P. Redemptus Maria Valabek O.Carm., Rom
(1. Teil)
Die Rolle des Heiligen Geistes im Leben des Gebets wurde in den christlichen Schriften gewöhnlich in den Hintergrund gedrängt, ebenso wie andere Aspekte des Wirkens des Geistes im authentischen christlichen Leben. Obwohl die Autoren geistlicher Literatur der zu offensichtlichen Aussage des hl. Paulus nur flüchtige Aufmerksamkeit schenkten: „Denn wir wissen nicht, worum wir beten sollen. Aber der Geist selbst tritt für uns ein mit unaussprechlichem Seufzen“ (Röm 8,26), wurde die lebensspendende Beziehung zwischen dem Heiligen Geist und dem Gebet erst später betont. Dies ist hauptsächlich das Verdienst biblischer Studien sowie des wiederbelebten Interesses an der patristischen Gedankenwelt. Die moderne charismatische Bewegung hat die Rolle des Heiligen Geistes betont, insbesondere durch regelmäßige Gebetstreffen, die auf die „Taufe im Heiligen Geist“ hinführen, die als „entscheidendes Erlebnis beschrieben wird, durch das der Heilige Geist die menschliche Person ergreift; ein Ereignis, das den Menschen mit Kraft erfüllt, sein Leben verwandelt und ihm eine neue Wahrnehmung der gesamten Realität des christlichen Geheimnisses gibt“.1 Der Mangel an Aufmerksamkeit für dieses grundlegende Element kann nur durch die weit verbreitete pneumatologische Armut der westlichen katholischen Theologie erklärt werden.
Der Geist und das Gebet in der Heiligen Schrift
In den synoptischen Evangelien
Einen klaren, wenn auch fragmentarischen und ungeordneten Blick auf diese Frage findet man in der Schrift. Aufgrund der Vielfalt des Heiligen Geistes und der Dichte der Realität des Gebets ist es notwendig, das Wirken des Heiligen Geistes aus einem etwas breiteren Blickwinkel zu studieren.
Das Evangelium des hl. Markus erwähnt den Heiligen Geist nur selten.2 Dieses Evangelium überrascht damit, dass es keine Lehre über das Gebet vermittelt, welches ein unerlässliches Element der von Christus gegebenen Spiritualität ist.3 Markus, bekannt dafür, dass er in seinem thematischen Material eine gewisse Auswahl trifft, strebte hauptsächlich danach, seine Leser mit Jesus zu konfrontieren, ihnen Jesus zu zeigen – ohne viele Verweise auf seine Lehre, auf die Spiritualität, die er hinterlassen hat. Markus Ziel ist es, die lebendige und beunruhigende Persönlichkeit darzustellen, die spricht, wie kein anderer Lehrer sprach, und auf besondere Weise handelt. Er möchte damit die Aufmerksamkeit des Lesers auf den Einzigen lenken, dem man sich persönlich völlig anvertrauen sollte.
Der hl. Matthäus bemüht sich, neue und anregende Perspektiven des hl. Markus, des Schülers des hl. Petrus, zu präzisieren und bringt tatsächlich das Zeugnis einer tiefergehenden Wertschätzung des Wirkens des Heiligen Geistes. Der Geist erscheint hier nicht als göttliche Person oder Macht an sich, sondern stets in Beziehung zu Christus; der hl. Matthäus sieht den Heiligen Geist niemals als Geschenk, das für die Jünger bestimmt ist. Der Evangelist versucht, das Geheimnis der Person Christi zu ergründen: die Kraft seiner Worte, die Wirkung seines Wirkens, die geheimnisvolle Anziehungskraft, die diese ganze Person umgibt. Die Antwort lautet: Es ist etwas Übermenschliches in Jesus; in Jesus war mehr als diese menschliche Gegenwart. Um dieses göttliche Geheimnis, das in Jesus gleichzeitig verborgen und offenbar ist, auszudrücken, führt Matthäus seine Lehre über den Heiligen Geist ein. Jesus ist geheimnisvoll, weil er im Schoß der Maria vom Heiligen Geist empfangen wurde (Mt 1,18.20); sein Dienst ist ein Geheimnis, da er nicht mit Wasser, sondern mit dem Heiligen Geist getauft wurde (vgl. Mt 3,16; 3,11). Jesu Lehre ist voller Kraft und Leben und trifft die menschlichen Herzen, weil, wenn er spricht, der Heilige Geist auf ihn herabkommt: in der Wüste (Mt 4,1), als Erfüllung der prophetischen Worte (Mt 12,17–21). Und die Wunder, die er vollbringt, übertreffen bei weitem die derer, die im Alten Testament Wunder taten, weil er mit der Kraft des Geistes wirkt (Mt 12,28.31–32). Diese heiligende und rettende Kraft wird dann allen Menschen durch die Taufe angeboten, die die Apostel im Namen der drei Personen der Trinität zu spenden beauftragt sind (Mt 28,19). Um also das Göttliche in Jesus auszudrücken, verweist der hl. Matthäus auf das Werk des Heiligen Geistes.
