Das Brotbrechen bei der Eucharistie

P. Gorazd Cetkovský, O.Carm.

Ich möchte mit diesen Überlegungen insbesondere all jene erfreuen, die es bevorzugen, sich mit ganz konkreten und leicht vorstellbaren Dingen zu beschäftigen, die beim Komplexen „einfach verständliche“ Erklärungen lieben und brauchen, die sich eher als „Materielle“ denn als tief spirituelle Menschen empfinden und bei der Gebet normalerweise alles Mögliche, was sie umgibt und geschieht, beobachten... Bei solchem Wesen ist uns die Liturgie ein sehr dankbares Feld, weil bei ihr „etwas getan wird“ und wir daran teilnehmen oder es zumindest beobachten. Oft kann man aus dem Verlauf der Zeremonien oder aus Gesten und Haltungen zahlreiche Anregungen ablesen. Ein flüchtiger Blick in die Vergangenheit kann dies noch untermauern und festigen. Lassen Sie uns daher zusammen – so einfach wie möglich – die Aufmerksamkeit auf ein Detail bei der Feier der Eucharistie richten, das der Kirche so teuer ist, dass sie sich auch nach zwei Jahrtausenden nicht davon trennt: das Brechen des eucharistischen Brotes.

Eine Schlüsselrolle in dieser Tradition spielen zweifellos die Erwähnungen des Brotbrechens, die im Neuen Testament zu finden sind. Als ich versuchte, sie zu finden, stellte ich fest, dass sie eigentlich in mehrere Gruppen eingeteilt werden könnten:

  • Wunderbare Brotvermehrungen, die in den einzelnen Evangelien beschrieben sind: Jesus „nahm die fünf Brote und die zwei Fische, blickte zum Himmel, segnete sie, brach die Brote und gab sie den Jüngern, damit sie sie den Leuten vorlegten“ (Mk 6,41; ähnlich Mt 14,19; Lk 9,16);
  • Berichte über das letzte Abendmahl des Herrn Jesus mit den Jüngern: z.B. „Während sie aßen, nahm Jesus das Brot, segnete es, brach es und gab es seinen Jüngern…“ (Mt 26,26; ähnlich auch Mk 14,22; Lk 22,19; 1 Kor 11,24);
  • Berichte über die Eucharistie in der frühen Kirche (1 Kor 10,16); in der frühchristlichen Zeit wurde die Eucharistie lange einfach als „Brotbrechen“ bezeichnet.

Dieses Thema interessierte mich, als ich bemerkte, dass das Erzählen von den Emmaus-Jüngern den entscheidendsten Moment der beschriebenen Ereignisse mit den Worten beschreibt: „Als er mit ihnen zu Tisch war, nahm er das Brot, sprach den Segen, brach es und gab es ihnen. (Da) wurden ihre Augen aufgetan, und sie erkannten ihn“ (Lk 24,30–31).

Die Wurzeln unseres liturgischen Brauches reichen bis ins Neue Testament zurück. Sofort könnte die Frage aufkommen: War das Brechen des Brotes damals etwas Ungewöhnliches? Fachleute behaupten,1 dass Juden in biblischer Zeit meist Gerstenbrot aßen (so auch in den Geschichten über Elisa – 2 Kön 4,42). Die Zubereitung war Aufgabe der Frauen (gegebenenfalls ihrer Dienerinnen, Sklavinnen). Jeden Morgen mahlte die Frau das Mehl, bereitete den Teig zu, entfachte das Feuer und buk das Brot. Es wurde auf heißen Steinen oder in primitiven Öfen gebacken, in denen die Brote an die Wand „geklebt“ wurden. Oder sie wurden in die heiße Asche gelegt. Das Brot hatte daher in seiner Form die Gestalt von dickeren Fladen und war wahrscheinlich weder sehr fein noch weich. Die Juden schnitten das Brot beim Essen nicht mit einem Messer, sondern brachen es mit den Händen. Das ist auch aus den Worten ersichtlich, mit denen der Prophet Jesaja zur Barmherzigkeit gegenüber den Armen aufruft: „Breche dein Brot dem Hungrigen...“ (Jes 58,7). In der Passionsgeschichte erinnern wir uns auch (Joh 13,26), dass sie manchmal die Stücke vor dem Essen eintauchten, wahrscheinlich um sie leichter im Mund zu zermahlen.

