Teresia von Ávila (1515–1582)
Während des Gebets der Stille soll die Seele genießen und keinen Lärm machen. Ich nenne es Lärm, wenn der Verstand viele Worte und Überlegungen sucht, um Gott für solch eine Gnade zu danken, und wenn er wieder seinen Haufen von Sünden und Fehlern durchmischt, um seine eigene Unwürdigkeit zu fühlen. Diese Dinge erzeugen Verwirrung, denn der Verstand bemüht sich um Bilder und das Gedächtnis, um sich zu erinnern. (...)
Der Wille soll sich ruhig und weise verhalten; er soll überzeugt sein, dass man mit Gott nicht gut verhandelt, wenn man die Ärmel hochkrempelt. Solche Überlegungen gleichen großen Scheiten, die ohne Ordnung auf einen kleinen Funken gelegt werden, um ihn zu ersticken. (...)
Es passiert oft, dass der Wille Ruhe und Verbindung mit Gott erlebt, während der Verstand im Strudel der Zerstreuung ist. In diesen Momenten ist es besser, ihn loszulassen und nicht hinter ihm herzujagen; sondern stehen zu bleiben und diese Gnade zu erfahren und tief versammelt wie vorsichtige Bienen zu sein. Wenn keine Biene in den Stock fliegt und sie draußen einander nachjagen, wie könnten sie dann Honig herstellen?
Handelt die Seele nicht so, verliert sie viel, besonders wenn sie einen geschliffenen Verstand hat, denn dieser beginnt Gründe zu suchen und kleine Ideen zu schmieden; und kaum stellt er fest, dass sie etwas wert sind, glaubt er, dass er auch etwas Gutes hervorbringen kann. Doch hier hat der Verstand nichts anderes zu tun, als sich zu überzeugen, dass es keinen Grund gibt, weshalb wir solch eine große Gnade verdienen könnten, sondern dass alles von Gottes Güte stammt. Darum möge er denken, dass er sehr nahe ist, möge ihn um Gnaden bitten, möge für die Kirche beten, für die, die sich in seine Gebete empfehlen, und für die Seelen im Fegefeuer: jedoch nicht mit einem Lärm der Worte, sondern mit einer großen Sehnsucht, gehört zu werden. Solches Gebet umfasst viele Dinge und wird mehr erreichen als das angespannte Üben des Verstandes.
Der Wille möge sich (...) in der Liebe beleben. Natürlich, wie ich gesagt habe, soll er sich nicht bemühen, den Verstand in Bewegung zu setzen, um nach ungewöhnlichen Gründen zu suchen. Damit unsere Liebe entfacht wird, zählen einige Halme, die ich demütig sammle, mehr als all das Holz, das wir mit geschliffenen Überlegungen ansammeln können, denn diese würden alles während eines einzigen Credo ersticken. Diese Mahnung ist außerordentlich nützlich für die Gelehrten, die mir befohlen haben zu schreiben, denn sie sind mit göttlicher Hilfe bis hierher gekommen, aber vielleicht verlieren sie Zeit mit Verweisen auf die Heilige Schrift. Wenn Bildung eine große Hilfe vor und nach dem Gebet ist, dann sollte sie während des Gebets, wie es mir scheint, nicht viel helfen; sie schwächt höchstens den Willen, denn dann ist der Verstand nahe am Licht und in einem solchen Glanz versunken, dass ich selbst meinen, ich sei anders, trotz meines Elends.
(Leben 15,6n)