Der hl. Lukas verfolgt den Gedankengang des hl. Matthäus weiter und bringt sogar eine noch größere Anzahl von Verweisen auf den Heiligen Geist.5 Er folgt seiner eigenen besonderen Sichtweise: Die Beziehung Christi zum Heiligen Geist wird nicht mehr als etwas angesehen, das an die Person Christi gebunden ist, sondern aus einer spirituellen und soteriologischen Perspektive betrachtet – die darauf achtet, dass der Heilige Geist auch den Jüngern geschenkt wird. Lukas‘ Blick richtet sich auf die Themen, die bereits der hl. Markus und der hl. Matthäus behandelt haben. Der hl. Lukas, Schüler des hl. Paulus, der die etwas spätere Gedankenswelt der Christen spiegelt, ist tief in das Nachdenken darüber eingetaucht, was mit der Persönlichkeit des Menschen geschieht, der Christus begegnet und ihn annimmt. Lukas erkennt, dass das Geheimnis Jesu weitergegeben wird und im Jünger fortgeführt wird, und dass in diesem Weitergeben dem Jünger auch das Charakteristische des Göttlichen in Christus übermittelt wird: der Heilige Geist. Lukas versteht, dass, wenn der Jünger Anteil an Jesu Geheimnis erhält, der Heilige Geist in sein Herz ausgegossen wird. So sind für Lukas das Pfingstereignis und sein Bericht über das Leben Christi im Evangelium mit dem Bericht über das Leben der entstehenden Kirche – in den Aposteln – verbunden. Die dynamische Präsenz Christi, die daran arbeitet, Menschen zu befreien und zu retten, setzt sich nun in den Herzen der Menschen – durch die Kraft des Heiligen Geistes – fort. Es ist ein treuer Abglanz des Antlitzes Jesus im Antlitz der frühen Kirche.
Der heilige Lukas erkennt intuitiv, dass bereits die Propheten den Geist als charakteristisches Zeichen des zukünftigen Messias angekündigt haben (vgl. Jes 11,2), als ein gewisses Zeichen der messianischen Zeiten, das für alle Menschen bestimmt ist (vgl. Jes 32,16; Ezech 36,27; 35,29; Joel 3,1–5). Die Aufgabe des Heiligen Geistes versteht Lukas als die, die Menschen in eine neue Schöpfung zu verwandeln, die ihrem späteren endgültigen Ansiedeln in der (neuen) Welt Gottes vorausgeht. Jesus selbst ist in seinem verherrlichten, auferstandenen Körper in den Himmel aufgefahren und sitzt zur Rechten seines Vaters. Das Geschenk des Geistes vereint die Christen mit ihrem verherrlichten Herrn und Retter und gewährt ihnen Anteil an der messianischen Freude, die für den Blick des hl. Lukas so charakteristisch ist. Der Geist ermöglicht es den Christen, in göttlichem Leben umgestaltet zu werden; geheimnisvoll sind sie bereits jetzt auf Erden die wahren Bürger des himmlischen Heims der endgültigen Rettung. Ihr neues Leben, ebenso wie das Leben Christi, hat seinen Ursprung im Heiligen Geist. So wie Christus, werden auch sie durch den Heiligen Geist als Angehörige dieses neuen Volkes geheiligt. Der Geist treibt sie an, und ihre Taten und Worte verraten den himmlischen Ursprung, wenn sie sich entscheiden, sich der Herrschaft des Geistes zu unterwerfen. Wie auch Christus sind die Christen, durch den Geist erfüllt, in der Lage, mächtige Taten zu vollbringen, die die Herrschaft des Bösen überwinden würden. All dies können sie tun, weil auch sie mit dem verwandelnden Geist erfüllt sind und in derselben göttlichen Realität leben, die sich so mächtig in Christus Jesus manifestierte. So viel zur Charakteristik der Schriften des hl. Lukas bezüglich des Ausdrucks ‚Geist‘.
