. Josef stammt aus dem Geschlecht Davids. Er war sich der Versprechen bewusst, die der Herr dem Stammvater David gegeben hat. Er glaubte an sie, auch wenn es zu seiner Zeit nicht so aussah, als würde der Herr sie erfüllen.
2. Josef ist ein Mensch mit seinen Plänen
Josef war kein Tagedieb, er hatte seine Pläne, und zwar wahrscheinlich in verschiedenen Lebensbereichen. Wir kennen nur seine Pläne im Bereich des Familienlebens: Er hatte sich mit Maria verlobt. Genau in diesem Bereich wollte Gott ihn gebrauchen.
3. Josef akzeptiert die Veränderung, die Gott in seine Pläne bringt
Josef konnte erwarten, dass er mit Maria eine gewöhnliche Ehe führen wird. Aber bevor seine Verlobte seine Frau wurde, empfing sie ein Kind von jemand anderem: vom Heiligen Geist. Gott überstieg ihre Pläne und veränderte ihre Ehe erheblich. Aber für den heiligen Josef war die Treue zu Gottes Plan wichtiger, als dass seine eigenen Vorstellungen in Erfüllung gehen oder dass er sich von den „normalen“ Menschen seiner Umgebung unterscheiden würde. Er tat, wie ihm der Engel befohlen hatte, und damit war alles für ihn in Ordnung.
4. Josef ehrt Marias Berufung
Gott wollte, dass Josef die Ehre Mariens, ihren guten Ruf und ihre Jungfräulichkeit verteidigt. Ihre Intimität mit Gott. Josef ist ein zutiefst frommer Mensch und zugleich empfindsam gegenüber seiner Verlobten. Er kennt das Geheimnis, wie Jesus empfangen wurde. Nicht nur, dass ihm dies der Engel mitgeteilt hat, sondern sie haben sicherlich auch darüber gesprochen. Und Josef ist Maria gegenüber respektvoll und diskret. Er ehrt die Berufung, die Gott ihr anvertraut hat.
5. Josefs Furcht vor der Sünde
Josef erschrak, dass Marias unklare Schwangerschaft einen Einbruch der Sünde in ihre Beziehung und in sein Leben darstellt. Er kann sich so etwas nicht mit dem, was er über Maria weiß, zusammenreimen. Auch die Vorstellung, wohin das nach einem solchen Verrat führen könnte, wenn er mit ihr heiratete und sie in familiärer Nähe lebten, ängstigte ihn. Gott kennt Josefs gerechter Angst und darum sagt er ihm durch den Engel: „Fürchte dich nicht (sie zu dir zu nehmen).“
6. Josef glaubt, dass Gottes Versprechen hier und jetzt erfüllt werden
Josef nimmt den Namen an, den er dem Kind geben soll. Er glaubt an die Prophezeiung des Engels, dass Jesus „sein Volk von seinen Sünden retten“ wird. Gottes Versprechen über den Messias aus dem Geschlecht Davids, an den Josef glaubt, ist nichts Ungewisses und Entferntes, das einmal in der Vergangenheit gesagt wurde und das irgendwann in der Zukunft geschehen wird, aber bestimmt nicht jetzt.
7. Josef ist frei von der Meinung der Umgebung über ihn
Josef, von allen als der Vater Jesu betrachtet, wusste, dass die Dinge anders sind, als die Menschen denken. Er hörte über Jesus Reden wie: „Ist er nicht der Sohn des Zimmermanns?“ (Mt 13,55). Und doch verachtete Josef die, die so redeten, nicht; er ärgerte sich nicht über sie. Er wusste, dass er nicht der war, für den ihn die Leute hielten. Er konnte in seinem Inneren sagen, was Johannes der Täufer laut sagte: „Ich bin nicht der, für den ihr mich haltet…“ Wie wurde Josef dadurch in seinem Selbstverständnis beeinflusst? Wie mochte es ihn anspornen, sich vor allem auf das zu konzentrieren, was er in den Augen Gottes ist?
8. Josef hat Herrschaft über seine Sexualität
Obwohl er der Verlobte eines jungen Mädchens (später Schwangeren und später auch Mutter) war, beherrschte er seine Sexualität. Wir glauben, dass er es weise, harmonisch und erfolgreich tat. Und dennoch hatte er Maria lieb – als seine Verlobte! (Und später als seine Frau.) Alles andere – abgesehen von der Sexualität – war zwischen ihnen. Und dennoch missbrauchte Josef Maria nicht. Und sie war sich seiner Festigkeit völlig sicher, als sie dem Engel entgegnete, dass sie nicht Mutter sein könne, weil sie nicht intim mit einem Mann lebt – also kam es ihr nicht in den Sinn, dass der Vater des Kindes einfach Josef sein könnte. Später, nach der Hochzeit, teilte Josef mit Maria die Intimität eines familiären Umfelds. Und in seiner respektvollen Beziehung zu ihr verharrte er. Er war ein treuer Nachkomme seines Stammvaters David, der es ablehnte, die Hand gegen den Gesalbten des Herrn zu erheben… (1 Sam 26,9).
