(Bearbeitet von P. Gorazd, O.Carm.)
Im Jahr 1997 erinnerte sich der Karmel an das 750. Jubiläum der Überarbeitung und Bestätigung der karmelitischen Regel durch Papst Innozenz IV. (1247). In den letzten Jahrzehnten haben sich die Karmeliten intensiver mit dem Studium des Textes der Regel und gleichzeitig dem historischen Kontext ihrer Abfassung beschäftigt. Sie reagierten damit auch auf die Aufforderung des Zweiten Vatikanischen Konzils, die an alle Ordensgemeinschaften gerichtet war:
„Es ist im Interesse der Kirche, dass (Ordens-) Gemeinschaften einen besonderen Charakter und eine besondere Aufgabe haben. Daher ist es notwendig, den Geist der Gründer und ihre Absichten sowie die gesunden Traditionen treu zu verstehen und zu bewahren; all dies bildet das Familienvermögen jeder Gemeinschaft“ (PC 2).
Darüber hinaus haben sich in den letzten Jahren der Karmeliterorden und der Orden der Unbeschuhten Karmeliten durch Treffen und die Zusammenarbeit ihrer höchsten Oberen und deren Beratergremien gegenseitig bedeutend angenähert. Ein Dokument von mehreren, die bereits beide Generaloberen gemeinsam veröffentlicht haben, betrifft auch die Regel des Karmels.
In Fortführung dieser Entwicklung genehmigten am 30. Januar 1999 die Generaloberen beider Orden zusammen mit ihren beratenden Organen eine neue Art der Gliederung des Textes der Regel des Karmels und die Bezeichnung der einzelnen Kapitel.
Von nun an sollten wir also diese neue Bezeichnung verwenden, die im Gegensatz zur früheren Praxis beiden Ordensgemeinschaften gemeinsam ist. In dieser Überarbeitung präsentieren wir Ihnen nun den Text, und zwar in der tschechischen Übersetzung, die heute in den Gemeinschaften der Karmeliten bei uns üblich ist. Damit möchten wir diese Form der tschechischen Übersetzung keineswegs als „offizielle“ tschechische Übersetzung für den Karmel bei uns ausgeben. Wir wissen gut, dass die unbeschuhten Karmelitinnen und unbeschuhten Karmeliten auch andere oder ältere Übersetzungen verwenden. In diesem Moment geht es nur um die neue Gliederung des Textes und um eine universelle Orientierung in jeder Übersetzung oder im lateinischen Original selbst. Die bisherige Kapitelnummerierung, wie sie der Karmel der ursprünglichen Observanz (OCarm) verwendet hat, finden Sie zur Vergleichsmöglichkeit am Rand angegeben. Im teresianischen Karmel unterschied sich die Nummerierung, aber sehr häufig wurde der Text der Regel auch ohne Kapitelnumerierung, lediglich mit ihren Überschriften, veröffentlicht.
Die neue Anordnung gliedert den Text der Regel nicht mehr in einen Einleitung, einzelne Kapitel und einen Schluss, sondern nur in fortlaufend nummerierte Kapitel. Zudem wurde absichtlich darauf verzichtet, Titel für die einzelnen Kapitel einzufügen. Der ursprüngliche Text enthält sie nicht und kann ohne sie authentisch zu Wort kommen, ohne zusätzliche Hervorhebung eines oder anderen inhaltlichen Elements.
Für alle Interessierten an einer tiefergehenden Auseinandersetzung mit der Regel bereiten wir auch eine Übersetzung des Kommentars zur Regel vor, die im Jahr 1979 von niederländischen Karmeliten erstellt wurde. Sie wird nur als Material für den internen Bedarf der Familie des Karmels veröffentlicht, ähnlich wie vor einiger Zeit die Hefte „Weltgeschichte des Karmels“ und „Tschechische Geschichte des Karmels“. Sie werden sie dann entweder von jemanden der Brüder Karmeliten oder im Kloster in Kostelní Vydří erhalten können.
Die erste Ausgabe der Zeitschrift Karmel im Jahr des Großen Jubiläums bietet eine hervorragende Gelegenheit, den Text der karmelitischen Regel mit seiner neuen Gliederung dem möglichst breiten Kreis der Familie des Karmels bei uns vorzulegen.
