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Sei immer zufrieden und lass dich von nichts stören oder empören.

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Heim – wir in Gott und Gott in uns (2)

Heim – wir in Gott und Gott in uns (2)

Heute bringen wir die Arbeitsübersetzung einer weiteren Meditation von P. Radcliff OP, die zu Beginn der Synode über Synodalität gehalten wurde. Meditation über ein Zuhause, das nicht nur …, sondern auch …

Wir kommen zur Synode mit Hoffnungen, die sich gegenseitig widersprechen. Das muss jedoch kein unüberwindbares Hindernis sein. Was uns verbindet, ist die eucharistische Hoffnung, die in ihrem Schoß alles umarmt – und zugleich übersteigt – wonach wir uns sehnen.

Eine weitere Quelle der Spannung ist unser Verständnis der Kirche als Heimat, da wir uns hierbei nicht immer einig sind. Jedes lebendige Wesen benötigt ein Zuhause, um gedeihen zu können. Fische brauchen Wasser und Vögel Nester. Ohne Zuhause kann man nicht leben. Aber verschiedene Kulturen haben unterschiedliche Vorstellungen davon, wie so ein Zuhause aussehen sollte. „Asien hat das Bild eines Menschen angeboten, der an der Schwelle des Hauses seine Schuhe ablegt als Zeichen der Demut, mit der wir uns auf das Treffen mit Gott und den Nächsten vorbereiten. Ozeanien brachte das Bild eines Bootes. Und Afrika zeigt die Kirche als Familie Gottes, die in der Lage ist, jedem ihrer so unterschiedlichen Mitglieder ein Gefühl der Zugehörigkeit und herzlichen Aufnahme zu bieten.“ (Instrumentum laboris, B 1.2). All diese Bilder zeigen, dass wir irgendwo unser „Zuhause“ haben müssen, wo wir angenommen und gleichzeitig ermutigt werden. Zuhause dürfen wir so sein, wie wir sind, und zugleich werden wir angeregt, mehr von uns zu geben. Zuhause ist der Ort, an dem wir erkannt, geliebt und beschützt werden, aber gleichzeitig ermutigt, uns auf das Abenteuer des Glaubens einzulassen.

Die Welt leidet an einer Obdachlosenkrise. Wenn wir darauf reagieren wollen, müssen wir zuerst die Kirche als unser gemeinsames Zuhause erneuern. Wir plündern unser kleines planetarisches Zuhause. Mehr als 350 Millionen Flüchtlinge sind in Bewegung, die vor Krieg und Gewalt fliehen. Tausende von ihnen, in der Sehnsucht nach einem Zuhause, sterben auf dem Meer. Keiner von uns kann sich ganz zuhause fühlen, solange sich dies nicht ändert. Auch in reichen Ländern schlafen Millionen von Menschen auf der Straße. Viele junge Menschen können sich oft keine Unterkunft leisten. Und überall breitet sich schreckliche spirituelle Obdachlosigkeit aus. Gepeinigter Individualismus, der Zerfall der Familie, wachsende Ungleichheiten unter den Menschen – all dies überschwemmt uns wie ein Tsunami der Einsamkeit. Die Selbstmordraten steigen, denn ohne Zuhause, weder physisch noch spirituell, kann man nicht leben. Lieben bedeutet, zu jemandem nach Hause zu kommen.

Was kann uns die Szene der Verwandlung über unser Zuhause lehren? Was können wir in der Kirche und in unserer ausgeplünderten Welt lernen? Jesus zieht seinen engsten Freundeskreis beiseite, um gemeinsam die vertrauten Momente zu genießen. Diese drei werden auch in Gethsemane bei ihm sein. Der nahe Kreis derjenigen, mit denen Jesus sich am meisten zuhause fühlt. Auf dem Berg lässt er sie seine Herrlichkeit sehen, und Petrus möchte, dass dieser Moment nicht gleich endet: „Meister, es ist gut, dass wir hier sind! Lass uns drei Hütten bauen: eine dir, eine für Mose und eine für Elia.“ (Lk 9,33). Er ist gekommen und möchte, dass dieser vertraute Moment nicht sofort endet.

