Schwester Maria von St. Teresa (1623–1677), karme litanische Tertiärin
(Fortsetzung)
XXVII. Der Geist der Liebe zur geliebten Mutter wirkt und handelt oft so unschuldig, dass der Mensch Eigenschaften hat, denkt und sich verhält wie ein zwei- bis dreijähriges Kind. Mein Geist wendet sich auf verschiedene und spontane Weise und hängt so sehr an dieser süßen Mutter, wie es im vierten Traktat der Einführung beschrieben ist. (Dies ist ein Verweis auf das Werk von P. Michael von St. Augustin, Introductio in terram Carmeli). Ihr mütterlicher Schoß ist für mich oft Zuflucht und Ort des Friedens. Dort finde ich große Befriedigung, Kraft und Trost, das ist Erfrischung und Erneuerung des Geistes und der Natur. Der Geist der Liebe verhält sich ihr gegenüber sehr spontan, unschuldig und vertraut, von ihr angezogen und eingeladen, auch um an ihrer mütterlichen Brust zu saugen, wie ein kleines und unschuldiges Kind. Und so fühle ich mich zu ihnen mit einer so zärtlichen Liebe und köstlichem Schmecken hingezogen, als ob es wirklich geschehe. Doch wir sollten nicht denken, dass es wirklich geschieht. Der Geist der Liebe wirkt auf verschiedene Weisen und mit unterschiedlichen Absichten.
Wie dem auch sei, seit dem Fest ihrer Himmelfahrt ist immer dieser Geist zärtlicher Liebe zu der geliebten Mutter in mir. Ihr höchst heiliges Name ist oft so süß in meinem Munde, dass ich mir wünsche, meine Lippen für diese Süße zu lecken und beinahe unersättlich wiederhole: „Maria, Maria, meine geliebte und gnädige Mutter…“, mit verschiedenem Aufflammen der Liebe, auch wenn ich einige Qualen, Schmerzen und Leiden am Körper und Geist ertrage. Jener mütterliche Schoß ist für mich Erfrischung, Beruhigung und Heilung all meiner inneren und äußeren Leiden, Nöte, Kämpfe usw. und dort vergesse ich alles und lege es ab wie ein sorgloses Kind, das an nichts anderes denkt, als ununterbrochen diesen höchst geliebten Schoß und seine mütterlichen Zärtlichkeiten zu genießen.
(Notizen vom 9. September 1677, etwa zwei Monate vor dem Tod von Schwester Maria)