Am Sonntag, den 15. Mai dieses Jahres, wurde der holländische Karmelit P. Titus Brandsma von Papst Franziskus in Rom heiliggesprochen, der im Zweiten Weltkrieg im Konzentrationslager Dachau ums Leben kam. Am Dienstag, den 26. Juli, jährt sich sein Todestag zum 80. Mal, das liturgische Gedenken feiern wir am 28. Juli. Ab morgen können wir uns – jeder nach seinen Möglichkeiten – der Novene zu diesem neuen Heiligen unseres Ordens anschließen. In den ersten fünf Tagen werden auf unserer Website Texte veröffentlicht, die unsere ausländischen Mitbrüder als Flyer zur Mai-Kanonisation vorbereitet haben, in den letzten vier Tagen werden uns Auszüge aus dem Vortrag von P. Norbert Žuška, O.Carm. „Titus Brandsma – ein Heiliger für unsere Zeit“, geleiten, der beim diesjährigen bundesweiten Treffen der Tertiaren in Kostelní Vydří gehalten wurde. Heute veröffentlichen wir Titel biografische Daten.
Titus Brandsma – ein Heiliger für unsere Zeit
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Kurze Biografie
Jugend
Anno Sjoerd Brandsma wurde am 23. Februar 1881 in Oegesklooster, im Norden der Niederlande, in der Provinz Friesland, geboren. Seine Eltern hießen Tjitsje und Titus, sie hatten vier Töchter und zwei Söhne, Anno war der zweitjüngste. Fünf der sechs Geschwister wählten den Weg des religiösen Lebens, Annos Vetter wurde später Bischof.
Die Familie besaß einen großen Bauernhof, der sich mit Viehzucht sowie dem Verkauf von Milch und Käse beschäftigte. Katholiken bildeten in Friesland eine absolute Minderheit der Bevölkerung, sie mussten ihren Glauben und ihre Kultur schützen. Annos Vater bemühte sich darum sowohl in der Familie als auch in der örtlichen Gemeinschaft, wo er sich politisch engagierte.
Nach dem Abschluss seiner Schulausbildung an der Franziskaner-Schule trat Anno in den Karmel in Boxmeer ein. Der Orden wuchs in dieser Zeit schnell, und in den Niederlanden wurden mehrere neue Ordenshäuser gegründet. Das Noviziat begann Anno zusammen mit fünf weiteren Altersgenossen im September 1898, und als Ordensnamen nahm er den Namen seines Vaters – Titus – an. Die frühen Versprechen legte er im Oktober 1899 ab, und am 17. Juni 1905 wurde er zum Priester geweiht.
Im Jahr 1909 erhielt er an der römischen Gregoriana die Doktorwürde in Philosophie. Sein Interesse galt dem Studium der Spiritualität und dem Journalismus, was zusammen mit seiner akademischen Tätigkeit die Hauptinhalte seiner Arbeit bildete. Sein ganzes Leben lang musste er mit einer sehr fragile Gesundheit umgehen.
Arbeit und Sendung
Im Jahr 1923 war Titus an der Gründung der Katholischen Universität in Nijmegen (heutige Radboud-Universität) beteiligt, wo er als Professor lehrte und in der Verwaltung half; im Jahr 1932/33 war er Rektor.
Als Karmeliter bemühte er sich, die Spiritualität des Ordens auch Menschen außerhalb des akademischen Kreises zu vermitteln, und er reiste viel für Vorträge. Im Jahr 1935 wurde er zu einem Vortragsbesuch in die USA eingeladen, diese Vorträge wurden auf Tschechisch unter dem Titel „Die Schönheit des Karmels“ veröffentlicht (KNA 1992). Er unternahm auch mehrere Studienreisen nach Spanien (Theresa von Avila) und Deutschland (die stigmatizierte Teresa Neumann).
Journalismus
Titus interessierte sich auch für Journalismus und Publikationsarbeit. Ende 1935 wurde er zum seelsorglichen Berater der Vereinigung katholischer Journalisten ernannt (damals erschienen im Land über zwanzig katholische Zeitungen und viele Zeitschriften; etwa 36 % der Bevölkerung bekannten sich zum römisch-katholischen Glauben). Er ermutigte die einzelnen Redaktionen, nazistische Propaganda abzulehnen und sprach sich insbesondere gegen Antisemitismus aus. Im Mai 1940, zur Zeit der deutschen Invasion in den Niederlanden, war Titus Berater des Utrechtischen Erzbischofs de Jong, eines prominenten Gegners des Nationalsozialismus. Er forderte die Bischöfe auf, sich klar gegen die Verfolgung der Juden und gegen die Verletzung der Menschenrechte auszusprechen. Mit diesem Vorgehen machte er auf sich die Aufmerksamkeit der Besatzungsbehörden aufmerksam.
Inhaftierung und Märtyrertum
Durch den Widerstand der katholischen Presse gegen die nazistische Propaganda war Titus' Schicksal besiegelt. Titus stimmte zu, jedem Redaktionsleiter persönlich einen Brief der niederländischen Bischöfe zu überbringen, der die Erfüllung der Anforderungen der Besatzer und die Veröffentlichung offizieller nazistischer Artikel und Ankündigungen untersagte. Bis zu seiner Verhaftung am 19. Januar 1942 schaffte er es, vierzehn Redaktionen zu besuchen.
Zunächst wurde Titus in Scheveningen und Amersfoort interniert, im Juni wurde er nach Dachau transportiert. Im brutalen Regime des Konzentrationslagers verschlechterte sich Titus' Gesundheit schnell. In der dritten Juli-Woche wurde er ins Krankenhaus eingeliefert. Er wurde medizinischen Experimenten unterzogen und am 26. Juli 1942 durch eine Phenolinjektion getötet. An dem Tag seines Todes veröffentlichten die niederländischen Bischöfe einen Hirtenbrief gegen die Deportationen von Juden (der zum Vorwand für die Ausrottung von Juden wurde, die zum Christentum konvertiert waren, z. B. Edith Stein).
Vor seiner Hinrichtung bat er Gott um Gnade für die Schwester, die ihm die tödliche Injektion verabreichte. Er bat für ihre Reue und schenkte ihr seinen Rosenkranz, obwohl sie entschuldigte, dass sie schon lange nicht mehr praktiziert (Schwestern des Roten Kreuzes war dies von den Nazis verboten). Einige Jahre später suchte diese Frau in ihrem Verlangen nach Vergebung den Prior des Karmels auf und bezeugte im Prozess zu Titus' Seligsprechung am 3. November 1985.
Flyer: Titus Brandsma – životopis (1.65 MB)
```html5. Tag: „Du umgibst mich von hinten und von vorne“ (Ps 139,5)
Gott, du hast dem heiligen Titus ermöglicht, dass er das Gebet von Thomas von Aquin angenommen hat und in den schweren Bedingungen der Internierung daraus Kraft und Hoffnung schöpfen konnte; durch seine Fürbitte lehre auch uns heute, dass wir unser Gebet ständig vereinfachen und vertiefen, damit es uns auch in schmerzhaften Phasen unseres Lebens trägt. Wir bitten darum durch deinen Sohn…
Adoro Te – verborgener Gott
Ich neige mich innig vor dir, unser verborgener Gott,
der du dich hier im Sakrament verbirgst.