Dabei hört er die Stimme des Vaters: „Ihn hört!“ Sie müssen den Berg hinabsteigen und sich nach Jerusalem begeben. Sie wissen nicht, was sie erwartet. Sie werden zerstreut und in alle Teile der Erde gesendet, um von unserem heimatlichen Ort, dem Reich Gottes, zu zeugen. Die Heimat in der Ereignis der Verwandlung können wir auf zweifache Weise verstehen: als vertraute Nähe, wenn wir zuhause mit Jesus auf dem Berg sind, und als Berufung zu unserer ewigen, endgültigen Heimat, dem Reich Gottes, das alle umfassen wird.

Das unterschiedliche Verständnis der Kirche als Heimat teilt uns auch heute noch. Für die einen ist das Zuhause der Kirche durch traditionelle Bräuche und Formen der Frömmigkeit, durch Struktur und Sprache, durch das Erbe der Vorfahren definiert. Die Kirche ist der Ort, an dem wir aufgewachsen sind und den wir lieben, und das gibt uns eine klare christliche Identität. Für andere erscheint die heutige Kirche jedoch nicht als sicherer Hafen. Sie wird als exklusive Gemeinschaft erlebt, die viele Menschen an den Rand drängt: Frauen, Geschiedene und Wiederverheiratete. Für einige ist die Kirche zu westlich, zu eurozentrisch. Das Instrumentum laboris erwähnt auch Menschen, die in homosexuellen oder polygamen Verbindungen leben. All diese Menschen sehnen sich nach einer erneuerten Kirche, in der sie sich vollkommen zuhause fühlen, anerkannt, angenommen und in Sicherheit.

Die Vorstellung, dass alle willkommen sind und ohne Rücksicht darauf, wie sie sind, angenommen werden, kann von einigen als Zerstörung der Identität der Kirche empfunden werden. Wie in einem englischen Lied des 19. Jahrhunderts zu hören ist: „if everybody is somebody then nobody is anybody“ (1), also „wenn jeder jemand ist, dann ist niemand niemand.“ Diese Menschen glauben, dass Identität Grenzen erfordert. Doch für andere ist das innere Wesen der christlichen Identität, offen zu sein. Papst Franziskus sagt: „Die Kirche ist berufen, ein Haus des Vaters zu sein, mit immer offenen Türen… wo es Platz für jeden gibt, mit all seinen Problemen. Und um denen entgegenzukommen, die das Bedürfnis haben, sich wieder auf den Weg des Glaubens zu begeben.“ (2).

Diese Spannung war immer schon in den Wurzeln unseres Glaubens vorhanden. Und zwar seit den Zeiten, als Abraham Ur verließ. Das Alte Testament hält zwei Elemente in ständigem Spannungsverhältnis: Auf der einen Seite die Idee der Erwählung, die Idee des Volk Gottes, die Idee eines Volkes, mit dem der Herr wohnt, eine Identität, die wir mit Respekt hüten. Aber auf der anderen Seite ist auch die Idee der Universalität vertreten, die Idee der Offenheit für alle Völker, eine Identität, die immer auf ihre Enthüllung wartet.

Die christliche Identität ist zugleich bekannt und unbekannt. Sie ist etwas, das festgelegt ist, und zugleich das, was gesucht werden muss. Wie der heilige Johannes sagt: „Geliebte, jetzt sind wir Gottes Kinder. Aber was wir sein werden, ist noch nicht offenbar. Wir wissen jedoch, dass wir ihm ähnlich sein werden, wenn er offenbar wird; denn wir werden ihn sehen, wie er ist.“ (1 Joh 3,2). Wir wissen, wer wir sind, aber wir wissen noch nicht, wer wir sein werden.