9. Josef kontrolliert auch seine Emotionen
Keine andere Ehe war so intim wie diese. Josef erlebte Mariens körperliche Schönheit aus nächster Nähe, aber ebenso ihre geistige und seelische Schönheit, die so stark Anziehungskraft weckt. Innere Schönheit weckt emotionale Zuneigung, aber auch Anziehung insgesamt… Wie schnell werden dann unsere Emotionen besitzergreifend, hastig, gefühllos. Josef musste darauf achten, dass ihn Schönheit und Begeisterung nicht mitreißen und dass er nicht der Elefant im Porzellanladen wird.
10. Josef vertraut auf Gottes Beistand für die Rolle des Vaters und erfährt ihn
Josef hörte auf Gottes Aufforderung: „Fürchte dich nicht“ und nahm auch die Verantwortung für Jesus und seine Erziehung an. Er legte seine Angst ab und vertraute auf Gottes Hilfe. Josef erlebte, welche Gnade Gott ihm gab, um die Rolle des Vaters zu erfüllen, obwohl er nicht der leibliche Vater Jesu war. Wie stark mussten die Augenblicke des Gebets gewesen sein, in denen Josef darüber nachdachte und es erkannte!
11. Josef liebt und wird geliebt
Josef war in Maria verliebt, er liebte seine Frau. Und er war ein Mensch, der von seiner Frau geliebt wurde und wusste, dies weise und fromm zu erleben. Diese beiderseitige Liebe – gebend und empfangend – war ihm eine Quelle reiner Freude.
12. Josefs Liebe wächst im Kontakt mit Jesus
Josefs Liebe wuchs, als Jesus wuchs und als Jesus ihm seine Liebe zurückgab, wie dankbar er Josef war und wie er ihm gehorchte. Gleichzeitig wuchs Josefs Ehrfurcht vor Jesus, weil er in ihm zunehmend klarer die göttliche Macht und die göttliche Liebe wahrnahm.
13. Josef hat Anteil an Marias Angst und Tapferkeit
Josef freute sich und freute sich an Jesus, beobachtete aufmerksam das Wachstum, die Worte und das Verhalten Jesu. Auch er bewahrte dies ähnlich wie Maria in seinem Herzen. Denn er war „ein gerechter Mann“. Aber er hatte auch Anteil an Marias Angst durch die Prophezeiung Simeons und durch die Ahnung, dass Jesus leiden wird. Wie erlebte Josef dies als Mann?
14. Josef lässt sich von Maria und Jesus beeinflussen
Josef konnte in einer so vertrauten Nähe zu Maria und Jesus leben wie niemand sonst. Es war für ihn Freude und Glück. Es wirkte in seinem Leben wie ein guter Einfluss (um die Worte des Trappisten Vaters Jeroným zu verwenden). Josefs Lebensstil in der Familie, in Beziehungen usw. war dem Stil Jesu und Marias sehr ähnlich.
15. Josef stützt sich auf Maria und Jesus
Josef fand Halt im Beispiel, das Maria und Jesus ihm gaben. Er wusste auch, dass Maria und Jesus für ihn beten, vielleicht haben sie auch vor ihm und mit ihm gebetet. Josef lebte auch von ihrer Vergebung. Wenn er ihnen in irgendeiner Weise weh tat, bat er sie um Vergebung und nahm ihre Vergebung an.
16. Josef opfert bereitwillig für seine Familie, was nötig ist
Selbstlosigkeit für Maria und Jesus vervielfachte Josefs Kräfte. Josef gab bereitwillig viele andere Dinge auf, um mit Maria und Jesus ein Familienleben zu führen. Er war sich bewusst, dass es ihm genügen würde, für den Herrn zu leben und mit ihnen zusammen zu sein, um glücklich zu sein.
17. Josef sorgt für die Familie in materieller Hinsicht
Gott wollte, dass Josef ein wirklicher Mann von Maria wäre und dass er für die materielle Sicherheit von Maria und Jesus sorgte (diese Angelegenheiten wurden ihm auch von Teresa von Avila anvertraut).
18. Josef kommuniziert mit Maria und handelt gemeinsam
Josef vereinte sich mit Maria in der Sorge um Jesus, sie ergänzten sich gegenseitig, halfen sich, Schwierigkeiten zu überwinden, Sorgen zu tragen und im spirituellen Leben in Beziehung zu Gott zu wachsen.
19. Josef leidet nicht unter einem Minderwertigkeitsgefühl
Josef lebte mit denen, die heiliger waren als er. Jesus und Maria waren ohne Sünde. Aber Josef schaffte das. Er hatte keinen Minderwertigkeitskomplex, wies sich nicht ab, war nicht kleinmütig…
(Vortrag von P. Gorazd Cetkovský, O.Carm.,
der beim bundesweiten Treffen der Terziaren des Karmel im September 2021 in Kostelní Vydří gehalten wurde)