An Weihnachten strahlte von ihm eine gewisse Zärtlichkeit aus...

Antonio Maria Sicari, OCD

(Kapitel aus dem Buch: Die Botschaft des Johannes vom Kreuz)

Johannes wurde zu Beginn des Advents im Jahr 1577 ins Gefängnis geworfen. Aus mehreren Zeugnissen wissen wir, dass er es sich zur Gewohnheit gemacht hatte, sich sowohl auf persönlicher als auch auf gemeinschaftlicher Ebene intensiv an der Vorbereitung der Feierlichkeiten zu Weihnachten zu beteiligen und auch das dramatische Darstellen dieses Geheimnisses nicht zu vernachlässigen.

Ein Zeugnis – das zwar aus späterer Zeit stammt, aber eine gewisse „habituelle“1 Sensibilität andeutet – beschreibt ihn folgendermaßen:

„Ich habe bemerkt, dass sich sein Gesicht den gefeierten Festen anpasste, und ich habe mich überzeugt, dass sich entsprechend den Umständen und der liturgischen Zeit der Zustand seiner Seele änderte. Während der Festtage des Leidens unseres Herrn war es möglich, den Schmerz zu erkennen, den er erlebte; zu Weihnachten strahlte von ihm eine gewisse Zärtlichkeit aus. Das Gleiche geschah auch an anderen Festtagen.“2

Die Botschaft des Johannes vom Kreuz - Umschlag Schon aus diesen flüchtigen Andeutungen können wir mit gutem Grund schließen, was der Gefangene wohl erfahren musste: in den ersten Wochen – psychologisch die schwierigsten – fiel der Verlust jeglichen Trostes (einschließlich des geistlichen) zeitlich mit der liturgischen Zeit zusammen, die ihn am meisten mit Zärtlichkeit erfüllte.

Wenn wir darüber sprechen, reden wir nicht von flüchtigem Emotionalismus, dem sich viele in der Vorweihnachtszeit leicht hingeben, sondern wir meinen die Zärtlichkeit eines wirklich „kontemplativen“ Menschen, in dem die Fülle des Glaubens widerhallt, die nahezu jede Faser seines Wesens durchdringt.

Erstmals in seinem Leben ist Johannes gezwungen, während des Erlebens des Advents sich vollständig auf den entblößten Glauben zu verlassen, der beinahe aller sinnlichen und sakramentalen Vermittlung beraubt ist.

Was ihm bleibt, um den Advent zu erleben, ist das Nachdenken über das Wort Gottes aus dem Breviarium, das ihm als einzigen überlassen wurde: die festliche, freudige Botschaft des Prologs des Johannesevangeliums („Am Anfang war das Wort... und das Wort wurde Fleisch“) und die Erzählungen über die Inkarnation aus den Evangelien der Kindheit Jesu.

Und gerade hier beginnt das Wunder von Tod und Auferstehung, das nicht nur das innere und geistliche „Ich“ des Johannes vom Kreuz betrifft, sondern auch – wenn man so sagen darf – sein „dichterisches Ich“: Der Heilige Geist entfaltet aus dem „Leib“ des leidenden Heiligen einen Ton, der das Echo des biblischen Wortes ist.

In diesem „Tod“ beginnt sich also das wahre Wunder der „Auferstehung“ zu entfalten: nicht nur das Wunder der „psychologischen und geistlichen Widerstandsfähigkeit“ des Gefangenen (die in einem „nächtlichen Flucht“ gipfelt), noch das Wunder des Glaubens, der aus diesem Abgrund rein und glühend emporsteigt, sondern die Auferstehung des Wortes.

Das Wort Gottes – wie die Kirchenväter lehrten – ist sogar im Schriftwort „verkürzt“ und „gekreuzigt“, und benötigt daher stets, dass der Gläubige es in seinem Herzen erneut zum Leben erweckt (patristisches Thema der Empfängnis und Geburt des Wortes im Herzen und der Seele des Gläubigen).

Es gibt schwierige Momente der Geschichte, in denen das Wort Gottes nicht nur durch das gehorsame Sein des Jüngers geschützt und verkörpert werden muss, sondern auch dadurch, dass der Jünger seinen Körper dem tatsächlichen Tod anbietet, damit das geschriebene Wort in seiner ganzen Pracht wieder hallen kann, als lebendiges und auferstandenes Wort.

In diesem Fall handelt es sich um einen Prozess, der so intensiv ist, dass selbst jene, die sich nicht als „Hörer des Wortes“ betrachten können (oder dies nicht wollen), durch seine künstlerisch vollendete Form, die ihnen tatsächlich „wie ein Wunder“ erscheint, zum Zuhören verlockt werden.

Zusammenfassend steht der höchsten Offenbarung der Schrift („Das Wort wurde Fleisch“) nun in der Zeit der Kirche die Erfahrung gegenüber, dass „der Körper zum Wort wird“: der Jünger gibt dem Wort seinen Körper, damit es erneut ertönen kann, lebendig und aktuell.

In diesem Sinne wird ein Teil dieses Wunders in jedem wirklich gläubigen Menschen gegenwärtig, soweit er „Hörer des Wortes“ ist. Bei Johannes vom Kreuz muss jedoch festgestellt werden, dass von ihm gefordert wurde, sich so zu übergeben, dass das biblische Wort erneut zu hören ist, und zwar auch auf poetische und ästhetische Weise.

Kapitel „Ereignis“ aus dem Buch,
veröffentlicht vom Karmelitanischen Verlag.

Der Karmelberg aus dem Buch: Die Botschaft des Johannes vom Kreuz

Übersetzung und Zeichnung von P. Vojtěch Kohut, OCD.