Ich bin jetzt einundachtzig Jahre alt. Wenn man älter wird, entsteht allmählich das Bewusstsein für Pflicht in einem. Zuerst widersetzt man sich, weil man das Gefühl hat, es sei Eitelkeit, aber dann ertönt in einem immer dringlicher die Stimme: „Bevor du uns verlässt, sag, was du weißt.“
Wenn ich heute dieser Aufforderung nicht nachkomme, hätte ich das Gefühl, ich vergrabe das Talent eines menschlichen Lebens. Es geht natürlich nicht um den Wert meiner Person, sondern darum, was ich durch die Lebensumstände, die mich hierher geführt haben, verstanden habe, oft erst nachdem ich meinen starren Widerstand aufgegeben habe.
Zu sagen, was ich weiß… Sobald ich mich daran mache, stelle ich fest, dass es eigentlich nur einige wenige Sicherheiten gibt. Es sind drei: und es ist doch wahr, dass der ewige Gott Liebe ist; und es ist doch wahr, dass wir geliebt werden; und es ist doch wahr, dass wir frei sind. Möge es mir gelingen, diese drei Sicherheiten anderen mitzuteilen.
(Abbé Pierre /Henri Grouès, 5. August 1912 – 22. Januar 2007/, Testament)