Für manche von uns ist die christliche Identität vor allem gegeben; die Kirche ist so, wie wir sie kennen und lieben. Für andere ist die christliche Identität immer in gewisser Weise provisorisch, sie liegt am Horizont unseres Weges ins Reich, in dem alle Mauern unserer Trennungen fallen werden. Beides ist nötig! Wenn wir nur betonen würden, dass unsere Identität festgelegt ist, dass es nur so das wahre katholische ist, riskieren wir, zu einer Sekte zu werden. Wenn wir jedoch nur die abenteuerliche Suche nach noch unbehandelter Identität betonen würden, dann droht uns, vag zu werden, eine Bewegung Jesu zu sein. Aber die Kirche ist ein Zeichen und ein Sakrament der Einheit der gesamten Menschheit in Christus (LG 1), indem sie beides einschließt. Wir verweilen auf dem Berg und kosten bereits seine Herrlichkeit. Und gleichzeitig gehen wir nach Jerusalem, zur ersten Synode der Kirche.

Wie sollten wir diese notwendige Spannung erleben? Alle Theologie entspringt der Spannung, die den Bogen spannt, um den Pfeil zu schießen. Dieselbe Spannung verbirgt sich im Kern des Johannesevangeliums. Gott schafft sich sein Zuhause in uns: „Wer mich liebt, wird mein Wort halten, und mein Vater wird ihn lieben, und wir werden zu ihm kommen und bei ihm wohnen.“ (Joh 14,23). Aber Jesus verspricht uns auch, dass unser Zuhause in Gott sein wird: „Im Hause meines Vaters gibt es viele Wohnungen. Wäre es nicht so, hätte ich euch gesagt, dass ich hingehe, um einen Platz für euch zuzubereiten?“ (Joh 14,2).

Wenn wir an die Kirche als Zuhause denken, denken einige hauptsächlich an Gott, der zu uns nach Hause kommt, und andere hauptsächlich daran, dass sie nach Hause zu Gott streben. Beide Gruppen haben recht. Lassen wir auch die Sympathien für die, die anders denken, einfließen. Wir schätzen den vertraulichen Rückzug auf dem Berg, aber gleichzeitig kommen wir hinunter und gehen nach Jerusalem, wie Wandersleute, die keinen Ort haben, an dem sie ihren Kopf niederlegen können. „Ihn hört!“

Zuerst wohnt Gott bei uns. Das Wort wurde Fleisch in dem palästinensischen Juden des ersten Jahrhunderts, der in den Traditionen und Bräuchen seines Volkes aufgewachsen ist. Das Wort wird Fleisch in jeder Kultur: Wenn wir auf die Szene der Verkündigung in der italienischen bildenden Kunst blicken, sehen wir ein prächtiges Gebäude aus Marmor, mit Fenstern, die in den Olivenhain und die Gärten voller Rosen und Lilien öffnen. Niederländische und flämische Meister zeigen Maria vor dem warmen Feuer, gut eingekuschelt, um nicht zu frieren. Egal wie dein Zuhause aussieht, Gott kommt, um darin zu wohnen. Dreißig stille Jahre wohnte Gott in Nazareth, in einem unbedeutenden Loch. Nathanael rief entsetzt: „Kann aus Nazareth etwas Gutes kommen?“ (Joh 1,46). Philippus antwortet nur: „Komm und sieh!“

All unsere Zuhause sind Nazareth, wo Gott wohnt. Der heilige Charles de Foucauld /1858–1916/ sagte: „Möge Nazareth euer Vorbild sein, in aller seiner Einfachheit und Weite… Das Leben Nazareths könnt ihr überall leben. Lebt es dort, wo es euren Nächsten am meisten nützt.“ (3). Egal wo wir sind, egal was wir zu tun haben, Gott kommt, um bei uns zu bleiben: „Siehe, ich stehe an der Tür und klopfe. Wenn jemand meine Stimme hört und die Tür öffnet, gehe ich ein zu ihm und halte das Abendmahl mit ihm und er mit mir.“ (Offb 3,20).

