Der heilige Skapulier der Gottesmutter vom Berge Karmel

Karmel, als Orden der Jungfrau Maria, sah immer im Skapulier ihr Kleid. Dies verstehen wir am besten, wenn wir berücksichtigen, dass die Kleidung immer, insbesondere im Mittelalter, eine doppelte symbolische Bedeutung hatte:

  • Als Zeichen der Zugehörigkeit zu meinem Herrn und Beschützer, dem ich diene, und dessen Schutz ich anvertraue.
  • Symbol des inneren Lebens, der geistlichen Werte und des Ausdrucks derselben Gesinnung mit jemandem. So denkt auch die Schrift, wenn sie den Ausdruck verwenden, sich in Jesus Christus zu kleiden (Röm 13,14).

Dies verstand Karmel im Zusammenhang mit dem Skapulier folgendermaßen:

  • Es ist ein Zeichen der Weihe an die Jungfrau Maria (consecratio Mariae) und zeigt die gegenseitigen Beziehungen zwischen ihr und dem Karmel. Maria gibt dem Karmel ihre Liebe und ihren Schutz, der Karmel dient ihr aus Liebe, flieht zu ihr, zollt ihr Ehre und Respekt. Die Liebe ist wechselseitig und ewig.
  • Es deutet an, dass wir uns in die Jungfrau Maria kleiden und uns mit ihren Tugenden kleiden möchten. In innerem, stets aktuellen, vertrauten Kontakt mit ihr leben und durch sie mit Gott. So verbinden sich alle Elemente der karmelitischen marianischen Verehrung mit dem Skapulier.

Die geistliche Bedeutung des Skapuliers wurde am besten durch die toulousain-Reform des Ordens im 17. Jahrhundert zusammengefasst. Ihre Äußerungen können wir aus dem Buch von P. Matěj von St. Johannes über die wahre Verehrung des Skapuliers zusammenfassen:

Zunächst muss gesagt werden, dass der Karmel durch besondere göttliche Vorsehung zur Verehrung der Jungfrau Maria bestimmt ist. Dafür ist, unter anderem, das Skapulier sehr geeignet, und es wurde auch von der kirchlichen Autorität genehmigt.

  • Es ist signum salutis – DAS ZEICHEN DES HEILS. Gott, im Hinblick auf die menschliche Natur, benutzt äußere Zeichen bei der Gewährung geistlicher Gnaden, wie wir es am besten bei den Sakramenten sehen. Zu den weiteren Zeichen gehört auch das Skapulier, da es unseren Glauben und unsere Frömmigkeit fördert und so zur Heiligung führt.
  • Signum peculiaris servitutis erga Virginem mundi Dominam – DAS ZEICHEN DES BESONDEREN DIENSTES AN DER JUNGFRAU, DER DAME DER WELT. Die Zeremonie der Übergabe des Skapuliers bei der Ordensprofess wird von den Worten begleitet: „Nimm das Joch Christi an, das nicht drückt, und die Last, die nicht belastet“. So soll jeder, der das Skapulier erhält, es auch als ebenso angenehmes Joch und leichte Last Mariens verstehen. Auf sie, unsere Dame, sollen die Augen unseres Geistes gerichtet sein.
  • Signaculum – DAS ZEICHEN, das die heiligste Jungfrau auf das Herz eines jeden legt, der es trägt… Möge der Name Marias so oft im Herzen und am Mund sein, wie (nach Gott) alle unsere Werke zu ihrer Ehre gerichtet sein sollen, und so haben diejenigen, die das Skapulier tragen, ein Zeichen, durch das die Mutter Gottes sie als ihre erkennt.
  • Memoriale sanctissimae Virginis – GEDENKEN DER HEILIGSTEN JUNGFRAU, damit wir unser Herz oft in Sehnsucht zu ihr wenden. Das Skapulier ist eine Erinnerung an die Gegenwart Gottes, ähnlich wie einst die Quasten an den Kleidern der Juden (Nm 15,38–39). Wir können sagen, dass wir darin eine Erinnerung an die beständige moralische Gegenwart Marias für diejenigen sehen, die versuchen, mit Maria durchs Leben zu gehen und in Versuchung ihre Hilfe suchen.
  • Signum foederis et pacti sempiterni – DAS ZEICHEN DES BESTÄNDIGEN BUNDES ZWISCHEN MARIA UND DENEN, DIE ES TRAGEN.
  • Signum confraternitatis eius – DAS ZEICHEN IHRES BRUDERGRUNDS (SISTERNS) und auch das Zeichen, dass derjenige, der es trägt, irgendwie ein Adoptivsohn der heiligen Jungfrau ist. Immerhin ist das Skapulier ein Zeichen des Engagements, sich mit Marias Tugenden zu kleiden (Hl. Bonaventura: „Kleidet euch in Maria, wer sie liebt, und sie möge in euren Sitten glänzen und in euren Taten leuchten“). Vielleicht sind wir nicht weit von der Wahrheit entfernt, wenn wir sagen, dass wir durch dieses Einbringen ihrer Tugenden in unser Leben ihre mütterliche Fürsorge am meisten erfüllen und gleichzeitig erweitern.
  • Was wir bisher gesagt haben, zeigt, wie das Skapulier den Menschen, der es trägt, mit sanften Erinnerungen, aber nicht gewaltsam, zum Nachfolgen der jungfräulichen Mutter zieht – ad obsequium Virginis Matris, was bereits durch die Bänder auf den Schultern angedeutet wird. Als ob Maria sagen würde: Ich werde sie mit menschlichen Fäden, mit Liebesbändern ziehen (Hes 11,4). In der Tat zieht sie uns zur Rettung durch die Gnaden, die wir durch unsere Bereitschaft empfangen, denn die Liebe muss wechselseitig sein.
  • Schließlich ist das Skapulier auch ein Mittel zur schnelleren Befreiung aus dem Fegefeuer, es ist salus in periculis – RETTUNG IN GEFAHREN, vor denen es schützt und hilft, sie zu überwinden. Erfahrungen zeigen, welche einzigartige Waffe es auch direkt gegen den Teufel ist.