Dir gebe ich mein Herz ganz hin,
vor dir bekenne ich meine Schwäche, Gott.Mit Augen, Tastsinn, Geschmack nehme ich dich nicht wahr,
doch nur mit meinem Gehör erkenne ich dich sicher.
Ich glaube alles, was Christus, unser Herr, der Welt verkündete,
in ihm ist die Grundlage der Wahrheit für die ganze Menschheit gegeben.Am Kreuz hast du nur deine Gottheit verborgen,
hier ist auch deine Menschheit verborgen.
In beidem jedoch glaube ich mit ganzem Herzen,
um Gnade bitte ich dich mit dem büßenden Sünder.Deine Wunden, wie Thomas, will ich nicht sehen,
denn du bist mein Herr und Gott, das bekenne ich innig.
Gib meiner schwachen Glauben mehr Kraft,
dass ich mehr auf dich hoffe, dich mehr liebe.Frucht des Todes des Herrn, Brot des Lebens,
in dem den Menschen Gottes Güte gegeben wird,
lass meine Seele nur von dir leben,
in dir Gottes Liebe zu betrachten und zu verehren.Guter Pelikan, Jesus, mein Herr,
reinige uns Sünder von unseren Sünden mit deinem Blut,
denn nur ein Tropfen davon genügte,
um die Sünden der ganzen Welt zu reinigen.Erbarme dich, o Jesus Christus, der du hier verborgen bist,
und erfülle das Verlangen des sehnenden Herzens,
damit ich, während ich hier mit Glauben zum Altar schaue,
dich einmal im Himmel von Angesicht zu Angesicht sehen kann.(Hl. Thomas von Aquin /1225–1274/; Übersetzung entnommen aus dem Gesangbuch Nr. 712)
Gott verborgen und gegenwärtig
Viele von uns erfahren Gott als den verborgenen Gott. Daran ist nichts neu oder für unsere Zeit charakteristisch. Bereits vor zweieinhalbtausend Jahren seufzte der Prophet Jesaja im Exil: Wahrlich, du bist ein verborgener Gott (Jes 45,15). Im Laufe der Geschichte wiederholten gläubige Menschen ähnliche Worte an den Herrn, und Titus war keine Ausnahme. Für ihn war die Verborgenheit Gottes eine tief erlebte Realität.
In seiner Zelle in Scheveningen betete er nach dem Essen den bekannten Hymnus Adoro Te (Ich neige mich innig vor dir, unser verborgener Gott). Er berichtet darüber in seinen Haftaufzeichnungen, betitelt „Meine Zelle“: „Adoro Te ist mein Lieblingsgebet geworden. Oft singe ich es leise, es hilft mir bei der geistlichen heiligen Kommunion.“
Titus kannte dieses Lied auswendig. Er betete es jeden Tag privat, zusammen mit seinen Brüdern dann immer samstags. Der Text berührte ihn tief, er war ihm wohlbekannt. So brachte Titus es mit ins Gefängnis, wo er es leise, auf den Knien, nach dem Mittagessen, das aus Suppe und ein wenig Kartoffeln oder Kohl bestand, sang. In dem Gebet entdeckte er: Wahrhaftig, der gegenwärtige Gott ist verborgen. Nicht nur manchmal, nicht nur irgendwo, sondern immer und in allem: Gott verbirgt sich hinter der Oberfläche der alltäglichen Dinge.
Nach seiner Gebetszeit zündete sich Titus eine Pfeife an, ging in der Zelle hin und her und erledigte kleine Arbeiten, wie zum Beispiel die Fingernägel über den Boden abzureiben, die „zu lang waren und ich hatte keine Schere“… und so entdeckte er Gott in den einfachsten Kleinigkeiten – beim Rauchen von Tabak, beim Hin- und Herlaufen, beim Feilen der Nägel.
Gottes verborgene Gegenwart ist voller Hoffnung für den Menschen, der gelernt hat, sie zu erkennen und aus ihr zu leben. Die Einsicht in Seine Verborgenheit kann so vertraut werden, dass sie uns glücklich macht.
In Dachau wurde Titus' verstecktes Verhältnis zu Gott auf eine harte Probe gestellt. Der Hymnus Adoro Te devote führte ihn durch diese Prüfung. Als die Lagerwache ihn schlug, betete er Adoro Te devote mit seinem Mitbruder, dem Karmeliten Rafael Tijhuis (der Dachau überlebte). Verletz im schwachen Körper stand er fest in Gottes verborgener Gegenwart.
Flugblatt: Titus Brandsma – Adoro Te (1.88 MB)
5. Tag: „Du umgibst mich von hinten und von vorne“ (Ps 139,5)
5. Tag: „Du umgibst mich von hinten und von vorne“ (Ps 139,5)
Gott, du hast dem heiligen Titus ermöglicht, dass er das Gebet von Thomas von Aquin angenommen hat und in den schweren Bedingungen der Internierung daraus Kraft und Hoffnung schöpfen konnte; durch seine Fürbitte lehre auch uns heute, dass wir unser Gebet ständig vereinfachen und vertiefen, damit es uns auch in schmerzhaften Phasen unseres Lebens trägt. Wir bitten darum durch deinen Sohn…
Adoro Te – verborgener Gott
Ich neige mich innig vor dir, unser verborgener Gott,
der du dich hier im Sakrament verbirgst.
Dir gebe ich mein Herz ganz hin,
vor dir bekenne ich meine Schwäche, Gott.Mit Augen, Tastsinn, Geschmack nehme ich dich nicht wahr,
doch nur mit meinem Gehör erkenne ich dich sicher.
Ich glaube alles, was Christus, unser Herr, der Welt verkündete,
in ihm ist die Grundlage der Wahrheit für die ganze Menschheit gegeben.Am Kreuz hast du nur deine Gottheit verborgen,
hier ist auch deine Menschheit verborgen.
In beidem jedoch glaube ich mit ganzem Herzen,
um Gnade bitte ich dich mit dem büßenden Sünder.Deine Wunden, wie Thomas, will ich nicht sehen,
denn du bist mein Herr und Gott, das bekenne ich innig.
Gib meiner schwachen Glauben mehr Kraft,
dass ich mehr auf dich hoffe, dich mehr liebe.Frucht des Todes des Herrn, Brot des Lebens,
in dem den Menschen Gottes Güte gegeben wird,
lass meine Seele nur von dir leben,
in dir Gottes Liebe zu betrachten und zu verehren.Guter Pelikan, Jesus, mein Herr,
reinige uns Sünder von unseren Sünden mit deinem Blut,
denn nur ein Tropfen davon genügte,
um die Sünden der ganzen Welt zu reinigen.Erbarme dich, o Jesus Christus, der du hier verborgen bist,
und erfülle das Verlangen des sehnenden Herzens,
damit ich, während ich hier mit Glauben zum Altar schaue,
dich einmal im Himmel von Angesicht zu Angesicht sehen kann.(Hl. Thomas von Aquin /1225–1274/; Übersetzung entnommen aus dem Gesangbuch Nr. 712)
Gott verborgen und gegenwärtig
Viele von uns erfahren Gott als den verborgenen Gott. Daran ist nichts neu oder für unsere Zeit charakteristisch. Bereits vor zweieinhalbtausend Jahren seufzte der Prophet Jesaja im Exil: Wahrlich, du bist ein verborgener Gott (Jes 45,15). Im Laufe der Geschichte wiederholten gläubige Menschen ähnliche Worte an den Herrn, und Titus war keine Ausnahme. Für ihn war die Verborgenheit Gottes eine tief erlebte Realität.