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REGEL
Orden der Brüder der seligen Jungfrau Maria vom Berge Karmel,
gegeben von St. Albert von Jerusalem
und überarbeitet und bestätigt im Jahr 1247 durch Innozenz IV.alte Kapitelnummerierung O.Carm. OCD 1. Albert, durch die Gnade Gottes berufen, Patriarch der Kirche von Jerusalem, den geliebten Söhnen in Christus B. und den anderen Eremiten, die unter seiner Leitung an der Quelle auf dem Berge Karmel leben: Gruß im Herrn und den Segen des Heiligen Geistes. (Prolog) [1] 2. Mehrfach und auf viele Arten haben die heiligen Väter festgelegt, wie derjenige, der in irgendeinem Lebensstand sein wird oder irgendeinen Lebensstil wählt, der sich Gott Hingabe, in Gehorsam gegenüber Jesus Christus leben und ihm treu dienen soll mit reinem Herzen und gutem Gewissen. [2] 3. Da ihr uns jedoch bittet, dass wir euch nach eurem Vorhaben Regeln für das Leben geben, die ihr in Zukunft befolgen sollt: 4. Zunächst also bestimmen wir, dass ihr einen von euch als Abt haben sollt, der zu diesem Amt mit einstimmigem Einverständnis aller oder der größeren und vernünftigeren Mehrheit gewählt wird. Jeder der anderen Brüder möge ihm Gehorsam schwören, und wenn er ihm schwört, möge er ihn zusammen mit Reinheit und Verzicht auf Eigentum in der Tat aufrichtig bewahren. (1) [3] 5. Ihr dürft Orte in Einsiedeleien haben oder dort, wo man euch geschenkt hat, die für euren Ordenslebensstil geeignet und geeignet sind, je nachdem, was der Abt und die anderen Brüder für passend erachten. (2) [4] 6. Darüber hinaus, gemäß der Bestimmung des Ortes, wo ihr beschließt zu wohnen, soll jeder von euch eine separate Zelle haben, die ihm durch persönliche Entscheidung des Abtes mit Zustimmung der anderen Brüder oder der vernünftigeren Mehrheit zugeteilt wird. (3) [5] 7. Was euch jedoch angeboten wird, esse gemeinsam im gemeinsamen Refektorium und höret dabei ein Lesen aus der Heiligen Schrift, wo dies leicht zu bewahren ist. (4) [6] 8. Niemand von den Brüdern möge ohne die Erlaubnis des Abtes, der zu jener Zeit sein wird, den ihm zugewiesenen Platz verändern oder mit einem anderen tauschen. (5) [7] 9. Die Zelle des Abtes soll nahe dem Eingang sein, damit er zuerst mit den Ankommenden spricht, und gemäß seiner Entscheidung und Anordnungen soll alles geschehen, was notwendig zu tun ist. (6) 10. Alle mögen in ihren Zellen oder in der Nähe bleiben und Tag und Nacht über das Gesetz des Herrn nachsinnen und auf das Gebet wachen, wenn sie nicht aus rechtmäßigen Gründen anderweitig beschäftigt sind. (7) [8] 11. Wer mit Klerikern die kanonischen Stunden beten kann, der bete diese gemäß den Anordnungen der heiligen Väter und dem genehmigten Brauch der Kirche. Wer dies nicht kann, der bete während der nächtlichen Wachstunden fünfundzwanzig Mal das Vaterunser, außer am Sonntag und an Feiertagen, an denen wir anordnen, die Zahl zu verdoppeln, sodass das Vaterunser fünzig Mal gebetet wird. Sieben Mal soll dieses Gebet anstelle des Morgengebets rezitiert werden. Anstelle der anderen Stunden soll es auf ähnliche Weise sieben Mal, außer während der Vesper, wo es fünfzehn Mal gebetet wird, geschehen. (8) [9] 12. Niemand von den Brüdern sage über irgendetwas, dass es sein Eigen sei, sondern habet alles gemeinsam. Dies soll der Abt in Anbetracht des Alters und der Bedürfnisse der einzelnen verteilen, das heißt, der Bruder, der von ihm zu diesem Dienst beauftragt wird, wie es nötig ist. (9) [10] 13. Wenn nötig, dürft ihr Esel oder Maultiere und einige Nutztiere oder eine kleine Menge Geflügel haben. [11] 14. Wenn es leicht eingerichtet werden kann, soll in der Mitte der Zellen eine Kapelle errichtet werden, wo ihr euch jeden Morgen zur Feier der Eucharistie versammeln könnt, wenn es ohne Schwierigkeiten möglich ist. (10) [12] 15. An Sonntagen oder nach Bedarf an anderen Tagen besprecht die Angelegenheiten des Heils der Seelen und die Bewahrung alles, was zu eurem Lebensstand gehört; dabei sollen die Brüder, bei denen ein Verstoß oder eine Sünde festgestellt wurde, mit unvoreingenommener Liebe ermahnt werden. (11) [13] 16. Haltet das Fasten von dem Fest der Erhöhung des Heiligen Kreuzes bis zu Ostern, außer an Sonntagen, täglich, es sei denn, Krankheit oder körperliche Schwäche oder ein anderer gerechter Grund zwingt euch, es zu unterbrechen, denn Not kennt kein Gesetz. (12) [14] 17. Enthaltet euch des Genusses von Fleisch, es sei denn, es wird als Heilmittel bei Krankheit oder Schwäche verwendet. Und da ihr auf Reisen öfters um Lebensmittel bitten müsst, dürft ihr außerhalb eurer