Das Leben „in der Atmosphäre Gottes“ hat für den hl. Lukas verschiedene Formen, aber keine ist so unerlässlich wie das Gebet. In diesem Zusammenhang: Während Matthäus vom Vater im Himmel spricht, der „denen, die ihn bitten, Gutes gibt!“ (Mt 7,11), verlagert Lukas‘ Blick den Schwerpunkt: Er bringt denselben Ausspruch des Jesus mit einem Abschluss, der sich jedoch überraschend vom Abschluss des Matthäus unterscheidet: „Wie viel mehr wird euer Vater im Himmel den Heiligen Geist geben, die ihn bitten!“ (Lk 11,13). Matthäus sieht das Gebet als den Wunsch nach eschatologischen Gaben; Lukas hingegen hat die Tendenz, das Gebet als den Wunsch nach dem Heiligen Geist zu sehen. Auch Lukas erkennt die eschatologische Dimension und betrachtet den Heiligen Geist als eschatologisches Geschenk par excellence. Er versäumt jedoch niemals, sich bewusst zu sein, dass die eschatologische Dimension hier und jetzt in der Gestalt des Heiligen Geistes gegenwärtig ist. Der Gläubige empfängt den Heiligen Geist und ist so in die guten messianischen Zeiten eingetaucht, die endgültig gegeben werden, wenn das Reich Gottes in seiner Fülle etabliert wird. Das Gebet ist der privilegierte Moment im Rahmen dessen, wie sich (bereits) jetzt dieses zukünftige Reich verwirklicht, bevor es in all seiner glorreichen Fülle kommt.6
Im Gebet wird der Jünger Jesu durch den Heiligen Geist in die göttliche Welt der Erlösung getaucht, um die er bittet, die er jedoch auch bereits genießt. Und das in dem Maße, dass im entscheidenden Moment der Wahrheit, wenn der Jünger über diese göttliche Welt vor den Mächtigen dieser Welt Zeugnis ablegen muss, er dies in der Kraft des Geistes tun kann: „Wenn sie euch vor die Synagogen bringen und zu den Behörden und Mächtigen, macht euch keine Gedanken darüber, wie und womit ihr euch verteidigen oder was ihr sagen sollt. Denn der Heilige Geist wird euch in dieser Stunde zeigen, was ihr sagen sollt“ (Lk 12,11–12; vgl. auch Mk 13,11; Mt 10,20). Im gesamten Evangelium bleibt es die Aufgabe des Jüngers, dieses Doppel: Der Heilige Geist macht den Gläubigen zum Empfänger der Rettung (betet) und zum Verbreiter der Rettung (Apostolat, Zeugnis).
