Gebet nach einem schlechten Start

(Bearbeitet von P. Gorazd, O.Carm.)

Der Ausdruck „schlechter, missratener Start“ wird im Sportbereich verwendet, und ich habe ihn mir geliehen, um die Gedanken einzuleiten, die ich Ihnen jetzt präsentieren möchte. Mit dem Fest des Heiligsten Herzens Jesu haben wir das Jahr abgeschlossen, das auf die Weihe der Priester ausgerichtet war, wie es Papst Benedikt XVI. proklamiert hat. Jeder von uns hat dieses Jahr auf seine eigene Weise erlebt. Währenddessen habe ich unter anderem „einfach so“ in einem alten Handbuch für Theologiestudenten und Priester, Manuale Clericorum, geblättert, das vor mehr als hundert Jahren vom Jesuiten P. Josef Schneider herausgegeben wurde.1 Und es hat mich überrascht, dass ich in seinem reichen Inhalt zwischen dem Gebet „für den, der auf den geistlichen Stand drängt“ und dem Gebet „um die Gnade (die notwendig ist) zur Erfüllung der Verpflichtungen des priesterlichen Standes“, die wir in so einem Buch logischerweise erwarten, noch ein anderes Gebet gefunden habe. Es denkt an den Fall, dass jemand vielleicht aus unreifen oder falschen Beweggründen in den priesterlichen Stand eintritt. Ich habe es übersetzt und biete es Ihnen zur Lektüre an.

Aber warum es mich angesprochen hat: Wir können es umfangreicher fassen. Es wurde für Priester verfasst. Damals traten vielleicht einige junge Männer aus dem Wunsch, sich materiell abzusichern, in den priesterlichen Dienst ein, um sozialen Status zu erreichen, um den Wünschen ihrer Eltern zu entsprechen etc. Später erkannten sie ihren falschen Ansatz und wollten aufrichtig „nachholen“, was nachgeholt werden kann. Und dazu ist dieses Gebet da.
Doch ein ähnliches Missgeschick kann auch beim Eintritt in die Ehe oder bei anderen wichtigen Entscheidungen in unserem Leben geschehen.

Oft stellen wir erst im Nachhinein fest, ob und welche Hintergedanken in unserem Herzen gleichzeitig ihren Platz hatten oder welche Impulse oder Warnungen wir abgelehnt haben zu hören. Mit etwas Abstand sehen wir klar, welcher Schatten von Halbwahrheiten und Halbgemachtem über unserer Entscheidung und über den ersten (gewöhnlich so feierlichen) Schritten auf dem eingeschlagenen Weg liegt. Da könnte schnell Mutlosigkeit oder zumindest Bitterkeit über uns kommen. Das untenstehende Gebet zeigt einen anderen Ausweg aus einer solchen Situation: dem barmherzigen Herrn demütig anvertrauen und dringend um seine Hilfe bitten.

Gebet eines Klerikers zur Behebung von Mängeln hinsichtlich der Berufung,
wenn er in seinen Stand nicht ordnungsgemäß eingetreten ist

Herr, Gott,
der du einst die Leviten gewählt hast, um dir in deiner Stiftshütte zu dienen,
und die Familie Aarons, um deine Priester zu sein,
und im Neuen Testament hast du zur heiligen Dienstbestellung
die berufen, die du selbst gewollt hast (Mk 3,13),
nur deinem heiligen Willen obliegt es, die Diener auszuwählen, die du haben willst,
und die zu befähigen, die du auserwählt hast.
Und niemand kann zu deinem Dienst fähig sein ohne deinen Geist,
noch kann er deinen Geist empfangen, wenn du ihn ihm nicht gibst.
Darum empfängt niemand für sich selbst die Würde deines Dienstes,
außer dem, der von dir berufen ist wie Aaron.
Denn auch dein eingeborener Sohn, der Mensch wurde,
hat sich nicht selbst verherrlicht,
indem er Hohepriester wurde,
sondern du, Herr, hast ihn verherrlicht,
der du zu ihm gesagt hast: „Du bist mein Sohn, ich habe dich heute gezeugt“ (Ps 2,7).

So viel weniger kann daher ein sündiger Mensch sich selbst verherrlichen,
und in diesen Stand eintreten,
wenn du ihn nicht rufst!
Und welchen Gefahren setzt er sich aus,
wenn er selbst läuft2 und du ihn nicht sendest?

Ich erkenne es, Herr, und bekenne dir,
dass ich nicht hätte in den geistlichen Stand eintreten sollen
und zu deinem heiligen Dienst anders als in völliger Gehorsamkeit deinem Ruf,
wirklich erfüllt von kirchlichem Geist,
angemessen vorbereitet,
mit dem Anliegen, dir treu zu dienen und dich zu verehren.
Ja, ich weiß es und erkenne an,
und möge ich, wie ich weiß, dass es nicht anders sein sollte,
auch sagen können, dass es nicht anders geschehen ist!
Dann würde ich mit deinem heiligen Diener ausrufen:
„Ich bin unbesorgt, ich folge dir doch – dem Hirten!“
Jetzt jedoch beunruhigt mich die heilige Furcht, dass ich
– auch wenn nicht in allem, was ich erwähnt habe, so doch in etwas –
viele Mängel habe.

Was bleibt mir jetzt anderes,
als mich gedemütigt und demütig zu dem Thron deiner Gnade zu werfen
und mit Tränen zu bitten:
„Gedenke, Herr, nicht an die Sünden meiner Jugend, an meine Vergehen,
tue nach deiner Barmherzigkeit mit mir“ (Ps 25,7),
und wenn ich mich vielleicht nicht
deinem vorangehenden Ruf [jenem Schritt meines Lebens] ganz hingegeben habe,
so gewähre mir gnädig,
dass ich mich jetzt voll und ganz demjenigen unterwerfe, den du mich nachfolgend rufst.
Wenn ich keinen kirchlichen Geist hatte,
als ich in den geistlichen Stand eintrat,
so hauche mir jetzt diesen Geist barmherzig ein, damit er in mir wirkt
und dass ich die Voraussetzungen und Tugenden,
die ich von Anfang an in deinen heiligen Dienst mitbringen sollte,
nun oder später erlangt werde
und dass die Heiligkeit, die nicht voran ging, wenigstens nachfolgt.

Wenn mein Auge nicht rein war
und sich nicht ausschließlich auf die Verherrlichung deines Namens und die Erfüllung deines Willens richtete,
sondern gleichzeitig – und vielleicht vor allem – in irdische Dinge blickte,
so hebt, Herr, meinen Blick und wende ihn, damit er nur auf dich schaut,
damit ich dir dann mit reinem Vorhaben dienen kann
und es mir nicht mehr um irgendeinen Gewinn oder Ehre oder um den Komfort dieses Lebens geht,
sondern nur um deine Ehre und um die Erfüllung deines Willens.

Mache, dass ich, je weniger ich mich bisher bemüht habe, dir zu dienen und deinem Willen zu folgen,
umso eifriger ab jetzt danach strebe
und dass ich doch dorthin gelange, wo ich dir zusammen mit den Engeln,
die dir dienen,
vollkommen für die Ewigkeit dienen werde. Amen.