Liebste Gwen, meine liebe Nichte,
ich möchte Dir diese paar Zeilen zu Beginn Deines zweiwöchigen Packens geben. Nun, Du machst Dich bereit zum Packen, Verpacken und Auspacken für zwei Wochen. Worauf möchte ich, dass Du Deinen Geist und Dein Herz während dieses einsamen und traurigen Abschnitts Deiner Reise konzentrierst, mein Kind?
Jede Deiner einzelnen Handlungen, jeder Moment Deines Lebens steht in direktem Zusammenhang mit Gott, mit einer großen Präsenz. Natürlich gibt es auch bestimmte Momente, bestimmte Handlungen, die uns näher zu Gott bringen – das Gebet, die Stille, die heilige Kommunion. Und dennoch können selbst diese Handlungen Dich nicht so nahe mit Gott vereinen, wie es Dein Kofferpacken kann, wenn Du es als Pflicht dieses Augenblicks annimmst.
Keine einzige Seele im Himmel, kein einziger Engel oder Erzengel kann Dich an diesem Ort ersetzen; denn das, was Gott möchte, was Gott von Dir in der Familie der Hersts wünscht, in diesen Tagen, in denen Du packen wirst, ist einfach dieses kleine Packen, das von einem kleinen Mädchen in einem kleinen Haus vollzogen wird.
Verstehst Du mich, meine Liebe? In diesem Moment ist es das Packen, in einem anderen Moment stille Anbetung in der Kirche; in einem weiteren trauriger und unerwünschter Umzug; in einem anderen die Freude der menschlichen Zuneigung, die Du gibst und empfängst; in einem weiteren Moment scharfe, durchdringende Seelen- und Geistesqual, vollständige und totale Einsamkeit; dann in einem anderen äußere Akt der Frömmigkeit; und in einem weiteren Moment der Tod selbst.
All diese Ereignisse, jedes zu seiner Zeit und an seinem Platz, werden zum Werkzeug und Mittel der Liebe, der Wandlung, des Wachstums Deiner Seele. Es hängt jedoch von Gott ab, welche Mittel Er wählt… Gwen lasse sich einfach, demütig, vertrauensvoll und in Ruhe führen.Dein liebender alter Onkel H.
(Friedrich von Hügel /1852–1925/, Brief an die Nichte, 1. September 1919)