Veronika Elisabeth Schmitt, O.C.D.
„Wo im Herzen heilige Liebe wohnt, dort gibt Seine Hoheit die Gelegenheit, sich durch Taten zu zeigen.“
Wegen der Reform wird Teresa zur Händlerin – und zwar nicht zu einer schlechten, wie sie selbst zugibt: „Ich erwarte den Moment, an dem ich selbst nach Madrid fahren könnte, um dort die örtlichen Angelegenheiten voranzutreiben, denn ich bin eine gute Verhandlerin, wie Ihnen mein Freund Waldemar sagen kann, falls Sie das nicht glauben möchten…,“ schreibt sie 1576 an P. Gracián.1 Tatsächlich: Teresa versteht Geschäfte und hat auf diesem Gebiet Talent, nicht zuletzt durch das, was sie von ihrem Großvater geerbt hat. Ihr Großvater war nämlich in Toledo Stoffhändler.
In nur zwanzig Jahren gründet Teresa (und das unter den damaligen Reisebedingungen!) siebzehn Frau und zwei Männerklöster. Oft hat sie dabei keine Mittel. Sie hat den Mut, Risiken einzugehen, auch im finanziellen Bereich. Ihre Liebe zur Armut macht Teresa nicht kleinlich oder engstirnig. Wenn ein Haus eine günstige Lage hat und einen schönen Ausblick bietet, ist sie bereit, gerne mehr dafür zu bezahlen: „Wenn das Haus einen günstigen Standort hat, dann ist mir egal, dass ich ein Drittel mehr bezahle, als es wert ist; ich habe sogar schon die Hälfte mehr bezahlt. Eine gute Lage ist für ein Kloster so wichtig, dass es einen Fehler wäre, wenn man hier noch auf den Preis achtet. Wasser und Ausblick würde ich an einem anderen Ort viel teurer bezahlen, als es dort kostete,“ lesen wir in einem Brief an einen Adligen in Caravaca.2
Finanzen stehen bei Teresa nicht an erster Stelle, auch im Hinblick auf die versprochene Armut. Sie weiß, wie sie mit Geld umgehen kann, je nach Bedarf, sie ist weder ängstlich noch verschwenderisch. „Nehmt einen Kredit auf, damit die Schwestern ausreichend Nahrung haben. Ihr werdet es sicherlich später zurückzahlen können,“ rät sie der Priorin in Sevilla.3 Und als diese Priorin einmal zwei ihrer Schwestern mit einer Kutsche nach Granada schickt und die dortige Priorin sich darüber empört, erhält sie von Teresa die folgende Antwort: „Ich habe Ihnen nicht mitgeteilt, wie sehr mir Ihr sich Beschweren über die Priorin gefallen hat und wie berechtigt Sie diese gegen sie vorgebracht haben. Sie sollte Ihnen für alles danken, was Sie getan haben, als Sie die Schwestern auf so ehrbare Weise zu ihr geschickt haben, und nicht auf Eseln, um sie Gott und der ganzen Welt zur Schau zu stellen. Wenn Ihnen wenigstens vorgehalten worden wäre, dass Sie die Schwestern auf Tragen reisen ließen… Aber auch dann würde ich Sie nicht tadeln, vorausgesetzt, dass Sie kein anderes Transportmittel zur Verfügung hatten. Gott schütze Sie, meine Tochter! Sie haben sehr gut gehandelt. Wenn die anderen diese Meinung nicht haben, machen Sie sich nichts daraus.“4 Was die Ausstattung neuer Konvente mit Bett- und Tischwäsche betrifft, möchte die Gründerin, dass auf Sauberkeit geachtet wird, „auch wenn das höhere Ausgaben bedeuten sollte.“5 Und die Kandidatinnen nimmt sie sowohl mit als auch ohne Mitgift an; für sie sind geistliche Motivation, gesunder Menschenverstand und Eignung für das Gemeinschaftsleben wichtig.