[Nach seinem Schriftstück Speculum aus dem Jahr 1680, Devotio Mariana S. 204–206)

Geistliche Gaben
  • Weihe an die Jungfrau Maria, mit dem Versprechen ihrer besonderen Liebe und Schutz, insbesondere in der Stunde des Todes.
  • Anschluss an die karmelitanische Familie, an ihren geistlichen Weg und die daraus resultierende gegenseitige Teilhabe an allen Gebeten und geistlichen Gaben.
  • Die Fürsorge der Jungfrau Maria für die ihr Geweihten auch nach dem Tod (Befreiung aus dem Fegefeuer, insbesondere am Samstag, dem Tag der Jungfrau Maria – so genanntes sabbatinsches Privileg).
Verpflichtungen

Die mit dem Tragen des Skapuliers verbundenen Verpflichtungen sind nicht unter Sünde, da es sich um eine freiwillige Angelegenheit der Liebe handelt.

  • Das geweihte Skapulier anzunehmen.
  • Nach Möglichkeit, also nicht verpflichtend, das Skapulier oder eine Medaille bei sich zu tragen, die auf der Vorderseite das Heiligste Herz Jesu und auf der Rückseite die Jungfrau Maria mit dem Jesuskind hat.
  • Die Hauptverpflichtung ist, „sich in die Jungfrau Maria zu kleiden“, ihr zu folgen und durch sie Jesus Christus und sein inneres Leben in Liebe mit ihr zu verbinden.
  • Um das samstägliche Privileg zu erlangen, wurde früher ein marianisches Offizium oder Fasten von Fleisch am Mittwoch, Freitag und Samstag vorgeschrieben. Heute wird eher der Rosenkranz bevorzugt, um zwei Dinge miteinander zu vereinen, die der Jungfrau Maria lieb sind. In jedem Fall sollten wir uns sehr um die Tugend der Reinheit bemühen.
Vorgaben zum Tragen des Skapuliers
  • Das Skapulier kann durch das Kreuzzeichen geweiht und von jedem Priester angelegt werden.
  • Es kann aus jedem Stoff in brauner Farbe hergestellt werden.
  • Bei der Annahme ist das geweihte Skapulier erforderlich. Weiterhin wird entweder das Skapulier oder eine Medaille getragen, und deren Tragen ist nicht unbedingt notwendig, um die Vorzüge und Ablass zu erwerben. Weitere Skapuliere werden nicht geweiht, aber jede Medaille muss geweiht werden, da das Skapulier nur ersetzt wird.
Kirchliche Ablässe

Diejenigen, die sich durch die Annahme des Skapuliers der Jungfrau Maria geweiht haben, können vollkommene Ablässe unter der Erfüllung der üblichen Bedingungen (Beichte, Eucharistie empfangen und Gebet in der Absicht des Heiligen Vaters) erlangen, wenn sie den Eid ablegen oder zumindest privat erneuern, dass sie die festgelegten Verpflichtungen treu erfüllen:

am Tag der Annahme
am Fest der seligen Jungfrau Maria vom Berge Karmel, 16. Juli.
am Fest des Propheten Elias, 20. Juli.
am Fest der Hl. Therese vom Kind Jesu, 1. Oktober.
am Fest der Hl. Therese von Jesus, 15. Oktober.
am Fest des Hl. Johannes vom Kreuz, 14. Dezember.
am Fest aller Heiligen des Karmeliterordens, 14. November.

Der Erwerb von teilweisen Ablässen hängt von der persönlichen Verfassung des Empfangenden ab, bei allen geistlichen Handlungen, die mit dem Zeichen der Weihe, also mit dem Skapulier, verbunden sind.

P. Metoděj Minařík, O.Carm.

* Das aspirative Gebet ist ein vereinfachtes Stoßgebet, der Atem der Seele. Ein kurzes, einfaches und liebevolles Hinsehen zu Gott, verbunden mit Worten – oder ohne sie. Mit der Zeit vereinfacht und verlängert es sich, um schließlich eine ständige und selbstverständliche Ruhestätte in Gott zu erreichen.