In unseren Herzen bewahren wir die Orte, an denen wir dem Emanuel, „Gott mit uns“, begegnet sind. Wir lieben die liturgischen Feiern, in denen wir die göttliche Schönheit wahrgenommen haben, die Kirchen unserer Kindheit, die Volksfrömmigkeit. Ich selbst liebe das weite Benediktinerkloster, wo ich zur Schule ging und wo ich zum ersten Mal das Gefühl hatte, dass die Himmelstüren offen stehen. Jeder von uns hat seinen Tabor, wo wir die Herrlichkeit Gottes erblickt haben. So sehr brauchen wir das! Damals, als die Rituale sich ändern, wenn die Tempel abgerissen werden, erfahren die Menschen unermesslichen Schmerz, als ob ihr Zuhause in der Kirche abgerissen worden wäre. Wie Petrus möchten wir bleiben.

Jede lokale Kirche, jede Kirche ist das Zuhause Gottes. Die Jungfrau Maria erschien in Walsingham in England – einem großen mittelalterlichen Heiligtum, in Lourdes, in Guadalupe Mexiko, in Czestochowa Polen, in La Vang in Vietnam und in Donglu in China. Diese Orte stehen sich nicht in Konkurrenz. Bei uns in England sagen wir, dass wir zwei Nachrichten haben: „Die gute – Gott liebt dich. Und die schlechte – er liebt ebenso jeden anderen.“ Der heilige Augustinus sagte: „Gott liebt jeden von uns, als wären wir der einzige auf der Welt.“ (4). In Algier, in der Basilika der Jungfrau Maria, Mutter Afrikas, steht die Aufschrift: „Priez pour nous et pour les Musulmans“, „bete für uns und für die Muslime“.

Gerade für Priester fällt es oft schwer, den synodalen Weg zu akzeptieren. Wir als Klerus neigen dazu, zu den heiligen Orten und der Liturgie, die wir hier feiern, zu ziehen. Priester benötigen ein starkes Identitätsgefühl, esprit de corps, Zugehörigkeit zur Gemeinschaft. Aber wer wären wir in einer Kirche, die vom Klerikalismus befreit ist? Wie kann der Klerus eine Identität übernehmen, die nicht klerikal ist? Das ist eine große Herausforderung für die erneuerte Kirche! Lassen wir uns ohne Angst auf die neu verstandene brüderliche Dimension des dienenden Priestertums ein. Vielleicht entdecken wir, dass dieser „Verlust“ von Identität in der Tat ein wesentlicher Bestandteil unserer priesterlichen Identität ist. Es ist eine Berufung, sich über alle Identitäten hinwegheben zu lassen, denn das, „was wir sein werden, ist noch nicht offenbar.“ (1 Joh 3,2).

Heute wohnt Gott an Orten, die die Welt verachtet. Der Dominikaner Frei Betto /*1944/ erzählt, wie Gott in das brasilianische Gefängnis kam, wo seine Mitbrüder festgehalten wurden, die sich gegen das diktatorische Regime /1964-1985/ auflehnten: „An Weihnachten, am Fest der Ankunft des Herrn auf dieser Welt, herrschte überall Freude. Die Weihnachtsnacht im Gefängnis… Jetzt singt das gesamte Gefängnis, als ob unser Lied, glücklich und frei, die ganze Welt durchdringen soll. Aus den Frauenzellen ertönt Gesang und wir klatschen… Jeder hier weiß, dass Weihnachten ist, dass jemand wieder in die Welt kommt. Und unser Gesang bezeugt, dass auch wir neu geboren wurden, um für eine Welt ohne Tränen, Hass und Unterdrückung zu kämpfen. Es ist ein wahrhaftiges Erlebnis, die jungen Gesichter an den Gittern zu sehen, die ihre Liebe zum Ausdruck bringen möchten. Das kann man nicht vergessen. Es ist kein Anblick für unsere Richter, Staatsanwälte oder Polizisten, die uns verhaftet haben. Für sie wäre die Schönheit dieser Nacht unerträglich.“

