Heiliger Geist und das Gebet (Teil 5)

P. Redemptus Maria Valabek O.Carm., Rom

(5. Teil – Vervollständigung. Diese letzte Teilstudie von P. Redemptus, die noch recht umfassend ist, präsentieren wir Ihnen nur in einer kurzen Auswahl von Auszügen.)

Gebet und der Heilige Geist heute

Um authentisch zu sein, muss das Gebet vom durch Christus gesandten Parakleten beeinflusst werden. Um auf dem Weg des Gebets voranzukommen, ist es wesentlich, dass der Heilige Geist es immer tiefer beeinflusst.

„Das Gebet ist ein Bedürfnis der Liebe, nicht ein psychisches Bedürfnis. Wir haben uns daran gewöhnt, den Menschen zu sagen, dass sie ohne Gebet nicht leben können, während sie in Wirklichkeit ohne Gebet ganz gut zurechtkommen und viele das Bedürfnis zu beten einfach nicht empfinden. Dennoch muss das Bedürfnis nach Gebet in die übernatürliche Ebene eingeordnet werden. Wir können Gott den Vater nicht nennen, außer im Heiligen Geist ... Entweder treten wir vor Gott als seine geliebten Kinder auf, und dann verspüren wir das Bedürfnis, zu ihm aufzuschauen, ihn zu lieben und ihm diese Liebe zu bekennen, oder wir entscheiden uns, uns mit der Einhaltung der Gebote zufrieden zu geben. In diesem Fall beschränken wir uns darauf, Diener zu sein, wir sind nicht mehr in der Fülle seine Söhne. Doch Gott will für uns etwas Größeres: ‚Ich nenne euch nicht mehr Diener, sondern Freunde‘ (vgl. Johannes 15,15).“1

Die Liebe, die den göttlichen Boden des Gebets bildet, wird in die Herzen der Christen durch den Geist gegossen. Es ist vor allem der Heilige Geist, der es dem Menschen ermöglicht, den Geist der Dienstbarkeit zu verlassen und den Geist der Sohnschaft anzunehmen. (...) Gebet ist möglich, wenn wir überzeugt sind, dass wir geliebt werden, und zwar nicht nur in der Art menschlicher Liebe (in der immer eine Prise der Selbstsuche und des eigenen Vergnügens enthalten ist), sondern in der göttlichen Liebe, die tatsächlich altruistisch ist. „... liebt, auch wenn er nicht geliebt wird, grüßt, auch wenn niemand ihn grüßt – hier entsteht etwas Neues, die verfluchten Kreise von Hass und Egoismus werden durchbrochen. So ein Mensch schöpft aus dem Geist des Schöpfers. So ist die elterliche Liebe. Das ist wahre Liebe, ähnlich der Liebe Gottes. Eltern sind ihren Kindern nicht hingegeben, weil sie gut oder dankbar sind, sondern weil sie sich wünschen, dass ihre Kinder so werden. Niemals mutlos, verlieren sie die Hoffnung nicht. ‚Ich werde ihn so sehr lieben, ich werde ihm so oft vergeben ..., ich werde für ihn leiden und mit ihm so lange leiden, bis er schließlich kapituliert und mit meiner Liebe gewonnen wird.‘“2

Dies ist der Geist, den der Schöpfergeist in die menschlichen Herzen zu wecken versucht. Wenn das Gebet authentisch ist, führt es zu folgender Überzeugung: Pfingsten hat auf Erden eine neue Realität geschaffen, es hat eine neue Menschheit geschaffen, erfüllt vom Geist der Sohnschaft – Söhne des Vaters, die deshalb Brüder zueinander sind. (...)

Demut ist die grundlegende Haltung in der Atmosphäre familiärer Liebe. Die Mitglieder einer Familie kennen sich so gut, dass sie es nicht ertragen können, sich gegenseitig Masken vorzutäuschen. Die Gabe des Heiligen Geistes, die die Gabe der Frömmigkeit mit sich bringt, erlaubt es dem Menschen, sich an der Gegenwart Gottes ohne Vorwand zu erfreuen, demütig seine Begrenzungen, Unvollkommenheiten und Sünden zu bekennen, aber auch überzeugt zu sein, dass das väterliche Herz Gottes ein Festmahl bereiten wird, sobald der verlorene Sohn zu sich kommt und ins väterliche Haus zurückkehrt. Keine Mutlosigkeit, kein Mangel an Erfolg oder Trockenheit wird über den Kindern Gottes siegen können, denn sie werden durch die Liebe des Vaters (und nicht umgekehrt) zu Liebenswerten gemacht.

Der Vater empfängt seinen Sohn in guten wie in schlechten Zeiten und sein barmherziges und zärtliches Herz lässt die neunundneunzig Schafe zurück, um eines verlorenen zu suchen. Daher ist es, wenn uns der Heilige Geist das Gebet lehrt, sein vorrangiges Anliegen, in uns grenzenloses Vertrauen gegenüber dem Vater zu wecken, dessen Barmherzigkeit ewig währt (im Gegensatz zur Barmherzigkeit des Menschen). Der Heilige Geist versucht, unser Herz beim Gebet davon zu überzeugen, dass es keine tiefere oder befriedigendere Intimität gibt als die Beziehung zum Vater, nur wenn wir ihm erlauben, uns zu lieben. Wenn der Mensch nämlich nur von seiner menschlichen Erfahrung ausgeht, hat er Angst, sich lieben zu lassen, um nicht zum Vorteil des Partners ausgenutzt zu werden. Der Heilige Geist versucht, den Menschen davon zu überzeugen, dass die Liebe Gottes ganz anders ist: Gott gewinnt nichts aus der Liebe zu den Menschen, der Mensch hingegen gewinnt alles. Der Heilige Geist zeigt im Gebet dem Menschen die Wahrheit, die ihn übersteigt, nämlich dass es eine Liebe gibt, die sich selbst nicht sucht: die väterliche Liebe Gottes. Durch die Gabe der Frömmigkeit bereitet der Heilige Geist das Herz des Menschen vor, um an dieser Wahrheit festzuhalten und sein ganzes Leben dafür zu investieren, alles, was er hat, dafür aufs Spiel zu setzen. Und die Weite des geistlichen Lebens, das auf diesem Glauben beruht, ist eine der reichsten Erfahrungen, die dem Menschen angeboten werden.

Übernommen mit Genehmigung des Autors aus der Zeitschrift Carmelus (Jahrgang 22, 1975, S. 213–222).
Ausgewählt und übersetzt von Kateřina Lachmanová.

 


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