Laurentius von der Auferstehung (1614–1691)
Gütige Dame! (1)
Ich bedauere Sie sehr. Wenn Sie Ihre Sorgen bezüglich Ihrer Angelegenheiten Herrn und Frau N. überlassen und sich mit nichts anderem als dem Gebet zu unserem Gott beschäftigen könnten, wäre es gewonnen! Er verlangt von uns nicht viel: (nur) dass wir ab und zu kurz an Ihn denken, uns kurz vor Ihm verneigen, manchmal um Seine Gnade bitten, dass wir Ihm unsere Mühen opfern, ...
und dann, dass wir Ihm wieder danken für die Gnaden, die er Ihnen erwiesen hat und die Er Ihnen auch inmitten Ihrer Arbeiten schenken wird, damit Sie sich an Ihm erfreuen, so oft Sie können. Beim Essen und in Ihren Gesprächen heben Sie ab und zu Ihr Herz zu Ihm: die kleinste Erinnerung an Ihn ist Ihm immer sehr lieb. Sie müssen dabei nicht laut schreien, Er ist uns näher, als wir glauben.
Es ist nicht notwendig, ständig in der Kirche zu verweilen, um in der Nähe Gottes zu sein; aus unserem Herzen können wir einen Ort des Gebets machen, zu dem wir von Zeit zu Zeit flüchten, um in Stille, Demut und Liebe mit Ihm zu sprechen. Diese vertraulichen Gespräche mit Gott kann jeder Mensch führen, manche mehr, manche weniger: Er weiß, was wir vermögen. Beginnen wir! Vielleicht erwartet Er von uns nichts anderes als eine großmütige Entscheidung. Mut! Immerhin bleibt uns nur eine kurze Lebenszeit: Sie sind fast vierundsechzig und ich nähere mich der achtzig. Lassen Sie uns leben und sterben (in Verbindung) mit Gott! Leiden und Nöte werden uns angenehm und erfreulich sein, wenn wir mit Ihm sind, und die größten Freuden werden ohne Ihn wie eine grausame Strafe erscheinen. Er sei für alles gepriesen. Amen.
Gewöhnen Sie sich also allmählich daran, Ihn auf diese Weise zu verehren, Ihn um Seine Gnade zu bitten, ab und zu während des Tages Ihr Herz Ihm anzubieten, während der Arbeit, in jedem Moment, in dem Sie dazu fähig sind. Machen Sie sich keinen Zwang mit einer genauen Ordnung von Gebeten oder speziellen Andachten, beten Sie mit Glauben, Liebe und Demut. Sie können Herrn und Frau N. und Fräulein N. mit meinen armseligen Gebeten und damit versichern, dass ich Ihnen und ihnen besonders dienend im Herrn bin.
Bruder etc.
(1) Dieser Brief ist an eine Frau gerichtet, deren Name uns nicht bekannt ist, und wurde um das Jahr 1689 geschrieben.
Entnommen aus dem Buch: Bruder Lorenz von der Auferstehung, Gesammelte Werke
Herausgegeben von: Sr. Ancilla Karl OCD und P. Antonio Sagardoy OCD
Im Verlag: CERF Paris, 1991
Übersetzt und bearbeitet von: Norbert Žuška, OCarm.