Die Liebe Jesu ist stärker als alle Abgründe des Bösen.

Lieber Kind,

Ich habe Ihnen schon einmal einen Brief geschrieben, ist er bei Ihnen angekommen? Ich habe Ihnen viele Postkarten geschickt, aber ich habe das Gefühl, dass sie auf dem Weg zu Ihnen verloren gegangen sind! Und jede Woche versuche ich, Ihnen ein Paket mit Schokolade oder Feigen zu schicken. Ihre Briefe, Ihre gütigen Briefe, habe ich wohlbehalten erhalten. Wie schmerzlich ist es jedoch, dass ich keinen Kontakt zu Ihnen herstellen kann, dass ich Ihnen keine Hilfe schicken kann! (…)

Ich flehe Jesus an, dem kein Leiden, keine Angst unbekannt ist, dass er sein Licht in eure Herzen senden möge, damit er all euer Leiden in Liebe verwandelt. Ich bitte ihn, einen Teil davon mir zu senden. Wenn ich wenigstens einen kleinen Teil all dessen mit euch tragen dürfte. Ach... diese große Prüfung zwingt uns, die Herzen weit zu öffnen, sie lässt uns bis in die Tiefen des Geheimnisses von Bösem und Dunkelheit eintauchen, aber auch in die Liebe des Heilands! Wie große Liebe er zu jedem von euch hegt, wenn seine Liebe so große Prüfungen umfasst, die dazu bestimmt sind, sie zu heiligen und zu erleuchten. Ich beneide euch, liebes Kind, dass ihr so leidet, ich denke, dass ihr wirklich lebt. Alle diese Momente in der Zeit sind kostbar für die Ewigkeit. Die Gedanken, die ich ständig in mir trage, übergebe ich der Jungfrau Maria, wenn ich nach Bourguillon gehe. So sehr bete ich für euch alle zu ihr. Mögt ihr die Strahlen ihrer Zärtlichkeit erfahren! Je mehr ich leide, weil ich euch nicht direkt helfen kann, desto mehr bitte ich sie, eure Schmerzen zu erleuchten. (…)

Richten Sie Ihren gütigen Eltern aus, dass ich sie mit tiefer Liebe denke. Grüßen Sie alle lieben Freunde in Laskas und glauben Sie, liebes Kind, an meine tiefgehende und beständige Zuneigung in Jesus, dessen Liebe stärker ist als alle Tiefen des Bösen!

Ihr

Abbé J.

(Kard. Charles Journet /1891–1975/, Brief an das besetzte Polen, 6. Februar 1940)