Olga Krabovská und Věra Mrázová
Über die Jungfrau Maria wird im Neuen Testament nicht allzu oft gesprochen, doch können wir feststellen, dass sie in allen entscheidenden Ereignissen präsent ist, aus denen das christliche Geheimnis erwächst: bei der Inkarnation, denn sie geschah in ihr; bei der Vollbringung des Werkes unseres Heils durch Christus, als sie unter seinem Kreuz stand, und an Pfingsten, als der Heilige Geist gegeben wurde, der bewirkt, dass das Werk der Erlösung in der Kirche weiterhin wirksam bleibt. Über diese Tatsachen spricht Pater Raniero Cantalamessa in seinem Buch „Maria, der Spiegel der Kirche“. Doch die evangelischen Berichte über die Jungfrau Maria können wir noch weiter verfolgen. Der Erzengel Gabriel nennt sie bei der Verkündigung voller Gnade, bei der der Herr ist, und teilt ihr mit, dass sie Gnade bei Gott gefunden hat. In dieser Ansprache, in dieser Fülle von Gnade, sieht der bekannte englische Konvertit Kardinal Newman die Bestätigung von Marias außergewöhnlicher Erwählung, dass sie nämlich ohne Erbsünde empfangen wurde. Anders lässt es sich nicht deuten. Und Elisabeth, vom Heiligen Geist erfüllt, preist sie als gesegnet unter den Frauen, und Maria, diese demütige Dienerin des Herrn, lobt nicht nur ihn und seine Barmherzigkeit aus Eingebung desselben Geistes, sondern sieht auch ihr Heil von allen Geschlechtern her.
Ihr erstes Wunder in Kana in Galiläa wirkt Jesus auf ihre Fürsprache. Auch wenn er dies mit dem Hinweis ablehnte, dass seine Stunde noch nicht gekommen sei, überwindet seine Zuversicht und ihr Glaube die Grenze seiner Zeit und verwandelt Wasser in Wein. Mit Staunen können wir beobachten, wie die Macht dieser Frau bei Jesus sich bereits zu Beginn seines öffentlichen Wirkens zeigt. Wie könnte sie sich nach seinem Ende, während dessen sie in unvorstellbarem Schmerz und wahrhaft grausamster Qualen ihres mütterlichen Herzens Anteil am erlösenden Werk ihres Sohnes erlangte, nicht zeigen, sodass der heilige Vater Johannes Paul II. sie die Mit-Erlöserin nannte!
Marias Glauben hebt derselbe Papst in seiner Enzyklika Redemptoris Mater – Mutter des Erlösers – so hervor: „In der Ehrfurcht vor der Mutter Gottes ist stets das Lob ihres Glaubens enthalten. Alle, die in zahlreichen Nationen das Geheimnis Christi als das fleischgewordene Wort annehmen, wenden sich an die Jungfrau Maria nicht nur mit Vertrauen, sondern suchen in ihrem Glauben auch Stärkung für ihren eigenen Glauben … In ihrem Glauben hat der Vater von der Verkündigung bis zum Kreuz Raum eröffnet, in dem er uns mit jedem Segen erfüllt. Im Glauben, den Maria als „Dienerin des Herrn“ bekannte und in dem sie fortwährend vor dem Volk Gottes geht, bemüht sich die Kirche, das Volk unter einem Haupt, das Christus ist, zu versammeln, und zwar in der Einheit des Heiligen Geistes.“
Vielleicht werden die Besucher der Heiligen Höhe sich daran erinnern, dass dort bereits vor Jahren im Vorraum der Basilika ein Aufruf des Kardinals Tomášek an die Gläubigen zu hören war, dass sie im Heiligen Höhen-Ave nicht singen sollten: „… bitte für uns, Jungfrau Maria“, sondern „oh Jungfrau Maria!“ Der Kardinal war ein besonderer Verehrer der Jungfrau Maria und ihres Unbefleckten Herzens und konnte anscheinend jenes bescheidene Anrede (auch wenn es aus liebenden Herzen kam) schwer ertragen für eine Frau, die die Kirche unter anderem als die ruhmreiche Jungfrau, die mächtige Jungfrau, den Turm Davids, das Himmeltor, die Königin der Engel und aller Heiligen, die Mutter der Kirche, anruft! Letztere Invokation ließ Papst Paul VI. in die Loretanischen Litaneien unmittelbar nach der Anrufung der Jungfrau Maria als Mutter Christi einfügen.
Über Marias Mission, die Mutter der Kirche, die Mutter des Gottesvolkes zu sein, schreiben die niederländischen Bischöfe treffend in ihrem Hirtenbrief „Über die marianische Verehrung nach dem Konzil“: „… Die Frau, die Gott zunächst und vor allem seinem Sohn zur Mutter gegeben hat, wurde auch dazu gewählt, die Mutter des Gottesvolkes zu sein. In der Kirche dachte man immer an jene Worte, die der sterbende Christus an Johannes richtete, der treu geblieben war, und in ihm an allen seinen Nachfolgern und Jüngern: „Frau, das ist dein Sohn.“ Christus verlangte von dieser Erde nichts, als das, was auch der ärmste Mensch hat: eine Mutter. Und das Einzige, was er aus den Gütern dieser Erde nahm, wollte er sich nicht für sich selbst behalten, sondern teilte es aus als Zeichen seiner weitsichtigen Liebe. Daher hat Maria in der Kirche einen einzigartigen, unverzichtbaren Platz. Und es ist gerecht und passend, dass wir Gott immer dankbar bleiben für das Große, was er in Maria bewirkt hat und was er weiterhin in der Kirche tut, für die Maria ein Bild und ein Vorbild ist.“
Schließlich einige Sätze aus dem „Credo des Gottesvolkes“ von Papst Paul VI. vom 30. Juni 1968: „Wir glauben, dass die heilige Mutter Gottes, die neue Eva, die Mutter der Kirche, im Himmel ihre mütterliche Aufgabe fortsetzt, in Rücksicht auf die Glieder Christi, wenn sie bei der Erweckung und Entwicklung des göttlichen Lebens in den erlösten Seelen mitwirkt.“