Wenn jedoch der Herr Jesus das Brot brach, verbirgt sich dahinter mehr als nur eine Notwendigkeit, die sich aus der äußeren Form des Brotes ergab. Es handelte sich um eine Art Einstiegsritual bei dem gemeinsamen Festmahl. Das Teilen von Brot ist „von Natur aus“ ein Ausdruck von Freundschaft, Bündnis, Zuneigung. Eine außergewöhnliche Kraft hat so etwas besonders in Zeiten der Not, wenn es um das letzte Stück Brot geht. das galt auch in Israel. Essen hatte im Bewusstsein der Juden eine viel tiefere Bedeutung als nur das Stillen des Hungers:

  • Das Essen ist ein verbindendes gemeinschaftliches Ereignis des Haushalts, der Familie, des Freundeskreises;
  • es stellt dabei immer auch ein religiöses Ereignis dar, weil die Nahrung, die wir haben, ein Geschenk Gottes ist;
  • deshalb wurde das Essen auch von Gebeten begleitet.

In der Familie präsidierte bei diesem gemeinsamen Ereignis der Vater, und es oblag ihm, vor dem Festmahl das Gebet über das Brot auszusprechen, es zu brechen und es den anderen am Tisch zu reichen. Dieser Brauch blieb auch später erhalten, als er nicht mehr seine ursprüngliche Funktion hatte, sondern nur noch den zeremoniellen Anfang des Festmahls darstellte. Wer an diesem anfänglichen Zeremoniell nicht teilnahm, konnte auch nicht an dem folgenden gemeinsamen Festmahl teilnehmen. Die jüdische Hausliturgie bewahrt dieses Tradition der Familienfeier bis heute.

Vom Essen eines Brotes ist die aussagekräftige Geste der Einheit aller Teilnehmenden zu erkennen. So betont es im ersten Brief an die Korinther der heilige Paulus: „Denn weil es nur ein Brot ist, sind wir ein Leib, obwohl wir viele sind, denn wir nehmen alle an einem Brot teil“ (1 Kor 10,17). (Hier können wir uns z.B. auch an den Brauch am Heiligen Abend erinnern, einander die Oblate zu teilen, den wir aus Schlesien oder Polen kennen). In den alten östlichen Liturgien brach während der Eucharistie der gewandelte Brot nur der celebrant selbst. Wenn es viele gab, die empfangen wollten, und das Brechen länger dauerte, wurde es von längeren Gebeten der übrigen Versammlung der Gläubigen begleitet. Dieser Aspekt der Feier der Eucharistie wird auch im Einleitungstext des römischen Messbuchs erwähnt: „Das Brotbrechen – so wurde die Eucharistie zu Apostelzeiten bezeichnet – zeigt deutlich die Kraft und die Wichtigkeit des Zeichens der Einheit aller in einem Brot und das Zeichen der Liebe, wenn ein Brot unter den Brüdern geteilt wird.“2

Später – so scheint es – schwächte unter den Christen dieses Verständnis für die Geste des Teilens des Körpers Christi. Gleichzeitig wuchs die Beliebtheit symbolischer Auslegungen der einzelnen Teile der Liturgie.3 So sah die Kirche in Syrien im 5. Jahrhundert im Brechen des eucharistischen Brotes und seiner Teilung unter den Gläubigen ein Symbol dafür, dass der auferstandene Christus vielen Menschen erschien: Frauen, Jüngern und anderen. „Und nun zeigt er sich, im Empfangen des Körpers, den Söhnen der Kirche“ (Narsai, Homilie 17).

In den folgenden Zeiten wurde die Aufmerksamkeit stärker auf das Detail gelenkt, dass das Brot in einzelne Stücke durch Brechen geteilt wird. Dieser Akt, bei dem das Brot mit bloßen Händen gewaltsam in Stücke gerissen wird, verband sich in den Augen der Christen mit dem gewaltsamen Tod des Herrn Jesus am Kreuz. Und im Brechen des gewandelten Brotes – des Körpers Christi – vor dem Empfangen der Gläubigen wurde somit ein Symbol des Leidens und der Tötung des menschlichen Körpers Christi für unser Heil gesehen.

