
Laurentius von der Auferstehung (1614–1691)
Alles, was ich von Menschen über Gott gehört habe, was ich über Ihn gelesen oder verstanden habe, kann mich alles nicht befriedigen. Wie könnten wir Ihn beschreiben, wie könnten wir Worte finden, um Ihn darzustellen, wenn Er unendlich perfekt ist? Nur der Glaube kann Ihn offenbaren oder mich lehren, was Er ist.
Im Glauben werde ich viel schneller und mehr über Gott lernen, als ich in vielen Jahren in Schulen lernen könnte.
Oh Glauben, Glauben, du wunderbare gute Kraft, die den Geist des Menschen erleuchtest und ihn zum Wissen über seinen Schöpfer führst. Oh, du absolut liebenswerte Tugend, so wenig bekannt und noch weniger gelebt, die jedoch, wenn sie einmal erkannt ist, voller Ruhm und Fülle des unaussprechlichen Segens ist. Die größte Anerkennung und den höchsten Lobpreis, den wir Gott erweisen können, ist völliges Misstrauen in unsere eigenen Kräfte und das völlige Vertrauen auf Seinen Schutz.
Das Leben ist voller Gefahren und versteckter Fallstricke, in denen wir scheitern, wenn wir nicht fortlaufend durch die göttliche Gnade gestärkt werden. Doch wie können wir darum bitten, wenn wir nicht mit Ihm sind? Wie können wir mit Ihm sein, wenn unsere Gedanken nicht bei Ihm sind? Wie könnte Er in unseren Gedanken sein, wenn wir uns nicht an gewöhnen, in Seiner Gegenwart zu verweilen und in ihr um die Gnade zu bitten, die wir in jedem Moment unseres Lebens benötigen?
Wenn wir im geistlichen Leben wachsen wollen, müssen wir uns bei kleinen Entscheidungen und auch bei der Abwägung selbst kleinster Dinge vom bloßen Verstand abhalten. Unglücklich sind die, die dort ihr ersehntes Glück suchen. Der Schöpfer ist der große Lehrer der Wahrheit. Wir können viele Jahre mühsam nachdenken, doch das Wissen um die verborgenen Dinge des Glaubens und um Ihn selbst ist vollständiger und viel tiefer, das wie ein Licht in den Herzen der Demütigen leuchten lässt.
Nichts kann uns in Lebensschwierigkeiten und Trauer so viel Zufriedenheit geben wie die liebevolle Verbindung mit Gott. Wenn es bewusst erlebt wird, dann erscheinen dieÜbel, die den Körper überfallen, leicht. Gott erlaubt oft körperliches Leiden, um unsere Seele zu reinigen und um uns dazu zu »zwingen«, in Ihm zu verweilen. Wie kann derjenige Schmerz empfinden, dessen Leben in Gott verborgen ist und dessen einziger Wunsch Gott ist? Lass uns Ihn in unseren Gebrechen verehren und Ihm unsere Traurigkeiten gerade in den Momenten anbieten, wenn wir belastet werden; und so wie ein Kind den Vater bittet, lasst uns Ihn mit zärtlichem Nachdruck bitten, dass Er uns Stärke gibt und unseren Willen nach Seinem Willen formt. Für die Kranken sind sehr geeignete kurze Gebete, da sie eine wunderbare Kraft gegen den Schmerz zeigen.
Ach, wenn ich wüsste, dass mein Herz Gott nicht liebt, würde ich es sofort herausreißen!
(Nach dem Buch Die Praxis der Gegenwart Gottes von Bruder Laurentius, Unitaria 1990, bearbeitet von: Norbert Žuška, OCarm.)