In seiner Zelle in Scheveningen betete er nach dem Essen den bekannten Hymnus Adoro Te (Ich neige mich innig vor dir, unser verborgener Gott). Er berichtet darüber in seinen Haftaufzeichnungen, betitelt „Meine Zelle“: „Adoro Te ist mein Lieblingsgebet geworden. Oft singe ich es leise, es hilft mir bei der geistlichen heiligen Kommunion.“
Titus kannte dieses Lied auswendig. Er betete es jeden Tag privat, zusammen mit seinen Brüdern dann immer samstags. Der Text berührte ihn tief, er war ihm wohlbekannt. So brachte Titus es mit ins Gefängnis, wo er es leise, auf den Knien, nach dem Mittagessen, das aus Suppe und ein wenig Kartoffeln oder Kohl bestand, sang. In dem Gebet entdeckte er: Wahrhaftig, der gegenwärtige Gott ist verborgen. Nicht nur manchmal, nicht nur irgendwo, sondern immer und in allem: Gott verbirgt sich hinter der Oberfläche der alltäglichen Dinge.
Nach seiner Gebetszeit zündete sich Titus eine Pfeife an, ging in der Zelle hin und her und erledigte kleine Arbeiten, wie zum Beispiel die Fingernägel über den Boden abzureiben, die „zu lang waren und ich hatte keine Schere“… und so entdeckte er Gott in den einfachsten Kleinigkeiten – beim Rauchen von Tabak, beim Hin- und Herlaufen, beim Feilen der Nägel.
Gottes verborgene Gegenwart ist voller Hoffnung für den Menschen, der gelernt hat, sie zu erkennen und aus ihr zu leben. Die Einsicht in Seine Verborgenheit kann so vertraut werden, dass sie uns glücklich macht.
In Dachau wurde Titus' verstecktes Verhältnis zu Gott auf eine harte Probe gestellt. Der Hymnus Adoro Te devote führte ihn durch diese Prüfung. Als die Lagerwache ihn schlug, betete er Adoro Te devote mit seinem Mitbruder, dem Karmeliten Rafael Tijhuis (der Dachau überlebte). Verletz im schwachen Körper stand er fest in Gottes verborgener Gegenwart.
Flugblatt: Titus Brandsma – Adoro Te (1.88 MB)
Gott, du hast dem heiligen Titus ermöglicht, dass er das Gebet von Thomas von Aquin angenommen hat und in den schweren Bedingungen der Internierung daraus Kraft und Hoffnung schöpfen konnte; durch seine Fürbitte lehre auch uns heute, dass wir unser Gebet ständig vereinfachen und vertiefen, damit es uns auch in schmerzhaften Phasen unseres Lebens trägt. Wir bitten darum durch deinen Sohn…
Gott, du hast dem heiligen Titus ermöglicht, dass er das Gebet von Thomas von Aquin angenommen hat und in den schweren Bedingungen der Internierung daraus Kraft und Hoffnung schöpfen konnte; durch seine Fürbitte lehre auch uns heute, dass wir unser Gebet ständig vereinfachen und vertiefen, damit es uns auch in schmerzhaften Phasen unseres Lebens trägt. Wir bitten darum durch deinen Sohn…Adoro Te – verborgener Gott
Ich neige mich innig vor dir, unser verborgener Gott,
der du dich hier im Sakrament verbirgst.
Dir gebe ich mein Herz ganz hin,
vor dir bekenne ich meine Schwäche, Gott.Mit Augen, Tastsinn, Geschmack nehme ich dich nicht wahr,
doch nur mit meinem Gehör erkenne ich dich sicher.
Ich glaube alles, was Christus, unser Herr, der Welt verkündete,
in ihm ist die Grundlage der Wahrheit für die ganze Menschheit gegeben.Am Kreuz hast du nur deine Gottheit verborgen,
hier ist auch deine Menschheit verborgen.
In beidem jedoch glaube ich mit ganzem Herzen,
um Gnade bitte ich dich mit dem büßenden Sünder.Deine Wunden, wie Thomas, will ich nicht sehen,
denn du bist mein Herr und Gott, das bekenne ich innig.
Gib meiner schwachen Glauben mehr Kraft,
dass ich mehr auf dich hoffe, dich mehr liebe.Frucht des Todes des Herrn, Brot des Lebens,
in dem den Menschen Gottes Güte gegeben wird,
lass meine Seele nur von dir leben,
in dir Gottes Liebe zu betrachten und zu verehren.Guter Pelikan, Jesus, mein Herr,
reinige uns Sünder von unseren Sünden mit deinem Blut,
denn nur ein Tropfen davon genügte,
um die Sünden der ganzen Welt zu reinigen.Erbarme dich, o Jesus Christus, der du hier verborgen bist,
und erfülle das Verlangen des sehnenden Herzens,
damit ich, während ich hier mit Glauben zum Altar schaue,
dich einmal im Himmel von Angesicht zu Angesicht sehen kann.(Hl. Thomas von Aquin /1225–1274/; Übersetzung entnommen aus dem Gesangbuch Nr. 712)
Gott verborgen und gegenwärtig
Viele von uns erfahren Gott als den verborgenen Gott. Daran ist nichts neu oder für unsere Zeit charakteristisch. Bereits vor zweieinhalbtausend Jahren seufzte der Prophet Jesaja im Exil: Wahrlich, du bist ein verborgener Gott (Jes 45,15). Im Laufe der Geschichte wiederholten gläubige Menschen ähnliche Worte an den Herrn, und Titus war keine Ausnahme. Für ihn war die Verborgenheit Gottes eine tief erlebte Realität.
In seiner Zelle in Scheveningen betete er nach dem Essen den bekannten Hymnus Adoro Te (Ich neige mich innig vor dir, unser verborgener Gott). Er berichtet darüber in seinen Haftaufzeichnungen, betitelt „Meine Zelle“: „Adoro Te ist mein Lieblingsgebet geworden. Oft singe ich es leise, es hilft mir bei der geistlichen heiligen Kommunion.“
Titus kannte dieses Lied auswendig. Er betete es jeden Tag privat, zusammen mit seinen Brüdern dann immer samstags. Der Text berührte ihn tief, er war ihm wohlbekannt. So brachte Titus es mit ins Gefängnis, wo er es leise, auf den Knien, nach dem Mittagessen, das aus Suppe und ein wenig Kartoffeln oder Kohl bestand, sang. In dem Gebet entdeckte er: Wahrhaftig, der gegenwärtige Gott ist verborgen. Nicht nur manchmal, nicht nur irgendwo, sondern immer und in allem: Gott verbirgt sich hinter der Oberfläche der alltäglichen Dinge.