Die Christen haben sich dieses Symbol wahrscheinlich sehr früh bewusst gemacht. Einige alte Textversionen des ersten Korintherbriefes, die die Nachricht über die Einsetzung der Eucharistie enthalten, sagen anstelle der Worte: „Dies ist mein Leib, der für euch hingegeben wird...“ die Worte: „der Leib, der für euch gebrochen wird...“ (1 Kor 11,24). Das Brechen ist hier also einfach ein anderer Ausdruck für das Sich-Hingeben Christi.

Bei dieser bildhaften Auslegung der Geste des Brotbrechens wird jedoch kein Augenmerk auf die Erwähnung des Johannesevangeliums gelegt, dass dem Jesus am Kreuz kein Knochen gebrochen wurde, was ihn dem österlichen Lamm ähnelt, das für das österliche Mahl gerade so zubereitet werden sollte: ohne dass ihm irgendein Knochen gebrochen wurde (Joh 19,36; s. Ex 12,46). Die alten Christen scheinen sich durch diesen Widerspruch überhaupt nicht stören zu lassen. Schließlich entspricht dies gut ihrem feinen Unterscheidungsvermögen zwischen dem Ereignis der eigenen Passion und seinem Symbol.

Ähnlich sieht auch der heilige Hippolyt von Rom (+ 235) in der Apostolischen Tradition im Brechen des Brotes bei der Eucharistie ein Symbol für den Tod Christi für uns. Aus diesem Gedankenkreis stammt z.B. auch der patristische Text, den wir im Stundengebet lesen: „Die freudige Botschaft unseres Heils besagt: Jesus nahm das Brot, segnete es und sprach zu seinen heiligen Jüngern und Aposteln: Nehmt, esst. Dies ist mein Leib, der für euch für die Vergebung der Sünden gebrochen wird...“4

Insbesondere die östlichen Kirchenväter (Hl. Johannes Chrysostomos, Eutychius) sprechen später davon, dass das Brechen des Brotes bei der Eucharistie das Töten andeutet, das der Herr für uns erlitten hat. In der byzantinischen Liturgie wurden diese Gedanken dann noch anders umgesetzt: das verwendete gesäuerte Brot wird in kleine Stücke geschnitten, das üblicherweise mit einem kleinen Messer geschieht, welches absichtlich dem Speer ähnelt, der die Seite Jesu durchbohrte. Daher gleicht das Messer auch in seiner Form dem Speer.

Im Westen erscheint die Verbindung des Brotbrechens mit dem Tod Christi erst im 11. Jahrhundert, gewinnt aber dann an Beliebtheit und wurde auch nach dem Trienter Konzil bei den Auslegungen zur Heiligen Messe stark betont. Es ist interessant, dass unsere westliche Liturgie auch nach der „Erfindung“ der kleinen Hostien, die etwa im 12. Jahrhundert stattfand und die Verteilung der Eucharistie an eine größere Zahl von Gläubigen ohne das unerwünschte Zerbröckeln des gewandelten Brotes erleichterte (und bedauerlicherweise auch die Symbolik des Empfangens aus einem Brot verwischte), das Brechen des eucharistischen Brotes dennoch nie aufgegeben hat: es blieb immer zumindest das Brechen jener Hostie, aus der der Celebrant selbst empfing. Und dass also immer während der Eucharistie solches Brot verwendet wurde, das gebrochen werden konnte, und nicht solches, das geschnitten wurde. Der liturgische Vorschrift schreibt dies auch heute ausdrücklich vor: „Das eucharistische Brot... muss so beschaffen sein, dass der Priester während der Messe mit der Teilnahme des Volkes das Hostie tatsächlich in mehrere Teile brechen und mindestens einigen Gläubigen reichen kann.“5