Häuser gekochte Speisen mit Fleisch essen, damit ihr den Gastgebern nicht zur Last fallt; auch auf dem Meer dürft ihr Fleisch essen. (13) [15] 18. Da das Leben des Menschen auf der Erde eine Prüfung ist und alle, die fromm in Christus leben wollen, Verfolgungen erleiden, und überdies euer Widersacher, der Teufel, wie ein brüllender Löwe umhergeht und sucht, wen er verschlingen kann, bemüht euch mit aller Sorgfalt, die Rüstung Gottes anzulegen, damit ihr gegen die listigen Attacken des Feindes bestehen könnt. (14) [16] 19. Eure Hüften seien mit dem Gürtel der Reinheit umgürtet; die Brust sei mit heiligen Gedanken gepanzert, denn es steht geschrieben: Heilige Gedanken bewahren dich. Es ist nötig, den Brustpanzer der Gerechtigkeit anzulegen, damit ihr den Herrn, euren Gott, mit ganzem Herzen, mit ganzer Seele und mit allen Kräften liebt und euren Nächsten wie euch selbst. Bei jeder Gelegenheit sollt ihr den Schild des Glaubens ergreifen, mit dem ihr alle feurigen Pfeile des Bösen auslöschen könnt; denn ohne Glauben ist es unmöglich, Gott zu gefallen. Setzt euch auch den Helm des Heils auf, damit ihr auf die Rettung vom Heiland selbst hofft, der sein Volk von seinen Sünden retten wird. Das Schwert des Geistes, das das Wort Gottes ist, soll reichlich in euren Mündern und Herzen wohnen, und alles, was ihr tut, soll geschehen gemäß dem Wort des Herrn. 20. Tretet irgendeiner Arbeit nach, damit euch der Teufel immer beschäftigt findet und nicht durch eure Untätigkeit Zugriff auf eure Seele erlangen kann. Haltet den heiligen Paulus als Lehrer und Beispiel: Er sprach durch seinen Mund, und er war von Gott gesetzt und den Nationen gegeben als Prediger und Lehrer des Glaubens und der Wahrheit. Wenn ihr ihn festhaltet, könnt ihr nicht irregehen. Er selbst sagt: Wir arbeiteten und mühten uns Tag und Nacht bei euch, um niemanden von euch zur Last zu fallen. Nicht, dass wir das Recht dazu nicht hätten; sondern damit wir euch selbst als Vorbild geben, das ihr nachahmen könnt. Denn als wir bei euch waren, ermahnten wir euch: Wer nicht arbeiten will, soll auch nicht essen. Denn wir hörten der einige von euch leben unordentlich und arbeiten überhaupt nicht. Solchen Menschen gebieten und beschwören wir im Herrn Jesus Christus, dass sie mit Fleiß arbeiten und das Brot essen sollen, für das sie selbst arbeiten. Dies ist der heilige und gute Weg: Geht diesen! (15) [17] 21. Der Apostel empfiehlt das Schweigen, wenn er anordnet zu arbeiten. Und wie der Prophet bezeugt: Schweigen ist ein Streben nach Gerechtigkeit. Und wieder: In Stille und Vertrauen wird eure Stärke sein. Deshalb bestimmen wir, dass ihr nach dem Nachtgebet bis zur Prim des nächsten Tages das Schweigen bewahrt. In der übrigen Zeit, auch wenn euch das Schweigen nicht so streng verpflichtend ist, seht euch trotzdem sehr davor gehütet, viel zu reden, denn wie geschrieben steht und die Erfahrung gleichermaßen lehrt, in viel geredet kann man sich nicht der Sünde entziehen. Und wer unbedacht redet, wird Unglück erfahren. Ebenso schadet derjenige, der viele Worte gebraucht, seiner Seele. Und der Herr sagt im Evangelium: Aus jedem unnützen Wort, das die Menschen sprechen, werden sie Rechenschaft ablegen müssen am Tag des Gerichts. Also möge jeder sein Wort abwägen und seine Lippen fest zügeln, damit vielleicht nicht die Zunge stolpert und fällt und sein Fall nicht unheilbar zum Tod wird. Möge er mit dem Propheten seine Wege beachten, damit er sich nicht mit der Zunge verfehle, und möge er sich bemühen, sorgfältig und umsichtig das Schweigen zu bewahren, das ein Streben nach Gerechtigkeit ist. (16) [18] 22. Du aber, Bruder B., und wer auch immer nach dir zum Abt bestellt wird, behaltet stets im Sinn und haltet durch euren Handeln das, was der Herr im Evangelium sagt: Wer unter euch groß sein will, soll euer Diener sein; und wer unter euch der Erste sein will, sei euer Knecht. (17) [19] 23. Und ihr, übrigen Brüder, haltet euren Abt in demütiger Ehrfurcht. Denkt eher an Christus, der ihn über euren Köpfen eingesetzt hat, und der zu den Vorstehern der Kirche sagt: Wer euch hört, hört mich; wer euch verachtet, verachtet mich, damit ihr durch Verachtung nicht vor Gericht kommt, sondern durch Gehorsam das ewige Leben verdient. (18) [20] 24. Dies haben wir euch kurz geschrieben und so die Regeln eures Zusammenlebens aufgestellt, nach denen ihr leben sollt. Wenn jemand mehr tun möchte, wird der Herr selbst ihn belohnen, wenn er kommt. Achte aber darauf, dass er richtig unterscheidet, denn das Unterscheiden leitet die Tugenden. (Epilog) [21]