Nach seiner Gebetszeit zündete sich Titus eine Pfeife an, ging in der Zelle hin und her und erledigte kleine Arbeiten, wie zum Beispiel die Fingernägel über den Boden abzureiben, die „zu lang waren und ich hatte keine Schere“… und so entdeckte er Gott in den einfachsten Kleinigkeiten – beim Rauchen von Tabak, beim Hin- und Herlaufen, beim Feilen der Nägel.
Gottes verborgene Gegenwart ist voller Hoffnung für den Menschen, der gelernt hat, sie zu erkennen und aus ihr zu leben. Die Einsicht in Seine Verborgenheit kann so vertraut werden, dass sie uns glücklich macht.
In Dachau wurde Titus' verstecktes Verhältnis zu Gott auf eine harte Probe gestellt. Der Hymnus Adoro Te devote führte ihn durch diese Prüfung. Als die Lagerwache ihn schlug, betete er Adoro Te devote mit seinem Mitbruder, dem Karmeliten Rafael Tijhuis (der Dachau überlebte). Verletz im schwachen Körper stand er fest in Gottes verborgener Gegenwart.
Flugblatt: Titus Brandsma – Adoro Te (1.88 MB)
6. Tag: „In mein Herz hast du größere Freude gelegt…“ (Ps 4,8)
Gott, du hast dem heiligen Titus ein freudiges Herz geschenkt, das selbst inmitten des großen Übels nicht verbitterte; durch seine Fürbitte bewahre uns vor jeder Unzufriedenheit, dass wir dich heute dankbar loben und all unsere Sünden und unsere und die Sorgen unserer Nächsten vertrauensvoll deinem Erbarmen anvertrauen. Wir bitten darum durch deinen Sohn…
Freudiges Herz
Unter den vielen Fragen, die ich mir stelle, beschäftigt mich keine so sehr wie das „Rätsel“, dass sich die sich entwickelnde Menschheit, die auf ihren Fortschritt ungemein stolz ist, in so großer Zahl von Gott abwendet. Es ist beunruhigend, dass wir in einer Zeit großen Fortschritts in vielen Bereichen vor dem Phänomen stehen, dass Menschen Gott nicht verehren, ja ihn sogar leugnen. Und dieses Phänomen verbreitet sich wie eine ansteckende Krankheit.
Warum ist das Bild Gottes so dunkel? Warum spricht es viele Menschen nicht mehr an? Was ist der Grund dafür? Ist dieser Fakt nicht eine Aufforderung für uns, das Bild Gottes über dieser Welt wieder im klaren Licht erstrahlen zu lassen?Der Gott, an den Titus glaubt, ist ein unendlich anziehender Gott – und das nicht nur für Titus persönlich, sondern für jeden. Der Grund für den Abfall vom Glauben (siehe einleitendes Zitat) ist, dass das Bild Gottes verdunkelt ist und nicht auf eine Weise verkündet wird, die den zeitgenössischen Menschen anspricht und ihm die wahre Schönheit und das wahre Antlitz Gottes offenbart.
Gott, an den Titus seit seiner Kindheit glaubte, den er gewählt hat, um den Weg des Karmels zu gehen, zu dem er betete, über den er gerne neue schöne Dinge (durch das Studium mittelalterlicher Mystiker) erfuhr, machte ihn glücklich.
Titus war in seinem Glauben glücklich, er war ein glücklicher Karmeliter. Als er im Alter von siebzehn Jahren das Noviziat begann, schrieb er nach Hause:Kein Genuss könnte mir so viel Freude und Glück bringen, wie das Leben im Kloster. In der Zelle und unter den Brüdern bin ich – wie zu erwarten – vollkommen glücklich. Ich glaube, dass Gott mich hierher berufen hat, aber bitte betet für mich, dass ich erkenne, ob ich seinen heiligen Willen folge oder nicht. Wenn Gott mich nicht hierher berufen hat – was ich nicht glaube und hoffe, dass das nicht der Fall ist, denn es ist so eine Freude – dann betet bitte, dass ich unterscheiden kann, was ich tun soll, um ihm zu gefallen. Aber wie ich bereits gesagt habe, ich bin jetzt glücklich und hoffe, dass es so bleibt.
Sogar im Gefängnis in Scheveningen fühlte er sich wie zu Hause, richtete sich seine „neue Zelle“ ein und sprach von Glück. Dies bezeugt nicht nur sein Schriftverkehr, wo man annehmen könnte, dass er seine Angehörigen beruhigen möchte, sondern vor allem ein Tagebucheintrag:
Ich fühle mich hier in dieser kleinen Zelle vollkommen wie zu Hause. Ich habe mich hier noch nicht gelangweilt. Ich bin allein, das stimmt, aber nie war mir der gute Gott so nahe. Auch wenn ich nicht zu den Menschen hinausgehen kann und die Menschen nicht zu mir kommen können, habe ich Lust zu schreien vor Freude, denn er hat sich mir wieder in seiner Fülle geben lassen. Er ist jetzt mein einziger Zufluchtsort und ich fühle mich glücklich und in Sicherheit. Ich möchte hier für immer bleiben, wenn er es so eingerichtet hat. Selten war ich so glücklich und zufrieden.
Titus hatte im Leben viele Gründe zur Unzufriedenheit: sehr schwaches Gesundheit, das ihn oft im ungünstigsten Moment im Stich ließ; eine drückende Menge an Verpflichtungen, die er niemandem überlassen konnte oder wollte; die schwere Atmosphäre der 30er Jahre, die trotz aller Bemühungen unaufhaltsam auf den Krieg zusteuerte; Konflikte mit der Besatzungsbehörde, Inhaftierung. Dennoch war er glücklich. Er konnte nicht anders. Glücklich machte ihn die Erkenntnis des Herrn, die Beziehung zu ihm, Gott selbst. Daher wollte er Gott seinen Zeitgenossen so präsentieren, dass auch sie angesprochen und für das Glück geöffnet wurden.
Ich verstehe, dass Freude nicht auf die gleiche Weise in allen Lebensphasen und unter allen Umständen, die manchmal sehr hart sind, erlebt wird. Freude passt sich an und verwandelt sich, aber sie bleibt immer zumindest ein Lichtstrahl, der aus der persönlichen Gewissheit geboren wird, dass wir unendlich und über alles geliebt werden. (Papst Franziskus, Apostolisches Schreiben Evangelii gaudium 6)
6. Tag: „In mein Herz hast du größere Freude gelegt…“ (Ps 4,8)
6. Tag: „In mein Herz hast du größere Freude gelegt…“ (Ps 4,8)
```Gott, du hast dem heiligen Titus ein freudiges Herz geschenkt, das selbst inmitten des großen Übels nicht verbitterte; durch seine Fürbitte bewahre uns vor jeder Unzufriedenheit, dass wir dich heute dankbar loben und all unsere Sünden und unsere und die Sorgen unserer Nächsten vertrauensvoll deinem Erbarmen anvertrauen. Wir bitten darum durch deinen Sohn…
Freudiges Herz
Unter den vielen Fragen, die ich mir stelle, beschäftigt mich keine so sehr wie das „Rätsel“, dass sich die sich entwickelnde Menschheit, die auf ihren Fortschritt ungemein stolz ist, in so großer Zahl von Gott abwendet. Es ist beunruhigend, dass wir in einer Zeit großen Fortschritts in vielen Bereichen vor dem Phänomen stehen, dass Menschen Gott nicht verehren, ja ihn sogar leugnen. Und dieses Phänomen verbreitet sich wie eine ansteckende Krankheit.
