brüderlicher Dialog und Gehorsam gegenüber Autorität
Wir schließen das Jahr ab, das der Betrachtung über Gott den Vater und das göttliche Vatersein gewidmet ist. Dieses Thema wird auch im 92. Artikel des Dokuments über das geweihte Leben Vita consecrata sanft angesprochen. In einem weiteren Sinne sind diese Absätze auch für Nicht-Ordensleute anregend. Jeder von uns ist Teil mehrerer Gemeinschaften verschiedener Art (Familie, Pfarrei, Arbeitskollektiv usw.). Nicht nur Kinder, auch wir Erwachsenen – "Großen" – müssen oft auf verschiedene Weise "gehorchen".
Vita consecrata, Art. 92: Gemeinsam den Willen des Vaters erfüllen
(Die Hervorhebung einzelner Textteile ist das Werk unserer Redaktion)
Das Zeugnis geweihten Personen
die ein Ordensleben führen,
hat auch wegen seines Gemeinschaftsaspekts,
der zu seinen wesentlichen Merkmalen gehört,
eine besondere Bedeutung.
Das brüderliche Leben
ist ein privilegierter Ort
des Erkennens und Annehmens des göttlichen Willens
mit dem Ziel seiner gemeinsamen Verwirklichung
in der Einheit von Gedanken und Herzen.
Durch Liebe erweckter Gehorsam vereint die Mitglieder des Instituts,
damit sie – trotz der Unterschiede in den Gaben
und unter Berücksichtigung der Eigenheiten der Einzelnen –
am selben Zeugnis und Auftrag teilhaben.
In einer von Heiligem Geist durchdrungenen Brüderlichkeit
lebt jedes Mitglied im sehr wertvollen Dialog mit den anderen,
um durch ihn gemeinsam den Willen des Vaters zu erkennen.
In der Person des Vorstehers erkennen alle
den Ausdruck des göttlichen Vaterseins
und die Ausübung der Autorität,
die von Gott empfangen wurde, um zu dienen bei der Unterscheidung
und dem Aufbau der Gemeinschaft.
Das Leben einer solchen Gemeinschaft
ist dann für die Kirche und die Gesellschaft
ein wichtiges Zeichen der Einheit, die entsteht
– trotz aller Unterschiede in Rasse, Herkunft, Sprache und
Kultur –
aus dem selben Ruf
und dem gemeinsamen Willen, diesen Ruf zu erfüllen.
Im Gegensatz zum Geist von Zwietracht und Spaltung,
strahlen Autorität und Gehorsam
wie ein Zeichen
jener einmaligen, von Gott kommenden Vaterschaft,
aus dem Geist geborenen Brüderlichkeit,
inneren Freiheit dessen, der Gott vertraut,
trotz der menschlichen Einschränkungen all derjenigen,
die Gott vertreten.
In diesem Gehorsam,
den manche als Lebensregel annehmen,
kann man erleben
und zum Wohle aller verkündigen
jene Seligkeit,
die Jesus denjenigen verheißen hat,
„die das Wort Gottes hören und es bewahren“ (Lk 11,28).
Und zudem hat derjenige, der Gehorsam bewahrt,
die Gewissheit,
dass er wirklich das Mandat erfüllt,
dass er dem Herrn folgt
und nicht nur in seinen Wünschen und Begierden verharrt.
So kann er erfahren,
dass er vom Geist des Herrn geleitet wird
und dass auch inmitten großer Schwierigkeiten
er von seiner festen Hand gestützt wird (vgl. Apg 20,22n.).
Bearbeitet von P. Gorazd und P. Norbert, O.Carm.