Titus Brandsma: Gebet zu Jesus, dem Gekreuzigten

Herr, wenn ich auf dein Bild schaue, scheint es,
dass ich eine Umarmung fühle, wie von einem Freund;
ein kostbares Geschenk und ein sicheres Gut
finde ich so in meiner treuen Liebe.

Deine Liebe, das weiß ich, bringt auch Schmerz
und großer Mut wird mir nötig sein,
doch für deinen Ruhm führt kein anderer Weg,
als das Leid auf dem engen Pfad zu ertragen.

Meine Seele fühlt sich im Schmerz glücklich,
das Kreuz ist mir Freude, ich sehe es nicht als Strafe,
es ist ein Geschenk, das mich zu dir führen kann
und tief verbindet dein und mein Sein.

Und wenn du weiteres Leiden hinzufügen möchtest
zu dem, was jetzt bereits meine Seele quält,
werde ich sofort verstehen, dass ich in der Gnade
des Heilands bin und zum Heil eile.

lass mich, Herr, in Kälte, in Einsamkeit,
ich kenne dieses Gefühl und fürchte es nicht;
gerne gehe ich durch die Wüste und die Dunkelheit,
solange ich nur immer dich an meiner Seite finde.

Stehe bei mir, Jesus! Möge ich nie, Herr,
die Trauer unserer Trennung erfahren!
Durch deinen Zauber wandelt sich alles in Schönheit,
und das Leiden so scheint leicht zu sein.

(Titus Brandsma, 12.–13. Februar 1942, im Gefängnis in Scheveningen,
freie Übersetzung Věra Fischer)