Großzügigkeit bedeutet nicht Verschwendung. Wo sie kann, achtet Teresa völlig auf ihren eigenen Vorteil, und darum kann sie diesen diplomatischen Rat geben: „... handeln Sie jedoch so, dass nicht offensichtlich wird, wie groß Ihr Interesse an (dem Abschluss dieses Geschäfts) ist, und dass so der Preis nicht steigt.“6
Was motiviert Teresa, sich in „Angelegenheiten dieser Welt“ zu engagieren, die scheinbar mit dem geistlichen Leben überhaupt nichts zu tun haben? Teresa weiß, dass aus dem wahren geistlichen Leben Taten hervorgehen, dass es an seinen Früchten zu erkennen ist. Solange der Mensch die Nähe Gottes nur im „geistlichen Bereich“ sucht, besteht die große Gefahr, dass es ihm nicht um Gott geht, sondern um sich selbst. Erst wenn die Gegenwart Gottes jeden Bereich des Lebens und jede Tätigkeit durchdringt, ist der Mensch wirklich geistlich, denn: „Wo im Herzen heilige Liebe wohnt, dort gibt Seine Hoheit die Gelegenheit, sich durch Taten zu zeigen.“7
„Teresa von Jesus“
Ohne die Hilfe ihres Bruders Lorenzo wäre Teresas Gründungstätigkeit, insbesondere zu Beginn, kaum möglich gewesen. Ihr Bruder starb 1580. Im selben Jahr reiste sein Sohn nach Amerika und ließ ein uneheliches Kind in Spanien zurück. Teresa nahm sich des Mädchens an, das seitdem im Kloster St. Josef in Avila aufwuchs.
In einer Zeit, in der uneheliche Kinder eine Schande für die ganze Familie bedeuteten, ist Teresa bereit, sich um ihre kleine Verwandte zu kümmern und sie zu erziehen. Die Vorschriften für das Ordensleben waren zu dieser Zeit noch nicht so festgelegt, dass etwas Derartiges nicht möglich gewesen wäre. Bereits zuvor hatte Teresa in ihrem Kloster ihrer Nichte Teresita und zwei weiteren Mädchen, der Schwester von Gracián und der Tochter von Herrn Gaytan, Unterkunft gewährt.
Als sich ihr Neffe in Amerika verheiratete, gratuliert Teresa ihm dazu und schreibt ihm über seine erwähnte Tochter: „Ich bin gewiss tief traurig über die Beleidigung, die Gott zugefügt wurde, aber wenn ich bedenke, wie sehr das Mädchen Ihnen ähnelt, muss ich es willkommen heißen und innig lieben… Möge Gott aus ihr seine treue Dienerin machen! Schließlich kann sie ja nichts dafür.“8
Indem sie dieses uneheliche Kind aufnimmt, überschreitet Teresa die gesellschaftlichen Vorurteile, die gegenüber den „conversos“ herrschten. Das waren Juden, die zum Christentum übergetreten waren, um nicht ins Exil gehen zu müssen. Aufgrund des Gesetzes zur Wahrung der „Reinheit des Blutes“ konnten diese Menschen kaum in ein Kloster eintreten. Bereits die Tatsache, dass jemand jüdische Vorfahren hatte, war ein Hindernis. Auch Teresas Großvater war ein solcher „converso“. Teresa musste daher ihre Herkunft stets geheim halten. Die ersten vier Frauen, mit denen sie in ihrem reformierten Kloster in Avila lebte, waren allesamt „conversas“, was sich an ihren Namen zeigt. Das war ungeheuer kühn! Aber Teresa sieht den Menschen. Jede standesmäßige Denkweise, die doch nur durch Ehrgeiz geleitet wird, lehnt sie ab. In ihren Klöstern spielt das keine Rolle. Diese Haltung motiviert sie auch, nach der Reform ihren Nachnamen abzulegen (sie nahm den Namen ihrer Mutter an) und ihn durch das Geheimnis des Glaubens zu ersetzen: aus Teresa de Ahumada wird Teresa von Jesus. So unterschreibt sie ihre Briefe.