Wir möchten uns – wie Petrus – jeden in unserem eigenen „Tabor“ niederlassen, wo wir die Schönheit des Herrn wahrnehmen. Das ist gut! Aber „Ihn hört!“ Wir freuen uns über diese Momente, aber dann müssen wir hinuntersteigen und nach Jerusalem gehen. In gewisser Hinsicht müssen wir Obdachlose werden: „Die Füchse haben Löcher und die Vögel des Himmels Nester, aber der Menschensohn hat nicht, wo er sein Haupt niederlegen kann.“ (Lk 9,58). Die Jünger gingen nach Jerusalem, in die Heilige Stadt, wo der Name Gottes wohnt. Aber Jesus stirbt außerhalb der Mauern, für alle, die außerhalb der Mauern leben. Ebenso offenbarte sich der Herr seinem Volk in der Wüste, außerhalb des Lagers. James Alison /*1959/ schrieb: „Gott ist unter uns als der, der ausgestoßen wurde“. (5). Jesus litt außerhalb der Stadtmauern, um uns mit seinem Blut zu heiligen. Lassen wir uns also hinausgehen und ertragen wir die Beleidigungen, die er ertragen hat (vgl. Heb 2,12).

Erzbischof Carlos Azpiroz da Costa /*1956/ war viele Jahre der Vorsteher der Brüderprediger. Zu jener Zeit schrieb er an seine dominikanischen Brüder: „Gott begegnen wir außerhalb des Lagers, zwischen all diesen ‚Anderen‘, die nach draußen verbannt wurden. Pilgern bedeutet, hinauszugehen aus den Institutionen, sich aus den kulturell geprägten Wahrnehmungen und Meinungen zu befreien, da die Begegnung mit Gott, der nicht kontrolliert oder beherrscht werden kann, gerade ‚außerhalb des Lagers‘ stattfindet. ‚Außerhalb des Lagers‘ begegnen wir dem Anderen, der anders ist, und entdecken, wer wir sind und was wir tun sollen.“ (6). Nur wenn wir hinausgehen, kommen wir nach Hause, wo „es nicht mehr Jude oder Grieche, nicht mehr Sklave oder Freier, nicht mehr Mann oder Frau gibt; denn ihr seid alle eins in Christus Jesus.“ (vgl. Gal 3,28).

In den achtziger Jahren, als die Kirche ihren Standpunkt zur AIDS-Krankheit suchte, besuchte ich ein Krankenhaus in London. Der Chefarzt erwähnte, dass dort ein junger Mann um einen Priester mit dem Namen Timotheus bat. Durch die göttliche Vorsehung konnte ich ihm kurz vor seinem Tod die letzte Ölung spenden. Er äußerte den Wunsch, dass seine Beerdigung in der Westminster-Kathedrale, im Herzen des englischen Katholizismus, stattfinden sollte. Er war umgeben von gewöhnlichen Menschen, die an einem Wochentag zur heiligen Messe gekommen waren, und auch von HIV-Positiven, Krankenschwestern, Ärzten und Freunden von Schwulen. Derjenige, der immer an der Peripherie war – wegen seiner Krankheit, wegen seiner sexuellen Orientierung und jetzt vor allem, weil er tot war – fand sich im Zentrum des Geschehens wieder. Umgeben von Menschen, die die Kirche als ihr Zuhause betrachten, und von Menschen, die normalerweise nicht in die Kirche gehen würden.

Unsere Leben sind durch Traditionen und Frömmigkeiten genährt, die uns teuer sind. Es schmerzt uns, wenn wir sie verlieren. Aber wir müssen auch auf all jene Rücksicht nehmen, die sich in der Kirche bisher nicht zuhause fühlen: auf Frauen, die sich im patriarchalen System alter weißer Männer, wie ich einer bin, nicht wertgeschätzt fühlen. Auf Menschen, für die die Kirche zu westlich, zu lateinisch, zu kolonial ist. Wir müssen auf eine Kirche zusteuern, in der sie sich in der Mitte und nicht am Rand fühlen.