Warum ist das Bild Gottes so dunkel? Warum spricht es viele Menschen nicht mehr an? Was ist der Grund dafür? Ist dieser Fakt nicht eine Aufforderung für uns, das Bild Gottes über dieser Welt wieder im klaren Licht erstrahlen zu lassen?Der Gott, an den Titus glaubt, ist ein unendlich anziehender Gott – und das nicht nur für Titus persönlich, sondern für jeden. Der Grund für den Abfall vom Glauben (siehe einleitendes Zitat) ist, dass das Bild Gottes verdunkelt ist und nicht auf eine Weise verkündet wird, die den zeitgenössischen Menschen anspricht und ihm die wahre Schönheit und das wahre Antlitz Gottes offenbart.
Gott, an den Titus seit seiner Kindheit glaubte, den er gewählt hat, um den Weg des Karmels zu gehen, zu dem er betete, über den er gerne neue schöne Dinge (durch das Studium mittelalterlicher Mystiker) erfuhr, machte ihn glücklich.
Titus war in seinem Glauben glücklich, er war ein glücklicher Karmeliter. Als er im Alter von siebzehn Jahren das Noviziat begann, schrieb er nach Hause:Kein Genuss könnte mir so viel Freude und Glück bringen, wie das Leben im Kloster. In der Zelle und unter den Brüdern bin ich – wie zu erwarten – vollkommen glücklich. Ich glaube, dass Gott mich hierher berufen hat, aber bitte betet für mich, dass ich erkenne, ob ich seinen heiligen Willen folge oder nicht. Wenn Gott mich nicht hierher berufen hat – was ich nicht glaube und hoffe, dass das nicht der Fall ist, denn es ist so eine Freude – dann betet bitte, dass ich unterscheiden kann, was ich tun soll, um ihm zu gefallen. Aber wie ich bereits gesagt habe, ich bin jetzt glücklich und hoffe, dass es so bleibt.
Sogar im Gefängnis in Scheveningen fühlte er sich wie zu Hause, richtete sich seine „neue Zelle“ ein und sprach von Glück. Dies bezeugt nicht nur sein Schriftverkehr, wo man annehmen könnte, dass er seine Angehörigen beruhigen möchte, sondern vor allem ein Tagebucheintrag:
Ich fühle mich hier in dieser kleinen Zelle vollkommen wie zu Hause. Ich habe mich hier noch nicht gelangweilt. Ich bin allein, das stimmt, aber nie war mir der gute Gott so nahe. Auch wenn ich nicht zu den Menschen hinausgehen kann und die Menschen nicht zu mir kommen können, habe ich Lust zu schreien vor Freude, denn er hat sich mir wieder in seiner Fülle geben lassen. Er ist jetzt mein einziger Zufluchtsort und ich fühle mich glücklich und in Sicherheit. Ich möchte hier für immer bleiben, wenn er es so eingerichtet hat. Selten war ich so glücklich und zufrieden.
Titus hatte im Leben viele Gründe zur Unzufriedenheit: sehr schwaches Gesundheit, das ihn oft im ungünstigsten Moment im Stich ließ; eine drückende Menge an Verpflichtungen, die er niemandem überlassen konnte oder wollte; die schwere Atmosphäre der 30er Jahre, die trotz aller Bemühungen unaufhaltsam auf den Krieg zusteuerte; Konflikte mit der Besatzungsbehörde, Inhaftierung. Dennoch war er glücklich. Er konnte nicht anders. Glücklich machte ihn die Erkenntnis des Herrn, die Beziehung zu ihm, Gott selbst. Daher wollte er Gott seinen Zeitgenossen so präsentieren, dass auch sie angesprochen und für das Glück geöffnet wurden.
Ich verstehe, dass Freude nicht auf die gleiche Weise in allen Lebensphasen und unter allen Umständen, die manchmal sehr hart sind, erlebt wird. Freude passt sich an und verwandelt sich, aber sie bleibt immer zumindest ein Lichtstrahl, der aus der persönlichen Gewissheit geboren wird, dass wir unendlich und über alles geliebt werden. (Papst Franziskus, Apostolisches Schreiben Evangelii gaudium 6)
Gott, du hast uns nach deinem Bild geschaffen, und aus deiner Hand sind wir sehr gut hervorgegangen; auf die Fürsprache des heiligen Titus, lass das Gute in uns immer weiter wachsen und sich heute in tätiger Liebe zu allen Waisen, Witwen und Einwanderern zeigen. Wir bitten darum durch deinen Sohn…
Hinter der Natur steht Gott
Verlieren wir nicht die Hoffnung, denn die Natur – mit ihren verborgenen und uns unbekannten Kräften und Fähigkeiten – hat sich in der Geschichte immer bewährt. Die Rettung kann nicht von einem Individuum kommen… Jeder Verstand, jede Weisheit ist in dieser Hinsicht unzureichend, jedoch wie immer in der Geschichte, wird sich die Natur auch jetzt „kümmern“... Hinter der Natur steht Gott. … Gott, der sie geschaffen hat und der sie erhält; der in ihr, mit ihr und durch sie wirkt…
Wenn wir in den Schwierigkeiten der heutigen Zeit auf deren Lösung vertrauen, weil wir aus der Geschichte gelernt haben, dem menschlichen Wesen zu vertrauen, vertrauen wir damit auch dem, der hinter ihm steht, also Gott.Titus ist überzeugt, dass die Schöpfung gut ist, dass der Mensch „sehr gut“ ist. Und – wie die katholische Kirche lehrt – auch nach der Sünde ist die menschliche Natur nicht völlig verdorben, sondern bleibt gut, auch wenn der Mensch zum Sklaven der Sünde werden und großes Übel tun kann.
Titus betrachtet die menschliche Natur mit unerschütterlicher Hoffnung, im Glauben, dass Gott hinter ihr steht, dass er in ihr gegenwärtig ist und dass er seine heilenden Gesetze darin eingegeben hat.
Titus glaubt, dass Gott zu seinem Menschen steht, dass er seinen Sohn und seine Tochter erzogen hat (auch wenn uns diese Erziehung manchmal streng erscheint), dass er seinen verlorenen Sohn und seine verlorene Tochter erwartet. Gott bleibt seinem Menschen treu, denn er kann sich selbst nicht verleugnen.Von Gott geschaffener Mensch ist „sehr gut“ – und das gilt nicht nur für den gläubigen Menschen, Gott ist der Gott aller Menschen. Schon die Menschen des Alten Testaments staunten, wie der Herr es schaffte, den heidnischen König Kyros in die Heilsgeschichte einzugliedern und ihn zum Werkzeug der Rettung Israels zu machen.
