Ich danke dir, Jesus,
für das Elend, in dem Mutter und Vater lebten,
dafür, dass uns nichts gelang,
für den Rückgang der Mühle,
dafür, dass ich auf die Kinder aufpassen und die Schafe hüten musste,
für die ständige Müdigkeit…
Ich danke dir, mein Gott,
für den Staatsanwalt, für den Kommissar, für die Gendarmen
und für die harten Worte von Pater Peyramal…
Für die Tage, an denen du, Maria, kamst,
und für die, an denen du nicht kamst
– ich werde dir niemals genug danken –
bis im Paradies…
Aber auch für die Ohrfeige,
für das Spott, für die Beleidigungen,
für die, die mich des Betrugs beschuldigten,
für Lügen und Eigennützigkeit,
für die, die mich verdächtigten,
dass ich mich interessant mache,
dir, Mutter, danke ich…
Für die Rechtschreibung, die ich nie konnte,
dafür, dass ich nie ein Gedächtnis hatte,
für meine Unwissenheit und für meine Dummheit
danke ich dir…
Ich danke dir,
denn wenn es auf der Erde
das unwissendste und dümmste Kind gäbe,
hättest du es dir ausgesucht…
Ich danke dir, Jesus,
dafür, dass meine Mutter so weit weg starb,
für den Schmerz, den ich fühlte,
als mein Vater
– anstatt sein kleines Bernadette zu umarmen –
mich „Schwester Maria Bernarda“ nannte…
Ich danke dir für dieses Herz,
das du mir gegeben hast,
so zart und sensibel,
das du mit Traurigkeit gefüllt hast…
Für die Tatsache, dass Josefs Mutter erklärte,
dass ich zu nichts tauge,
für den Sarkasmus der Novizenmeisterin,
für ihre durchdringende Stimme,
ihre Ungerechtigkeiten, Ironie und das Brot der Demütigung…
danke ich…
Danke, dass ich das Privileg hatte,
dass man mir Mängel vorwarf,
wie die anderen Schwestern sagten:
„Gut, dass ich nicht Bernadetta bin.“
Danke dafür,
dass ich die Bernadetta war,
die mit Gefängnis bedroht wurde,
weil ich dich sah, Mutter…
die Bernadetta,
so arm und unnütz,
dass, als sie sie sahen, sie sich fragten:
„Soll das sie sein?“
Bernadetta, die die Menschen
wie ein seltenes Tier betrachteten.
Ich danke dir, Jesus,
für diesen bedauernswerten, eiternen Körper,
den du mir gegeben hast…
für diese Krankheit, die brennt wie Feuer,
für meine verrottenden Knochen,
für das Schwitzen und das Fieber,
für scharfe und dumpfe Schmerzen…
Und für diese Seele,
die du mir gegeben hast,
für die Wüste der geistigen Dürre,
für die nächtliche Dunkelheit und deine Blitze,
für dein Schweigen und deinen Donner,
für alles.
Ich danke dir, Jesus,
für dich –
als du hier warst…
und als du dich entfernt hast…
Danke.
(Bernadetta Soubirous /1844–1879/, Testament)