Als Thomas Merton /1915–1968/ zum katholischen Glauben konvertierte, entdeckte er, dass „Gott, dessen Mittelpunkt überall und dessen Grenzen nirgendwo sind, mich gefunden hat.“ Die Erneuerung der Kirche ähnelt dem Kneten von Brot. Der Mensch zieht die Ränder des Teigs zur Mitte und dehnt ihn zurück, bis die Luft überall hinkommt. Brot wird durch ständiges Wenden dessen, was innen und außen ist, geknetet… Das Brot Gottes, dessen Mittelpunkt überall und dessen Rand nirgendwo ist, Brot, das uns findet.

Ein letztes kurzes Wort: Bei den Vorbereitungen zur Synode kam immer wieder die Frage auf: „Wie können wir uns in einer Kirche, die mit so schrecklichen Skandalen des sexuellen Missbrauchs verbunden ist, zuhause fühlen?“ Für viele war das der letzte Tropfen. Sie packten und gingen. Ich stellte diese Frage auf einem Treffen der Leiter katholischer Schulen in Australien, wo die Kirche durch die sexuellen Skandale schrecklich entstellt wurde. Wie kommt es, dass sie geblieben sind? Wie kommt es, dass sie immer noch zuhause sind?

Einer von ihnen zitierte damals Carlo Carretta /1910–1988/, ein Mitglied der Foucauld-Kongregation der Kleinen Brüder Jesu. Carretto erfasst die Ambivalenz der Kirche, die mir immer noch nicht mein Zuhause ist, die Gott offenbart und gleichzeitig verborgen hält.

„So viel muss ich dir vorwerfen, oh Kirche, und dennoch liebe ich dich so sehr! Du hast mir mehr Leid zugefügt als irgendjemand sonst, und doch schulde ich dir mehr als sonst jemand. Ich wünschte so sehr, dich einmal zerschmettert zu sehen, und doch brauche ich so sehr, dass du existierst. So oft hast du mich empört, und doch verstehst du mir deine Heiligkeit. … Ich kann nicht zählen, wie oft ich die Türen meiner Seele zuschlagen wollte, sie vor dir zuschlagen wollte – und doch bitte ich jede Nacht so sehr, dass ich in Sicherheit in deinem Armen sterben möge! Nein, ich kann nicht ohne dich sein, denn ich bin eins mit dir, auch wenn ich nicht ganz du bin. Und wohin sollte ich gehen? Eine andere Kirche gründen? Ich kann keine Kirche gründen, ohne die gleichen Fehler zu machen… denn diese Fehler sind meine.“

Am Ende des Matthäusevangeliums sagt Jesus: „Siehe, ich bin bei euch alle Tage bis zum Ende der Welt!“ Wenn der Herr bleibt, wie könnten wir da weggehen? Gott hat sich sein Zuhause in uns gemacht, mit all unserer skandalösen Begrenztheit. Dazu hat er es für immer getan. Gott bleibt in der Kirche, auch mit all ihrer Korruption und ihrem Missbrauch. Daher müssen auch wir bleiben. Gott bleibt bei uns, um uns in die weiten, luftigen Räume seines Reiches zu führen. Wir brauchen die Kirche, unser irdisches Zuhause, mit all ihren Schwächen, aber wir müssen uns auch vom Heiligen Geist „belüften“ lassen und die Luft unseres zukünftigen Zuhauses atmen, eines Zuhauses ohne Grenzen.

(1) W. S. Gilbert, The Gondoliers, 1889
(2) Evangelii Gaudium, 47.
(3) Cathy Wright LSJ, St. Charles de Foucauld: His Life and Spirituality, S. 111
(4) Bekenntnis, Buch 3
(5) Knowing Jesus, S. 71
(6) Brief an den Orden über die Wanderschaft

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