Auch wir staunen heute, wozu Menschen um uns herum „natürlich“ fähig sind – auch ohne die Kirche, auch ohne äußere Zugehörigkeit zu einer bestimmten Glaubensrichtung oder Religion.
Wie viel Selbstlosigkeit hat Gott in den Menschen in der Zeit der Pandemie angeregt – auch ohne „unsere“ Lehre von der Notwendigkeit der selbstlosen Liebe.
Wie viel tätiges Mitgefühl hat Gott in den Menschen geweckt, um den Opfern des Krieges in der Ukraine zu helfen – lasst uns daher Gott loben und ihm danken für die wachsende Menge derjenigen, denen er einst mit Liebe sagen wird:Kommt her, die ihr gesegnet seid von meinem Vater, erbt das Reich, das euch bereitet ist von Grundlegung der Welt. Denn ich hatte Hunger, und ihr habt mir zu essen gegeben; ich hatte Durst, und ihr habt mir zu trinken gegeben; ich war krank, und ihr habt euch um mich gekümmert; ich floh vor dem Krieg, und ihr habt mich aufgenommen… (vgl. Mt 25,35n)
Gott, du hast uns nach deinem Bild geschaffen, und aus deiner Hand sind wir sehr gut hervorgegangen; auf die Fürsprache des heiligen Titus, lass das Gute in uns immer weiter wachsen und sich heute in tätiger Liebe zu allen Waisen, Witwen und Einwanderern zeigen. Wir bitten darum durch deinen Sohn…
Gott, du hast uns nach deinem Bild geschaffen, und aus deiner Hand sind wir sehr gut hervorgegangen; auf die Fürsprache des heiligen Titus, lass das Gute in uns immer weiter wachsen und sich heute in tätiger Liebe zu allen Waisen, Witwen und Einwanderern zeigen. Wir bitten darum durch deinen Sohn…Hinter der Natur steht Gott
Verlieren wir nicht die Hoffnung, denn die Natur – mit ihren verborgenen und uns unbekannten Kräften und Fähigkeiten – hat sich in der Geschichte immer bewährt. Die Rettung kann nicht von einem Individuum kommen… Jeder Verstand, jede Weisheit ist in dieser Hinsicht unzureichend, jedoch wie immer in der Geschichte, wird sich die Natur auch jetzt „kümmern“... Hinter der Natur steht Gott. … Gott, der sie geschaffen hat und der sie erhält; der in ihr, mit ihr und durch sie wirkt…
Wenn wir in den Schwierigkeiten der heutigen Zeit auf deren Lösung vertrauen, weil wir aus der Geschichte gelernt haben, dem menschlichen Wesen zu vertrauen, vertrauen wir damit auch dem, der hinter ihm steht, also Gott.Verlieren wir nicht die Hoffnung, denn die Natur – mit ihren verborgenen und uns unbekannten Kräften und Fähigkeiten – hat sich in der Geschichte immer bewährt. Die Rettung kann nicht von einem Individuum kommen… Jeder Verstand, jede Weisheit ist in dieser Hinsicht unzureichend, jedoch wie immer in der Geschichte, wird sich die Natur auch jetzt „kümmern“... Hinter der Natur steht Gott. … Gott, der sie geschaffen hat und der sie erhält; der in ihr, mit ihr und durch sie wirkt…
Wenn wir in den Schwierigkeiten der heutigen Zeit auf deren Lösung vertrauen, weil wir aus der Geschichte gelernt haben, dem menschlichen Wesen zu vertrauen, vertrauen wir damit auch dem, der hinter ihm steht, also Gott.Titus ist überzeugt, dass die Schöpfung gut ist, dass der Mensch „sehr gut“ ist. Und – wie die katholische Kirche lehrt – auch nach der Sünde ist die menschliche Natur nicht völlig verdorben, sondern bleibt gut, auch wenn der Mensch zum Sklaven der Sünde werden und großes Übel tun kann.
Titus betrachtet die menschliche Natur mit unerschütterlicher Hoffnung, im Glauben, dass Gott hinter ihr steht, dass er in ihr gegenwärtig ist und dass er seine heilenden Gesetze darin eingegeben hat.
Titus glaubt, dass Gott zu seinem Menschen steht, dass er seinen Sohn und seine Tochter erzogen hat (auch wenn uns diese Erziehung manchmal streng erscheint), dass er seinen verlorenen Sohn und seine verlorene Tochter erwartet. Gott bleibt seinem Menschen treu, denn er kann sich selbst nicht verleugnen.Von Gott geschaffener Mensch ist „sehr gut“ – und das gilt nicht nur für den gläubigen Menschen, Gott ist der Gott aller Menschen. Schon die Menschen des Alten Testaments staunten, wie der Herr es schaffte, den heidnischen König Kyros in die Heilsgeschichte einzugliedern und ihn zum Werkzeug der Rettung Israels zu machen.
Auch wir staunen heute, wozu Menschen um uns herum „natürlich“ fähig sind – auch ohne die Kirche, auch ohne äußere Zugehörigkeit zu einer bestimmten Glaubensrichtung oder Religion.
Wie viel Selbstlosigkeit hat Gott in den Menschen in der Zeit der Pandemie angeregt – auch ohne „unsere“ Lehre von der Notwendigkeit der selbstlosen Liebe.
Wie viel tätiges Mitgefühl hat Gott in den Menschen geweckt, um den Opfern des Krieges in der Ukraine zu helfen – lasst uns daher Gott loben und ihm danken für die wachsende Menge derjenigen, denen er einst mit Liebe sagen wird:Kommt her, die ihr gesegnet seid von meinem Vater, erbt das Reich, das euch bereitet ist von Grundlegung der Welt. Denn ich hatte Hunger, und ihr habt mir zu essen gegeben; ich hatte Durst, und ihr habt mir zu trinken gegeben; ich war krank, und ihr habt euch um mich gekümmert; ich floh vor dem Krieg, und ihr habt mich aufgenommen… (vgl. Mt 25,35n)
Kommt her, die ihr gesegnet seid von meinem Vater, erbt das Reich, das euch bereitet ist von Grundlegung der Welt. Denn ich hatte Hunger, und ihr habt mir zu essen gegeben; ich hatte Durst, und ihr habt mir zu trinken gegeben; ich war krank, und ihr habt euch um mich gekümmert; ich floh vor dem Krieg, und ihr habt mich aufgenommen… (vgl. Mt 25,35n)
8. Tag: „Darin liegt die Liebe: nicht dass wir Gott geliebt haben, sondern dass er uns geliebt hat“ (1 Joh 4,10)
Gott, deine Liebe hat den heiligen Titus überwältigt, sodass er dir auf dem Weg des Karmel und dem Weg des Kreuzes deines Sohnes gefolgt ist. Auf seine Fürsprache überwältige heute auch uns mit deiner Liebe und lehre uns zu lieben. Wir bitten darum durch deinen Sohn…
Von der Liebe überwältigt
Wir leben in einer Welt, die die Liebe verurteilt. In einer Welt, in der Liebe als Schwäche angesehen wird, die wir überwinden und besiegen müssen. In einer Welt, in der es nicht um Liebe geht, sondern um die Entfaltung der eigenen Kraft. Jeder soll so stark wie möglich sein, und die Schwachen sollen sterben.