Bei der Schilderung von Jesu Kindheit stellt der hl. Lukas eine Reihe von Personen dar, die demütig, sanftmütig und (der Welt) unbekannt sind. In diesen Personen – Elisabeth, Zacharias, Simeon, Anna und insbesondere Maria – sieht Lukas Muster, die für das Nachfolgen Christi bedeutsam sind: Sie erwarten Christus voller Hingabe und „fromm“7. Was diese „gebetsvollen“ Personen auszeichnet, ist die Gegenwart des Geistes in ihnen. Bereits der hl. Johannes der Täufer, der große Verkünder des eschatologischen Reiches, „wird schon von seinem Mutterleib an vom Heiligen Geist erfüllt sein“ (Lk 1,15). Der Mutter Gottes wird die Bestätigung gegeben: „Der Heilige Geist wird über dich kommen“ (Lk 1,35). Als Elisabeth eilig zur Begrüßung der Mutter ihres Herrn eilte, „wurde sie vom Heiligen Geist erfüllt“ (Lk 1,41). Ihr Ehemann Zacharias wurde schließlich von der bevorstehenden Ankunft des Reiches überzeugt; seine Zunge wurde gelöst und er „wurde vom Heiligen Geist erfüllt“ (Lk 1,67), als er sein prophetisches Lobgesang anstimmte. Simeon, das klassisch schöne Bild dessen, der trotz seines hohen Alters – gegen aller Erwartung – hofft, dass der Herr seinen Versprechen treu bleibt, könnte nicht eindrucksvoller beschrieben werden: „Und siehe, es lebte in Jerusalem ein Mensch, dessen Name war Simeon: Er war ein gerechter und gottesfürchtiger Mensch, der die Tröstung Israels erwartete, und der Heilige Geist war in ihm. Und es wurde ihm vom Heiligen Geist offenbart, dass er den Tod nicht sehen würde, bevor er den Gesalbten des Herrn sähe. Durch die Eingebung des Geistes kam er in den Tempel, als die Eltern das Kind Jesus hereinbrachten, um mit ihm nach dem Brauch des Gesetzes zu handeln“ (Lk 2,25–27).
Dieser Blick durchzieht das gesamte Werk. Das „Geschenk des Heiligen Geistes“ wurde gegeben, um die zu unterscheiden, die an Jesus geglaubt haben: die Zuhörer von Petrus‘ Rede an Pfingsten (Apg 2,38), Saul (9,17), Kornelius (10,44) und sein Haus, in der Gemeinde in Antiochien (13,52), in Ephesus (19,2–6). So wird der Jünger in den Bereich Gottes eingebettet, ihm wird Anteil an dem einzigartigen Zeugnis und Leben Christi gegeben. Aus der Apostelgeschichte wird klar, dass das Gebet einer der privilegierten Ausdrücke dieser Stellung ist. Nach der Himmelfahrt beteten die Jünger „alle einmütig und beständig zusammen mit … Maria, der Mutter Jesu … als der Tag Pfingsten kam … wurden sie alle mit dem Heiligen Geist erfüllt“ (Apg 1,14; 2,1.4). „Nachdem sie gebetet hatten … wurden sie alle mit dem Heiligen Geist erfüllt und redeten mit Freimut das Wort Gottes“ (Apg 4,31). Gebet bringt den Gläubigen nicht nur in den göttlichen Bereich; es bereitet ihn auch auf den Empfang einer tieferen Empfänglichkeit und Teilhabe am Geist vor, die das Werk des Apostolats ermöglicht.
Lukas bezeichnet Christus als mit dem Geist erfüllt, als Jesus das äußerte, was wahrscheinlich das beste Beispiel des jüdischen berakoth (Danksagung und Bekennen der bewundernswerten Taten, die Gott für sein Volk vollbracht hat) ist. Dies war das jüdische Gebet in seiner gewöhnlichsten, spontansten und herzlichsten Form. „Zu dieser Zeit erfreute sich Jesus im Heiligen Geist und sprach: ‚Ich preise dich, Vater, Herr des Himmels und der Erde, weil du diese Dinge den Weisen und Klugen verborgen hast, aber den Kleinen offenbarst‘“ (Lk 10,21). Freude ist die Seele jeder beracha, jedes Bekennens (Proklamierens) der Güte Gottes für sein Volk. Diese Freude ist das Resultat eines neuen, tieferen Zugangs, der alles annimmt, weil er aus der Erkenntnis Gottes entspringt, der uns kennt und uns zuerst liebt. Jesu Freude ist einzigartig, weil Jesus „nicht nur weiß, dass Gott ihn kennt, sondern dass er in gewissem Sinne das einzigartige Objekt dieser Erkenntnis von Gott ist“.8
Jesus spricht Dank für die Wunderwerke Gottes und bekennt sie. Dies ist es, was der Geist in den Tiefen von Jesu Wesen diese ständige „Eucharistie“ (Danksagung) und deren spontane Mitteilung an andere hervorruft. Diese sind die unbedeutenden Menschen, die in ihrer Armut und Demut nichts haben als den Glauben, der sich bedingungslos diesem Geist unterwirft. So ist Jesus die vollkommene Eucharistie, das vollkommene Gebet des dankbaren Erkennens der bewundernswerten Taten Gottes, die im Leben und Wirken Christi selbst vollendet und erfüllt wurden.
