Lebendiges Wort Gottes: 1 Könige 18,25–30a
„Elia forderte die Propheten Baals auf: ‚Wählt euch einen Büffel und bereitet ihn zuerst zu, denn ihr seid viele. Ruft dann den Namen eurer Götter, aber zündet kein Feuer an!‘ Sie nahmen also den Büffel, den er ihnen gab, bereiteten ihn und riefen von Morgen bis Mittag den Namen Baals: ‚Baale, antworte uns!‘ Aber niemand antwortete, niemand hörte zu. Und sie hüpften um den gemachten Altar.“
Als es Mittag wurde, verspottete sie Elia: ‚Ruft lauter, denn er ist ein Gott! Vielleicht ist er in Gedanken versunken oder hat einen Notfall oder ist unterwegs. Vielleicht schläft er und muss geweckt werden!‘ Sie riefen immer lauter und schnitt sich nach ihrem Brauch mit Schwertern und Lanschen, sodass Blut floss. Es war schon Mittag vergangen und sie schrien bis zur Zeit des Opferdarbringens. Aber niemand antwortete, niemand hörte zu, niemand schenkte dem Beachtung.“ (18,25–29)
Jetzt scheinen die Propheten Baals verlassen zu sein. Sie sind allein, da sie keinen Kontakt zu ihrem Gott finden. Sie haben das Opfer vorbereitet, alles nach ihrem Brauch geregelt, aber es geschieht nichts. Sie bemühen sich immer mehr, Elia selbst spornt sie zu größerem Einsatz an, damit sie ihr Scheitern ihrem Gott nicht anlasten können. Stundenlang bemühte sie sich und setzten alle Mittel ein, die sie kannten, um ihren Gott aus seinem Schweigen zu ziehen. Elia verspottet sie, das spornt sie noch mehr an. Immer enger gruppieren sie sich in einer Gemeinschaft, die sich gemeinsam anstrengt, aber alles ist vergeblich. Zwischen ihnen und ihrem Gott zeigt sich nicht der kleinste Zusammenhang; dieser Gott ist nicht anwesend, kümmert sich nicht um sie, hört kein Gebet. Und das nicht nur für einen Moment, sondern dauerhaft. Die Stunde des Abendopfers kommt und es geschieht immer noch nichts.
Wenn derjenige, der an den wahren Gott glaubt, betet, weiß er, dass er immer auf irgendeine Weise erhört wird. Auf dem Karmel wird dieses Gesetz sehr deutlich gezeigt. Hier hat (der wahre) Gott nur eine Möglichkeit zu antworten, und diese (von Baal) kommt nicht. Schließlich hat Gott selbst durch seinen Propheten diese Prüfung anordnen lassen.
Wer zu einem falschen Gott betet, ist verlassen. Er ist in der Einsamkeit der Sünder, die von dem, was Gott widerspricht, Erlösung erhoffen, in der Einsamkeit der Lügner, die von einem Trugbild mit Hoffnung die Wahrheit erwarten. Baal ist aus Sünde und Lüge auferstanden und dieses Werk der Sünde bleibt ohne Wirkung. Selbst die Ohnmacht der Götzen könnte den Gläubigen von der Wahrheit überzeugen, wenn er es nötig hätte. Darüber hinaus zeigt es, dass der Mensch selbst nichts bewirken kann, wenn ihm Gott nicht hilft. Die Propheten Baals stehen mit all ihren Anstrengungen vor der Nichtigkeit.
„Da sagte Elia zu dem ganzen Volk: ‚Nähet euch zu mir!‘ Und das ganze Volk trat zu ihm heran.“ (18,30a)
Als Elia dem Volk die Trockenheit vorhersagte (1 Könige 17,1), offenbarte sich die Wahrheit seiner Vorhersage nur allmählich. Ihm selbst war es sofort klar, während das Volk erst schrittweise verstand, dass er die Wahrheit ausgesprochen hatte. Und diese Wahrheit war für das Volk nur eine unter vielen; derjenige, der dafür bürgte, der wahre Gott, blieb in seiner Einzigartigkeit verborgen. Doch jetzt tritt Elia vor das Volk mit der ganzen Größe seines Gebotes, mit der Macht, die aus seinem Befehl immer hervorging, aber jetzt soll sie eindeutig offenbar werden. Mit dieser Macht befiehlt er dem Volk, dass es vortritt. Und sie gehorchen. Es ist nicht mehr der Elia, der zu der alleinstehenden Frau kommt und in ihr Schicksal eingreift (1 Könige 17,8nn), noch ist es der Elia, der im Verborgenen am Bach ein vollkommen kontemplatives Leben führt und durch Raben versorgt wird (1 Könige 17,2nn), jetzt ist er ein Mann der Tat, der die Öffentlichkeit benötigt. Er tritt mit ruhiger Zuversicht auf und verhält sich vor dieser Öffentlichkeit wie jemand, den Gott ausgezeichnet hat. In seinen eigenen Augen verschwindet er in seinem Gebot, für die Augen des Volkes muss er Gott vertreten, damit das Volk die Macht Gottes in ihm sieht. Das Volk spürt die Macht, die in Elia gegenwärtig ist, und beugt sich vor ihr wie vor etwas Ungehörigem. Sie versammeln sich um ihn.
Entnommen aus dem Buch: Elia
Autor: Adrienne von Speyr
Verlag: KNA