Diese Ansichten werden uns präsentiert, und es gibt Menschen, die sie willig annehmen. „Die Liebe ist nicht geliebt“, rief bereits der heilige Franziskus von Assisi. Einige Jahrhunderte später läutete die heilige Maria Magdalena de’ Pazzi in Ekstase die Glocke des Karmeliterklosters, um den Menschen zu sagen, wie schön die Liebe ist. Ach, wie gerne würde ich die Glocken läuten, um der Welt zu sagen, wie schön die Liebe ist!
Obwohl die Ideologie die Liebe verurteilt und sie als Schwäche ablehnt, wird das lebendige Zeugnis der liebenden Menschen immer wieder zur Kraft, die die menschlichen Herzen überwältigt und sie erobert. „Seht, wie sie sich lieben.“ Diese Worte der Heiden über die ersten Christen sollten auch für uns wieder gelten! Dann werden wir die Welt überwinden.So predigte Titus an der Festivität der Jungfrau Maria vom Karmel im Jahr 1939, zehn Monate vor der Besetzung der Niederlande durch die deutsche Armee. Titus' Text ist gewiss zeitlos. Er trifft verlässlich nicht nur in dramatischen historischen Umständen, sondern auch in unserem persönlichen Leben zu – auch wir sind dessen Beweis. Auch uns zieht die Liebe an – darum sind wir am Karmel! Auch uns überwältigt sie – sonst wären wir nicht hier. Auch wenn unser Egoismus hartnäckig widersteht, wird es letztendlich von der Liebe überwältigt.
Diese Liebe bewies Titus ein paar Jahre später unter unmenschlichen Bedingungen in den nationalsozialistischen Gefängnissen. Er war dort nicht nur – er liebte dort und solange er konnte, zeigte er praktischen Liebe seinen Mithäftlingen, hörte Beichte, betete für seine Feinde.Als die Krankenschwester kam, um Titus mit einer Phenolinjektion zu töten, weil es nötig war, das Krankenhausbett freizugeben und Titus' Genesung und Rückkehr zur Arbeit nicht realisierbar waren, drückte er ihr mit großer Freundlichkeit sein Mitgefühl aus. Er schenkte ihr auch seinen Rosenkranz und ermutigte sie, ihn zu benutzen, auch wenn sie bereits vergessen hatte, wie man den Rosenkranz betet. Diese Schwester kehrte später zum Glauben zurück und schrieb ihre Bekehrung der Fürsprache des Vaters Titus zu. Im Prozess der Seligsprechung bezeugte sie, dass seine letzten Worte: „Es geschehe dein Wille, Herr, nicht meiner“, einen großen Eindruck auf sie machten.
Titus' Seligsprechung fand im November 1985 statt.
Zum Ruhm des Altars reift der Mensch, der durch die Qualen des Konzentrationslagers in Dachau ging und aus dieser Prüfung siegreich hervorging: als die Hasswelle toste, konnte er lieben.
(Johannes Paul II., Seligsprechungs-Homilie)
Auch Titus' bekanntester Text, der sich schnell unter den Gefangenen verbreitete und ihnen Kraft und Trost spendete, spricht von der Liebe. Titus hatte ein kleines „heiliges Bild“ mit einer Wiederholung der Kreuzigung von Fra Angelico bei sich. Am unteren Rand des Bildes ist der heilige Dominikus abgebildet, der knieend das Kreuz umarmt und zum Gekreuzigten aufblickt. In einer Februarnacht 1942 fangen Titus einige Verse eines sehr persönlichen Gebets ein, hier in freier Übertragung von Vera Fischer:
Herr, wenn ich auf dein Bild schaue, scheint es,
dass ich die Umarmung wie von einem Freund fühle;
ein kostbares Geschenk und ein gesichertes Gut
finde ich so in meiner treuen Liebe.
(…)
Bleibe bei mir, Jesus! Lass mich nie, Herr,
den Kummer unserer Trennung erfahren!
Durch deinen Reiz wird alles im Schönen verwandelt,
und das Tragen von Leiden erscheint so leicht.9. Tag: „Die Kraft zeigt sich umso klarer in der Schwachheit“ (2 Kor 12,9)
Gott, du hast dem heiligen Titus den Kelch des Leidens, der Angst und der Schwachheit nicht genommen. Auf seine Fürsprache bringen wir dir heute die Ohnmacht aller Kriegsopfer und unsere eigene Ohnmacht und bitten gemeinsam um deinen Frieden und gerechten Frieden für die Ukraine, Europa und die ganze Welt. Durch Christus, unseren Herrn.
Erfahrung der Schwachheit
Der heilige Paulus bat den Herrn dreimal, ihn von dem „Stachel“ Satans, der ihn ins Gesicht schlug, zu befreien. Der Stachel lähmte Paulus und erschien ihm unvereinbar mit dem Dienst an Christus und seinem Evangelium. Doch dann erhielt er die Antwort: „Meine Gnade genügt dir, denn meine Kraft zeigt sich umso klarer in der Schwachheit.“ (2 Kor 12,9)
Vielleicht gilt das auch für die Heiligkeit: Heiligkeit zeigt sich – natürlich aus Gnade – umso klarer in der Schwachheit. Mit anderen Worten: Heiligkeit ist umso authentischer, je mehr sie ein Werk der Gnade und nicht nur eine Frucht unserer eigenen Askese, unseres Strebens, unseres Kampfes ist. Heiligkeit ist umso authentischer, je mehr sie ein geschenkter Teilhabe an der Heiligkeit Gottes ist. Authentische Heiligkeit ist niemals eine „Heiligkeit eigener Herstellung“.
Titus sehnte sich danach, Jesus mit einer Liebe zu lieben, die bis zum Tod reicht. Auf das Leiden war er natürlich gut vorbereitet – seit seiner Kindheit hatte er schwaches Gesundheitszustand, war von verschiedenen unangenehmen Krankheiten geplagt. Ein häufiges Thema seiner Meditation war der Gekreuzigte. Sein ganzes Leben studierte er Mystiker und wusste, dass sich Liebe nicht im Ekstase oder in erhebenden Erfahrungen bewährt, sondern im Leiden. Er wusste, dass Leiden und dunkle Nächte kommen werden. Dass sie kommen müssen, weil sie dazu dienen, unsere Liebe von Egoismus zu reinigen, der sich notwendigerweise auch in unserer Beziehung zu Gott mischt.
Titus hatte aber bisher nicht die Erfahrung, dass Leiden einen Menschen überwältigen kann. Während einer der Exerzitien ermutigte er die Schwester:
Dient dem Herrn nicht mit Seufzen. Mit fröhlichem Antlitz und Mut beweist, wie wahr die Worte des Herrn sind: „Mein Joch drückt nicht und meine Last ist nicht schwer“… Habt ein Lächeln auf dem Gesicht und betrachtet das Leiden im höheren Licht, in dem sich das Leiden als Ausdruck der göttlichen Liebe zu euch und als Grund zur Freude erweist. Freude ist keine Tugend, sondern die Wirkung der Liebe, mit der Schmerz ertragen wird.
