Abbé Maurice Bellières war gerade dreiundzwanzig Jahre alt, als ihm die ein Jahr ältere Thérèse offenbart, dass sie stirbt. Er antwortete ihr mit diesem Brief:
Ach, meine arme Schwester, was für ein Schlag für mein armes Herz! Es war so wenig vorbereitet – fordere von ihm nicht die Freude, die du empfindest, wenn das Glück näher rückt. Es bleibt an seinem schweren Ketten gebunden, es ist enger ans Kreuz genagelt. Du wirst gehen, liebe Schwester, und es bleibt wieder allein. (…) Das ist hart, das ist schmerzhaft für die Seele, die in Gott wenig gefestigt ist! Und doch, fiat, fiat! Wenn du für immer glücklich sein wirst, meine liebe Schwester – ja, es ist gerecht – ich bin egoistisch, geh, Schwester, lass Jesus nicht warten, er kann es kaum erwarten, dich zu sich zu holen, lass mich kämpfen, das Kreuz tragen, darunter fallen und an Folterinstrumenten sterben. Du wirst bei mir sein, du versprichst mir das und ich rechne damit, das ist meine letzte Hoffnung für die Gegenwart und für die Zukunft. Du wirst bei mir sein, bei mir, deine Seele wird meine Seele führen, wird zu ihr reden, wird sie trösten, es sei denn, Jesus, erbittert über mein Wehklagen, möchte es nicht. Aber du, Schwester, bist sein geliebtes Kind, du bist Seine Braut, die Königin, du wirst meinen Streit gewinnen und mich am letzten Tag zu ihm ziehen, du weißt, auf welchem Weg, dem kürzesten, dem Martyriums, wenn er es will. Dennoch danke ich dem Meister, er lehrt mich, mich von allem, was vergänglich ist, zu lösen und nur auf ihn zu schauen.
Geh also, liebe göttliche Schwester, und meine Schwester. Sage Jesus, dass ich ihn lieben möchte, viel, mit meinem ganzen Wesen, lehre mich, es so zu tun wie du; sage Maria, dass ich sie mit meiner ganzen Seele liebe; meinen Heiligen, die du kennst, sage ebenfalls von meiner Liebe und du, die du meine liebste Heilige werden wirst, du, meine Schwester, segne mich, rette mich …
(P. Maurice Bellière /1874–1907/, Brief an Thérèse vom Kinde Jesu, KT 189, 17. Juli 1897)