Unsere Phantasie kann uns auch durch spätere symbolische Auslegungen aus Zeiten bereichern, in denen der Celebrant bereits nur eine große Hostie brach und die Gläubigen kleine Hostien empfingen. Vorgeschrieben war, die Hostie in drei Teile zu brechen. Einen von ihnen legte der Priester nach alter Überlieferung in den Kelch mit dem Blut des Herrn, einen anderen empfing er selbst, und der dritte war ursprünglich für die Kranken reserviert, denen die Eucharistie nach der Messe gebracht werden sollte. Bereits Amalar von Metz (+ um 850) führte in seiner allegorischen Auslegung der Heiligen Messe diesen Sinn an: der Teil der Hostie, gemischt mit dem Blut des Herrn, erinnert an seinen auferstandenen Leib, der Teil, den der Priester empfängt, erinnert an den Leib Christi auf Erden – der Kirche und der Teil, der für die Kranken bestimmt ist, erinnert an den Aufenthalt des Leibes Christi im Grab. Diese Symbolik wurde später umgeformt: die drei Teile der gebrochenen Hostie erinnerten an die siegreiche Kirche (die Heiligen im Himmel), die kämpfende (die Christen, die gerade das irdische Leben durchleben) und die leidende (Seelen im Fegefeuer). Diese Auslegungen hielten sich dann lange in den Betrachtungen über die Heilige Messe für einen breiten Kreis einfacher Gläubiger und dienten als Hilfe gegen das Abgedroschenheit des Blicks auf die Heilige Messe – ganz ähnlich wie dieser Artikel es tun soll.

Ich weiß nicht, ob es mir gelungen ist, nicht in Schwerfälligkeit abzurutschen und unsere Aufmerksamkeit und Vorstellungskraft ausreichend zu fesseln. Kurz zusammengefasst, was ich sagen wollte: das Brechen der gewandelten Hostie bei der Heiligen Messe muss kein bedeutungsloses Detail, nur eine Umgebung sein, die wir nicht beachten. Heute weist uns darauf manchmal sogar die moderne Beschallungstechnik hin: es lief mir wirklich kalt den Rücken herunter, als während einer Heiligen Messe, bei der ich konzelebrierte, der Priester, der der Hauptcelebrant war – übrigens ganz ein Hüne – energisch mehrere Hostien gleichzeitig brach, bis es krachte und die Mikrofone dies zuverlässig in die gesamte Kirche übertrugen (und der Verstärker verstärkte) ... Sicher kann es für uns nützlich sein, diese uralte Geste des Brechens mit dem Gedanken an das Leiden des Herrn Jesus, durch das wir erlöst wurden, zu verbinden, das uns durch Versöhnung zu einer Familie von Kindern Gottes, zur Einheit des Leibes Christi im einen Geist gemacht hat.

Das tschechische Messbuch sieht in den Vorgaben zur Feier der Messe mit der Teilnahme des Volkes nach dem Gruß des Friedens vor: „Der Priester nimmt die Hostie, bricht sie über dem Patene, lässt ein kleines Bröckchen in den Kelch fallen...“ und weiter dazu:

Dabei wird gesungen oder gesagt:

Lamm Gottes, du nimmst hinweg die Sünden der Welt, erbarme dich unser.
Lamm Gottes, du nimmst hinweg die Sünden der Welt, erbarme dich unser.
Lamm Gottes, du nimmst hinweg die Sünden der Welt, schenk uns Frieden.

Wenn das Brechen länger dauert, kann dieser Aufruf mehrmals wiederholt werden. Die letzte Aufforderung endet jedoch immer mit den Worten: schenk uns Frieden.

Dies ist wirklich die ursprüngliche Rolle dieses Gesangs in der römischen Liturgie: Begleitung als Gebet des Brechens der Eucharistie für den Empfang durch die Gläubigen. Dieses „Heimatsumfeld“ des Aufrufes des Gotteslammes zu kennen, kann uns auch zur Besinnung verhelfen. Dann, auch wenn wir nicht immer direkt am Altar sehen können (und die Mikrofone nicht immer darauf hinweisen, dass die Hostie gerade gebrochen wird), haben wir die Möglichkeit, dieses Lied sehr adressatgerecht zu singen. Wir wissen klarer, an wen wir sprechen: an den Herrn, der uns durch das Opfer seines Lebens erlöst hat und sich uns nun als Speise anbietet... Wir bitten um seine Barmherzigkeit.