Titus ertrug tatsächlich Schmerzen mit Liebe und Freude – zumindest als er seinen Kreuzweg antrat. Er war eine wunderbare Stütze für alle, die ihm in verschiedenen Gefängnissen und Lagern begegneten. In ihren Erinnerungen erscheint er als kleiner, unerschütterlicher Onkel Titus, ein Licht in der Dunkelheit, ein Stück Güte und Liebe im Meer von Bosheit und Hass.
Als das Leiden jedoch zunahm, ließ die Gesundheit nach, sowohl die physischen, geistigen als auch geistlichen Kräfte nahmen ab. Aus dem Konzentrationslager im holländischen Amersfoort wurde Titus in ein Filterlager auf dem Gebiet der Besatzung, nach Kleve in Deutschland, gebracht, von wo die Transporte nach Dachau fahren sollten. Der Gefängnisseelsorger P. Ludwig Deimel bewunderte den Frieden, das Hingabe und vor allem die Tiefe des Gebets von Titus trotz totaler Erschöpfung. Doch dann kam die Krise. P. Deimel überzeugte Titus, dass er schriftlich um Berücksichtigung seines Gesundheitszustandes und um Änderung der Strafe bitten sollte. Anstatt in das Konzentrationslager nach Dachau transportiert zu werden, schlug er vor, in einem der deutschen Karmeliterklöster interniert zu werden, natürlich ohne die Möglichkeit, irgendwie öffentlich zu wirken.
Es sind uns zwei Versionen dieser Anfrage erhalten geblieben – ein ausführlicherer Entwurf, in dem Titus offen über seine Halluzinationen schreibt, die er hat, über seine Unfähigkeit zu beten, über seine eigene Zerbrochenheit. Und dann die offizielle, unterschriebene und eingereichte Anfrage, die einige sensible Aspekte von Titus' Krise nicht enthält. Zwölf Jahre nach Titus' martyrischem Tod und ein Jahr vor Beginn des Seligsprechungsprozesses wurde das Buch von Josse Alzina „Der kleine gefährliche Mönch“ veröffentlicht, in dem Titus' Krise viel konkreter und drastischer beschrieben wird, als spätere Biografen darüber sprechen. Alzina schreibt, dass Titus von Angst überwältigt wurde, dass er nicht mehr zu erkennen war, völlig zerbrochen, zitternd und weinend wie ein Kind. Der Gefängnisseelsorger erkannte nicht mehr den zwar unterdrückten, aber innerlich festen Karmeliten.
Am unmittelbar folgenden Tag nach Einreichung der Anfrage wurde Titus in den Transport aufgenommen. Am Morgen gab ihm P. Deimel noch die heilige Kommunion. Dann wurde die Liste der transportierten Gefangenen vorgelesen, und Titus wurde mit den Handgelenken an die anderen gefesselt. P. Deimel konnte kaum glauben – Titus war wieder der, der er vorher war. Mit einem milden Lächeln auf den Lippen flüsterte er dem Priester zum Abschied: „Was kann mir noch geschehen, wenn der Herr mich begleitet?“ Diese unerwartete, menschlich unwahrscheinliche Verwandlung war wohl das Werk einer wunderbaren Eucharistie-Einspeisung.
Tituss Krise mindert oder gefährdet nicht, sondern beweist im Gegenteil die Authentizität seiner Heiligkeit. Tituss Heiligkeit wird also zur reinen Gnade – es ist nicht der Sieg von Tituss Kraft und Willen, sondern Jesus' Sieg in Tituss Schwachheit, in Tituss Niederlage.
Tituss Erfahrung der Schwachheit ist somit Grund auch für unsere Hoffnung, dass jeder unserer Fall – und er wird! – in Jesus' Sieg verwandelt werden kann. Dass uns auch seine Gnade genügt, denn Heiligkeit zeigt sich umso klarer in der Schwachheit.
Doch das Leiden nahm zu, die Gesundheit ließ nach, die körperlichen, geistigen und spirituellen Kräfte schwanden. Aus dem Konzentrationslager im holländischen Amersfoort wurde Titus in ein Filterlager auf dem Gebiet der Besatzer, ins deutsche Kleve, gebracht, von wo die Transporte nach Dachau abfuhren. Der Gefängnisseelsorger P. Ludwig Deimel bewunderte Tituses Ruhe, Hingabe und vor allem die Tiefe seines Gebets trotz totaler Erschöpfung. Doch dann kam die Krise. P. Deimel überzeugte Titus, einen schriftlichen Antrag auf Berücksichtigung seines Gesundheitszustandes und auf Änderung der Strafe zu stellen. Anstelle des Transports in das Konzentrationslager nach Dachau schlug er die Internierung in einem der deutschen karmelitischen Klöster vor, selbstverständlich ohne die Möglichkeit, öffentlich zu wirken.
Uns liegen zwei Versionen dieses Antrags vor – ein ausführlicherer Entwurf, in dem Titus offen über die Halluzinationen schreibt, die er hat, über seine Unfähigkeit zu beten, über seine eigene Zerbrochenheit. Und dann ein offizieller, unterschriebener und eingereichter Antrag, der einige sensitive Aspekte von Tituses Krise nicht erwähnt. Zwölf Jahre nach Tituses martirischem Tod und ein Jahr vor Beginn des Seligsprechungsprozesses erschien das Buch von Josse Alzin „Der kleine gefährliche Mönch“, in dem Tituses Krise viel konkreter und drastischer beschrieben wird, als es spätere Biografen tun. Alzin schreibt, dass Titus seine Angst überwunden habe, dass er unrecognizable, völlig gebrochen zitterte und weinte wie ein Kind. Der Gefängnisseelsorger erkannte nicht mehr den zwar ausgemergelten, aber innerlich festen Karmeliten.
Am folgenden Tag nach der Einreichung des Antrags wurde Titus in das Transport aufgenommen. Am Morgen gab ihm P. Deimel noch die heilige Kommunion. Dann wurde die Liste der transportierten Gefangenen vorgelesen, und Titus wurde mit den anderen am Handgelenk gefesselt. P. Deimel konnte es kaum fassen – Titus war wieder der, der er früher war. Mit einem sanften Lächeln auf den Lippen flüsterte er dem Geistlichen zum Abschied zu: „Was kann mir noch passieren, wenn der Herr mich begleitet?“ Es scheint, dass diese unerwartete, menschlich unwahrscheinliche Verwandlung durch das wunderbare Nähren mit dem eucharistischen Herrn bewirkt wurde.
Tituses Krise mindert oder gefährdet die Authentizität seiner Heiligkeit nicht, sondern beweist sie vielmehr. Tituses Heiligkeit wird so zur reinen Gnade – es ist nicht der Sieg von Tituses Stärke und Willen, sondern das siegreiche Wirken Jesu in Tituses Schwäche, in Tituses Niederlage.
Tituses Erfahrung der Schwäche ist damit auch ein Grund unserer Hoffnung, dass jeder unserer Rückschläge – und das wird geschehen! – in Jesu Sieg verwandelt werden kann. Dass auch wir seiner Gnade bedürfen, denn Heiligkeit zeigt sich offenbar in der Schwäche.