Der Schwerpunkt, den der hl. Lukas und der hl. Matthäus auf den Geist legen, der Christus erfüllte, hatte keine Lehre, die keinen Grund im Alten Testament hatte. Hier wird auf die Bedeutung verwiesen, die den Juden dem Herrn ruah, seinem Geist oder Atem des Lebens, zuschrieben.9 Der Geist des Herrn ist nichts weniger als der Atem des Lebens, der den Herrn vollständig von anderen Göttern unterscheidet, deren Existenz selbst mit dem Kreislauf von Leben und Tod in der Natur verbunden war. Ruah drückt die Macht des Herrn aus: Solange dem Menschen dieser Geist nicht zuteil wurde, blieben die großen rettenden Taten des Herrn unerfüllt. Der Mensch war Fleisch, basar, was Ohnmacht und Geschöpflichkeit bedeutet; er war von allen Seiten eingeengt, von Kräften, die weit größer waren als er selbst, er konnte nur durch die Kraft Gottes vor dem Untergang bewahrt werden. „Der Geist des Herrn, ebenso wie sein Wort und seine Weisheit, bietet dem hebräischen Theologen die Mittel, um die Initiative Gottes bei Schöpfung, vorausschauender Leitung und der Erlösung der Welt – sowohl des Ganzen als auch Israels im Besonderen – zu beschreiben. Dieser Geist ist auch eine ehrfurchtsvolle Art, die Anwesenheit des Herrn auszudrücken, insbesondere in den Psalmen (Ps 51,11; 139,7).“10 Dieser Blick entwickelt sich aus (dem ursprünglichen Bild) des Windes, des Atems, der das Zeichen des Lebens ist und eventuell das Prinzip des Lebens selbst, der ein Geschenk Gottes ist: „Herr, auf dich hofft mein Herz; sodass mein Geist lebendig werde“ (Jes 38,16; im engl. Übersetzung wörtlich: „dein ist das Leben meines Geistes“).
Im Laufe der Zeit und mit ständigen historischen Schwankungen (zum Schlechten und zum Guten) erlangte Israel die Überzeugung in einer Sache: Der Geist des Herrn leitete die Schicksale Israels. Der Geist war eng mit dem Prophetentum verbunden (vgl. Num 11,25), was oft überraschende und geheimnisvolle Wendungen mit sich brachte, die völlig außerhalb des rein menschlichen Verständnisses lagen. Als unbefugte Personen zu prophezeien begannen und Mose gebeten wurde, ihnen dies zu verbieten, spiegelt sich in seiner Antwort seine Weisheit wider: „Hätte doch das ganze Volk des Herrn Propheten! Hätte doch der Herr ihnen seinen Geist gegeben!“ (Num 11,29). Das Prophetentum beinhaltete als wesentliches Element das Bekennen der bewundernswerten Taten des Herrn, die zum Wohl des Volkes verrichtet wurden – fromme Betrachtungen über die treue, liebende Güte des Herrn, die so anders ist als das zögerliche oder甚至 aufständische Handeln des Menschen. „Die Helden der Zeit der Richter vollbringen die bewunderten, rettenden Taten nicht durch ihre eigenen Fähigkeiten: sie werden durch den Geist völlig außerhalb der Erwartungen des Retters Israels umgestaltet.“11 Unter den Propheten wurde insbesondere Ezechiel häufig als der Prophet erwähnt, den der Geist erhob, trug (Ezech 2,2; 3,12, 14; 8,3; 11,1): Er wurde durch den Geist des Herrn gestärkt und war in der Lage, dem bedrückten Volk nach Niederlagen und Exil Hoffnung zu bringen.
In den Weisheitsbüchern überträgt der Herr ebenso seinen Geist der personifizierten Weisheit (Spr 1,23).12 Dieser Geist kann mit anderen geteilt werden, da (der Lehre selbst) viele fromme („gebetsvolle“) Überlegungen vorausgingen, in denen die Lehre kristallisierte.
Übernommen aus der revue Carmelus (Jahrgang 22, 1975, S. 194n.)
Übersetzt von Dr. Věra Vodičková