„Ich weiß nicht, wie es möglich ist, dass sich um diesen heiligen Mann niemand kümmert.“
In dem männlichen Zweig des Ordens wurde Vater Juan de la Cruz (Johannes vom Kreuz) zum Symbol der teresianischen Reform. Deshalb wurde er mit besonderer Härte verfolgt und schließlich im Dezember 1577 von den Mitbrüdern des ursprünglichen Ordens inhaftiert. Die Bedingungen seiner Haft im Kloster in Toledo waren so entsetzlich, dass er dem erlegen wäre, wenn er sich nicht mit einem riskanten Fluchtversuch selbst befreit hätte. Teresa leidet sehr unter der Inhaftierung ihres Mitstreiters. Sie empfindet Mitgefühl und leidet mit ihm. Bereits kurz nach seiner Inhaftierung setzt sie sich bei dem König persönlich für ihn ein – als einzige und erfolglos. Im April 1578 wendet sie sich an Pater Gracián und bittet ihn um Hilfe für Vater Juan; sie schreibt: „Pater Mariano, der häufiger Gelegenheit hat, mit dem König zu sprechen, könnte ihn über seine Situation informieren, ihn um Gnade bitten und ihm schildern, wie lange der kleine Heilige, Vater Johannes vom Kreuz, schon im Gefängnis leidet.“9 Aber auch dieser Hilferuf verhallt, ohne dass etwas geschieht. Deshalb bittet Teresa im August erneut Pater Gracián: „Ich bin für meine Person fest davon überzeugt, dass der Nuntius, wenn sich bei ihm eine angesehene Person für Vater Juan einsetzt, sofort Maßnahmen ergreifen würde, um ihn freizulassen und ihn in eines unserer Klöster zu schicken. Es würde genügen, ihm nur zu sagen, er solle sich über die Tugenden dieses Vaters informieren und ihm zu zeigen, wie unrechtmäßig er eingesperrt wurde. Ich weiß nicht, wie es möglich ist, dass sich um diesen heiligen Mann niemand kümmert. Die Fürstin von Eboli würde sich vielleicht für ihn einsetzen, wenn Pater Mariano sie darum bitten würde.“10 – Von Jans Flucht aus dem klösterlichen Gefängnis, vier Tage zuvor, weiß sie noch nichts.
Nach seiner Befreiung ist für Teresa die Sache damit nicht einfach beendet. Sie empfindet immer noch großen Schmerz über das, was geschehen ist, und scheut sich nicht, Pater Gracián zu schreiben: „Ich versichere Ihnen, dass ich ständig vor Augen habe, wie mit Vater Johannes vom Kreuz umgegangen wurde. Ich verstehe nicht, wie Gott so etwas zulassen kann.“11 Einige Zeilen weiter lesen wir in demselben Brief: „Tatsächlich beneide ich diesen heiligen Mann sehr. Gepriesen sei unser Herr, der ihn fähig befunden hat, ein so großes Martyrium zu ertragen.“12 In ihrem Engagement für ihren Bruder Johannes vom Kreuz zeigt sich erneut Teresas Größe. Die anderen konzentrieren sich darauf, sich selbst zu schützen, obwohl sie in einer respekteinflößenden Position sind und „bessere Beziehungen“ haben. Sie setzt sich (für Juan) ein als Mensch, als Frau, weil es ihr um den anderen in seinem Leiden geht. In solchen Situationen zeigt sich, wie weit jemand tatsächlich von der Gefangenschaft des eigenen Ichs zu der Offenheit gegenüber dem anderen übergegangen ist, auch auf Kosten seiner selbst.
Übernommen aus der Zeitschrift Karmelimpulse, Jahrgang 10, 2001/3, S. 5–9.
Aus dem Deutschen übersetzt von Schwester M. Petra von der Auferstehung, O.C.D.